Skyline von Shanghai | Bildquelle: dpa

Mehrheit an Firmenanteilen China öffnet Finanzbranche für Ausländer

Stand: 10.11.2017 16:33 Uhr

China will mehr ausländische Investoren ins Land locken und stellt dafür eine Öffnung seines Finanzmarktes in Aussicht. So soll es ausländischen Unternehmen bald erlaubt sein, die Mehrheit an chinesischen Banken, Finanzdienstleistern und Versicherern zu übernehmen.

China will Ausländern mehr Zugang zu seinem bisher weitgehend verschlossenen Finanzmarkt erlauben. Vize-Finanzminister Zhu Guangyao kündigte in Peking an, dass ausländische Unternehmen bis zu 51 Prozent an Joint Ventures von Wertpapierhäusern, Investmentfonds und in Termingeschäften übernehmen dürfen. Bislang liegt die Schwelle bei 49 Prozent.

Nach drei Jahren würden alle Begrenzungen für ausländische Beteiligungen gestrichen, sagte Zhu, bei Versicherern nach fünf Jahren. Die Details würden momentan von den zuständigen Behörden ausgearbeitet.

US-Präsident Donald Trump hatte bei seinem Besuch in China erneut einen besseren Zugang zum chinesischen Markt gefordert. Die Restriktionen in der Finanzbranche waren von den USA und der EU jahrelang scharf kritisiert worden.

"Schritt in die richtige Richtung"

Entsprechend erfreut reagierten ausländische Organisationen auf die Entscheidung der chinesischen Regierung. "Eine Öffnung der Finanzdienstleister steht definitiv ganz oben auf unserer Liste", sagte der Präsident der American Chamber of Commerce in Shanghai, Ken Jarrett. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen uns jetzt die konkreten Vorschriften anschauen."

"Es ist ein großer Durchbruch für Wertpapierunternehmen, die wirklich nur mit Mehrheitsanteilen funktionieren. 51 Prozent öffnet ihnen die Tür", sagte Jörg Wuttke, früher Präsident der EU-Handelskammer in China. "Aber China wird sehr selektiv sein, wenn es darum geht, Lizenzen zu vergeben."

Die Öffnung des Finanzsektors könnte auch Finanzressourcen für Chinas Entwicklung bereitstellen, sagte der Vorsitzende der US-Handelskammer in China, William Zarit. "Diese Beschränkungen und viele andere, die noch nicht angegangen worden sind, haben die Wirtschaftsaktivitäten in China viel zu lange behindert."

In anderen Branchen wartet man noch

Bislang waren Ausländer darauf beschränkt, die Rolle des Juniorpartners bei Gemeinschaftsunternehmen im chinesischen Finanzsektor zu übernehmen. Aus diesem Grund hatte sich etwa die größte US-Bank JPMorgan Chase im Dezember aus einem Investmentbanking-Joint Venture in China zurückgezogen.

Lediglich der britischen Großbank HSBC hatte Peking erlaubt, die Mehrheit an einem Gemeinschaftsunternehmen zu übernehmen. Im Januar erhielt Morgan Stanley als erste ausländische Großbank überhaupt grünes Licht von der Finanzaufsicht, 49 Prozent an einem Wertpapierhaus zu kaufen.

In anderen Bereichen wie der Autoindustrie oder dem Flugzeugbau werden ausländischen Investoren Mehrheitsbeteiligungen aber weiterhin verweigert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. November 2017 um 16:00 Uhr.

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