Container mit der Aufschrift China Shipping im Containerhafen in Shanghai (China). | Bildquelle: dpa

Deutsch-chinesische Wirtschaftsbeziehungen Viel Handel, wenig Wandel

Stand: 24.05.2018 12:15 Uhr

Chinas Wirtschaft brummt, auch dank des billigen Geldes der Staatsführung. Davon profitieren deutsche Firmen, die in China aktiv sind. Doch die gute Stimmung überdeckt ein grundsätzliches Problem.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die Automesse in Peking vor rund einem Monat: Am Stand von Volkswagen steht ein gut gelaunter Firmenchef Herbert Diess auf der Bühne. Zu diesem Zeitpunkt ist er erst seit wenigen Tagen im Amt. Er sei froh, hier zu sein, sagt Diess, schließlich sei China das zweite Zuhause von Volkswagen.

Und was die reinen Verkaufszahlen angeht, ist China für Volkswagen sogar längst die Nummer Eins: Nirgendwo sonst setzt der Konzern so viele Autos ab. Jeder zweite VW, der weltweit verkauft wird, geht nach China. Ähnlich gut läuft das China-Geschäft auch für den Rest der deutschen Wirtschaft. Das gilt sowohl für die großen Dax-Konzerne als auch für zahllose mittelständische Unternehmen, die in China aktiv sind.

VW-Chef Diess stellt auf der Automesse in Peking den neuen VW Touareg vor | Bildquelle: WU HONG/EPA-EFE/REX/Shutterstock
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VW-Chef Diess stellt auf der Automesse in Peking den neuen VW Touareg vor.

Gute und stabile Wirtschaftbeziehungen

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen seien sehr gut und stabil, sagt Lothar Grad, Vorstand der deutschen Auslandshandelskammer in Shanghai. Insgesamt sei man "auf einem guten Pfad".

Das Handelsvolumen zwischen den beiden Staaten wächst seit Jahren durchgehend. Allein im vergangenen Jahr legte es um rund neun Prozent auf knapp 187 Milliarden Euro zu. Besonders begehrt sind in China neben deutschen Autos und Autoteilen auch Maschinen, Spezialwerkzeuge und andere Hightech-Produkte.

Chinas Staats- und Parteiführung braucht sie für ihr ehrgeiziges Wirtschaftsprojekt "Made in China 2025". Dieses Projekt und der industrielle Modernisierungsprozess in China sorgten vor allem im Automatisierungsbereich für eine enorme Nachfrage nach deutschen Produkten, sagt der Shanghaier Unternehmensberater Georg Stieler. "Und das wird auch in den nächsten Jahren so weitergehen."

Ein möglicher Handelskrieg zwischen den USA und China könnte die gute Grundstimmung allerdings belasten. Der Internationale Währungsfonds warnt, dass gegenseitige Strafzölle rund 0,5 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums in China kosten könnten. Das würden auch deutsche Firmen zu spüren bekommen.

Nicht alles läuft perfekt in China

Aber auch ohne Handelskrieg läuft längst nicht alles perfekt in China. So haben Zensur und Blockade des Internets in China so massiv zugenommen, dass zwei Drittel der von der Auslandshandelskammer befragten deutschen Firmen dies inzwischen als unternehmerische Hürde bezeichnen. Die Deutsche Auslandshandelskammer zähle darauf, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in China gewisse Themen anspreche, so Lothar Grad. Insbesondere die Themen Internet, Datensicherheit und Marktzugang.

Das Thema Marktzugang ist schon seit Jahren auf der Tagesordnung, wenn sich deutsche Politiker mit der chinesischen Staats- und Parteiführung treffen. Immer noch würden ausländische Firmen längst nicht so gut behandelt wie heimische. Man habe schlechtere Bedingungen und Chancen, klagen deutsche Manager in China immer wieder.

Chinas Staatschef Xi Jinping | Bildquelle: AP
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Chinas Staatschef Xi Jinping hat sein Land in eine Autokratie moderner Prägung umgebaut.

China wird so autokratisch regiert wie lange nicht mehr

Nur offen sagen will das niemand, um die Geschäfte nicht zu gefährden. Denn China wird so autokratisch regiert wie seit Jahrzehnten nicht mehr und viele Manager haben schlicht Angst vor Repressionen.

Ein weiteres Problem: In Sonntagsreden beschwört Chinas Führung immer wieder den Freihandel und verspricht wirtschaftliche Öffnung. Die Realität sieht aber oft anders aus. "Es gibt dann immer eine Lücke zwischen der Ankündigung und der Umsetzung", sagt Grad. "Wir brauchen stabilere Rahmenbedingungen, um uns hier mittel- und langfristig positiv weiterentwickeln zu können."

Eine gute Nachricht für deutsche Firmen verkündete Chinas Führung Anfang der Woche: Die Zölle auf importierte Autos und Autoteile sollen zum 1. Juli deutlich gesenkt werden.

Und auch wenn nicht einmal fünf Prozent der in China verkauften Autos importiert werden - auch die deutschen Hersteller produzieren die meisten längst in Fabriken vor Ort - die Aktien von BMW, Daimler und Volkswagen legten nach der Ankündigung deutlich zu.

Deutsch-chinesische Wirtschaftsbeziehungen: Viel Handel, wenig Wandel
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
24.05.2018 09:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Mai 2018 um 12:00 Uhr.

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