Fußgängerbrücke in Shanghai | Bildquelle: AP

China schockt Börsen Rätsel um neuen Kursrutsch

Stand: 07.01.2016 15:15 Uhr

Sorge an den Börsen: Die Gründe für den zweiten Kurseinbruch in China sind nicht klar. Diskutiert werden die Abwertung des Yuan, die Verkaufspanik der Kleinanleger und die Skepsis der Investoren in den neuen Sicherheitsmechanismus.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Der Handelstag an den Börsen in China dauerte genau 15 Minuten. Dann war Schluss. Das neue Jahr ist erst eine Woche alt und Chinas Aktienmärkte crashen schon zum zweiten Mal. Der gemeinsame Aktienindex der Börsen in Shanghai und Shenzhen brach am Morgen kurz nach Handelsbeginn um mehr als sieben Prozent eingebrochen.

Im Fernsehsender CCTV hörte sich das so an:

"Die Börse hat heute fünf Prozent verloren, weniger als 15 Minuten nach Handelsbeginn. Der Handel wurde für eine Viertelstunde unterbrochen. Danach sank das Minus sofort auf sieben Prozent. Der Handelstag wurde vorzeitig beendet. Damit dauerte der Börsentag heute nur 15 Minuten."

Worüber der Moderator des Fernsehsenders CCTV hier berichtet, ist der zum Jahreswechsel eingeführte Schutzmechanismus der chinesischen Börsenaufsicht. Er funktioniert wie eine Art Sicherung. Geben die Kurse um fünf Prozent nach, wird der Handel kurz unterbrochen. Bei einem Minus von sieben Prozent wird der Handelstag komplett beendet. Schon am Montag, am ersten Handelstag des Jahres, wurde diese neue Sicherung angewendet.

Kursrutsch in China reißt Börsen weltweit mit
tagesschau 20:00 Uhr, 07.01.2016, Sandra Scheuring, HR

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Keine konkreten Gründe für Kursrutsch

Konkrete Gründe für den erneuten Kursrutsch in China gibt es nicht. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird nicht mehr so stark wachsen wie bisher, doch das ist bekannt. Die schlechten Konjunkturzahlen, die seit Monaten veröffentlich werden, überraschen deswegen niemanden mehr.

Einige Analysten bringen den Kursrutsch in Verbindung mit der chinesischen Währung Yuan. Die Zentralbanker in Peking haben den Kurs gegenüber dem US-Dollar heute weiter abgewertet. Zwar nur leicht, aber der Schritt genügte, um einige Händler zu verunsichern. Sie sorgen sich vor einer Art Währungskrieg, in dem Staaten ihre Währungen künstlich abwerten, um ihre Produkte im Ausland billiger zu machen. Weil das wiederum der Exportwirtschaft hilft, sagen andere Analysten auch: Die Abwertung des Yuan müsste die Kurse eigentlich anschieben.

Investoren skeptisch - Kleinanleger panisch

Chen Jiahe, Chefstratege des Pekinger Finanzunternehmens Cinda: "Die Kursverluste von heute sind eine rein psychologische Reaktion der Kleinanleger. Das Abwerten der Währung sollte eigentlich eine gute Sache sein. Kleinanleger sehen das aber negativ. Sie argumentieren, durch die Abwertung fließt ausländisches Kapital aus China ab."

Chen ist auch der Meinung: Der neue Sicherungsmechanismus, der den Handel bei heftigen Kursverlusten stoppt und die Stimmung eigentlich beruhigen soll, sorgt genau für das Gegenteil. "Viele Investoren können mit dem neuen Mechanismus noch nichts anfangen. Das und die nervöse Atmosphäre hat die Börsen in letzter Zeit bewegt. Investoren blicken mehr und mehr mit Skepsis in die Zukunft. Und diese Börsenwoche hat eben auch gezeigt, dass der neue Sicherungsmechanismus zusätzlich für Verkaufspanik sorgen kann."

Ähnliche Panik herrschte an den chinesischen Börsen vor einem halben Jahr, als die Indizes in Shanghai und Shenzhen innerhalb weniger Wochen um mehr als ein Drittel nachgaben.  Die Bedeutung für die Märkte in anderen Staaten damals: eher gering.

Chinas Börsen brechen wieder ein, Handel gestoppt
S. Wurzel, SWR Shanghai
07.01.2016 07:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Januar 2016 um 09:00 Uhr.

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