DJI-Drohne

Chinas Drohnen-Hersteller DJI Vom Spielzeug bis zum Hightech-Kopter

Stand: 09.12.2017 09:39 Uhr

Das chinesische Unternehmen DJI produziert nicht nur Spielzeug-Drohnen für den Gabentisch, sondern auch unbemannten Profi-Kopter für Filmindustrie und Landwirtschaft. Zweifel an der Zuverlässigkeit beim Datenschutz weist der chinesische Marktführer zurück.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Wenige Sekunden nach dem Abheben schwebt die Drohne schon einige Meter hoch in der Luft. Die Fernbedienung ist ans Smartphone angedockt. Livebilder der eingebauten Drohnen-Kamera werden in Echtzeit aufs Handy-Display übertragen. Eine nette Spielerei für alle, die gerne aufwendige Selfies machen.

DJI-Drohne
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Spielerei oder Profi-Einsatz - Drohnen gibt es für alle Anwendungen

Profi-Anwendungen immer wichtiger

Immer mehr Menschen nutzen Drohnen allerdings beruflich. Fernseh- und Filmteams machen mit ihnen Luftaufnahmen, Stromnetzbetreiber prüfen mit den ferngesteuerten Mini-Fluggeräten Überlandleitungen auf Schäden und Bauern besprühen mit Drohnen riesige Felder mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Der chinesische Drohnen-Hersteller DJI ist weltweit Marktführer.

Firmensprecher Kevin On beschreibt ein besonders ausgefallenes Anwendungsbeispiel: "Ein Schildkrötenzüchter wollte im Blick behalten, wie viele Eier gerade gebrütet werden. Per Kameraüberwachung ging das nicht und betreten konnte er den Sand, in dem die Eier liegen auch nicht. Also hat er sich eine Drohne angeschafft, um die Eier von oben, aus der Luft, zu zählen."

Weltweiter Marktführer

DJI-Drohne
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Auch in der Landwirtschaft werden Drohnen eingesetzt.

Das chinesische Tech-Unternehmen DJI ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. So stark, dass viele andere Drohnenhersteller aus Europa und den USA verdrängt wurden. DJI hat inzwischen ein Quasi-Monopol im Bereich der profi- und semiprofessionellen Drohnen. Tech-Analysten sagen, dass rund 70 Prozent aller nicht-militärischen Drohnen weltweit das DJI-Logo tragen.

Vorerst keine Paketdrohnen

Wovon die Firma mit Sitz im südchinesischen Shenzhen bisher die Finger lässt, ist ausgerechnet der Bereich, der zur Zeit medial besonders gehypt wird, wann immer es um Drohnen geht: Das Ausliefern von Paketen:
"Es gibt einen gewissen Hype um die Vorstellung, dass die Drohne Pakete zur Haustür fliegen. Für die nächsten drei bis fünf Jahre sehe ich das aber nicht."

Zu knifflig sei die Navigation innerhalb von Städten, sagt Kevin On, zu unklar die rechtliche Situation, falls etwas passiere. Außerdem stimme das Kosten/Nutzen-Verhältnis nicht. Auch beim Thema unbemannte Flugtaxis gibt sich der chinesische Hersteller noch skeptisch. So bald werde das nicht passieren, sagt der DJI-Sprecher. Gute Hardware und Technologie reichten für die Entwicklung von echten Drohnen-Taxis nicht aus.

Die Offenheit hat Grenzen

DJI verkauft sich als moderne und offene Firma. Die Showrooms des Unternehmens sind stylisch-minimalistisch, die Drohnen liegen wie edle Kunstwerke in einem Museum auf matt-weißen Glastischen. Ob und wieviel das Tech-Unternehmen mit seinen Drohnen inzwischen verdient, will Firmensprecher On aber nicht verraten: "Als nicht-börsennotiertes Unternehmen behalten wir das für uns. Was wir sagen ist: Zwischen 2011 und 2015 hat sich unser Umsatz verdoppelt."

Showroom mit DJI-Drohnen
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Gediegenes Ambiente für Fluggeräte: ein Showroom mit DJI-Drohnen

Wie steht es mit dem Datenschutz?

In Europa und den USA wird immer wieder die Frage aufgeworfen, wie sehr man einer Made-in-China-Drohne vertrauen kann. Datenschützer kritisieren etwa, DJI lasse unter Umständen chinesische Behörden auf Bewegungsdaten der Drohnen zugreifen, möglicherweise sogar auf die Aufnahmen der Kunden.

Firmensprecher Kevin On weist das zurück. "Die Fotos und Videos unserer Kunden werden vom Gerät auf einer SD-Karte gespeichert", sagt er. "Wenn die Kunden ihre Daten nicht auf unsere Webseite hochladen, bleiben sie beim Kunden. Die Diskussion darüber ist manchmal ein bisschen voreingenommen, vor allem, wenn es um chinesische Firmen geht. Wir arbeiten nach internationalem Standard. Wir behandeln unsere Kunden in Sachen Datenschutz so wie andere Firmen."

Ein echtes Dementi klingt allerdings anders.

Über dieses Thema berichtete SWR2 am 11. Dezember 2017 um 16:05 Uhr.

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