Grenzübergang China und Nordkorea (Archivbild) | Bildquelle: AP

China und Nordkorea Blühender Handel - trotz Sanktionen?

Stand: 14.08.2017 11:14 Uhr

China trägt die neuen UN-Sanktionen gegen Nordkorea zwar ausdrücklich mit. Kleinere, private Unternehmen an der chinesisch-koreanischen Grenze handeln aber munter weiter - und auch das fürs Nuklearprogramm wichtige Öl wird weiterhin exportiert.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Eine Szene im UN-Hauptquartier in New York vor etwas mehr als einer Woche: Chinas Außenminster Wang Yi tritt vor die Presse, er hat sich gerade mit seinem US-Kollegen Rex Tillerson getroffen: "Wir haben beide noch einmal betont, dass die neuen Sanktionen des UN-Sicherheitsrats in vollem Umfang umgesetzt werden müssen."

Der chinesische Außenminister Wang Yi | Bildquelle: REUTERS
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Der chinesische Außenminister Wang Yi

China hat den jüngsten Sanktionen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ausdrücklich zugestimmt. Kein Veto, nicht einmal eine Enthaltung. Die Botschaft, die damit offiziell vermittelt wird: Peking will den Handel mit seinem Nachbarland weiter zurückfahren, um die Führung in Pjöngjang zu zwingen, ihr Atom- und Raketenprogramm zu stoppen. Inzwischen hat China auch mit der Umsetzung begonnen und einen Importstopp für Eisen, Eisenerz, Blei, Kohle und Meeresfrüchte aus Nordkorea angekündigt.

Auffällig ist jedoch, dass rein statistisch der Handel zwischen beiden Staaten zuletzt noch zugelegt hat. Die chinesische Zollbehörde gab Mitte Juli bekannt, dass die Ausfuhren nach Nordkorea verglichen mit 2016 im ersten Halbjahr um fast 30 Prozent gestiegen sind. Alles zwar auf niedrigem Niveau, aber trotzdem überraschend. In Peking redete man sich nach Vorlage dieser Zahlen damit heraus, dass Statistiken allein nichts bedeuteten, außerdem sei der Handel ja nicht komplett verboten.

"Wichtigster Energielieferant Nordkoreas"

Und tatsächlich: China kann zum Beispiel immer noch Öl nach Nordkorea liefern. "Das Land ist der wichtigste Energielieferant Nordkoreas", sagte der Hongkonger Wirtschaftsanalyst Enda Curran im Wirtschaftsnachrichtensender Bloomberg. "Ohne dieses Öl könnten die Nordkoreaner ihr Nuklearprogramm nicht betreiben. Falls die neuen Sanktionen gegen das Land nicht greifen, könnte China das Thema Öl anpacken."

"Öl ist überlebenswichtig", sagt Gong Keyu vom Shanghaier Institut für Internationale Beziehungen. "Man kann es für militärische, aber eben auch für zivile Zwecke benutzen - sowohl für Militärmanöver der Luftwaffe als auch für Traktoren der nordkoreanischen Bauern. Es ist schwierig, hier eine Trennlinie zwischen militärischer und ziviler Nutzung zu ziehen."

Grenzübergang China und Nordkorea (Archivbild) | Bildquelle: AP
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Die Brücke der Freundschaft bei Dandong verbindet Nordkorea und die Volksrepublik China (Archivbild)

Gewinnspanne der Schmuggler nimmt zu

Insgesamt nehme das Handelsvolumen zwischen beiden Staaten seit Jahren ab, so die Expertin des regierungsfreundlichen Thinktanks. "Bis zum vergangenen Jahr hat China zumindest einen Grundbedarf an überlebenswichtigen Gütern nach Nordkorea geliefert. Seitdem aber hat China quasi alle Importe und Exporte gestoppt, zumindest offiziell." Inoffiziell laufe der Handel zwischen beiden Staaten durchaus weiter, räumt sie ein.

Die chinesischen Behörden haben das Problem, dass sie längst nicht alles, was an der rund 1400 Kilometer langen Landgrenze zwischen China und Nordkorea abläuft, kontrollieren können. Das Bemerkenswerte daran: Weil die internationalen Sanktionen gegen Nordkorea immer schärfer werden, nimmt die Gewinnspanne der Schmuggler eher noch zu. "Wenn Sanktionen in Kraft sind, gehen die Preise hoch und Händler können mehr Profit machen", sagt Gong Keyu. "An der chinesisch-koreanischen Grenze sieht man viele Händler die ihre Geschäfte weiterbetreiben. Es ist nicht so, dass China das nicht unterbinden will, es ist aber einfach sehr schwierig."

Wirtschaftsbeziehungen China-Nordkorea: Handel läuft trotz Sanktionen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
14.08.2017 09:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. August 2017 um 05:49 Uhr.

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