Ein Produkt mit einem Schild "Made in China" | Bildquelle: dpa

Online-Handel mit China Ganz legal keine Steuern zahlen

Stand: 08.03.2018 09:44 Uhr

Wer im Internet Produkte bestellt, bekommt diese häufig aus China geliefert. Steuern zahlen die chinesischen Händler, die auf Amazon oder eBay aktiv sind, aber meist nicht - und das völlig legal.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Ein unscheinbares Geschäftsgebäude im Norden von Shanghai. Im dritten Stock befinden sich ein Studio für Animationsfilme, eine Kindertagesstätte und eine kleine Onlinehandels-Firma. Jahresumsatz: rund fünf Millionen Euro. Der Besitzer ist ein 37-jähriger Chinese, der sich Pete nennt. Er erklärt den Aufbau seiner Firma: "Hier haben wir ein Team für die Plattform Amazon. Da drüben sitzen die Leute, die für eBay verantwortlich sind und wir haben auch ein Team, das sich um den Einkauf hier in China kümmert."

Pete hat in Großbritannien studiert. Seit einigen Jahren lebt er mit Frau und Tochter in Shanghai. Über seinen Online-Shop verkauft er vor allem Heimdeko-Artikel und Klamotten, unter anderem nach Europa. Hier im Shanghaier Großraumbüro arbeiten etwa zehn seiner insgesamt 40 Mitarbeiter. Sie beantworten zum Beispiel E-Mails von Kunden aus Deutschland. 

Nur manchmal Steuern zahlen

Verkauft wird über vier verschiedene Online-Plattformen: per eBay, über die amerikanische App Wish, über die in China erfolgreichste Shopping-App namens Taobao und - besonders wichtig für den deutschen Markt - auf Amazon. Wenn Pete über seinen Versandhandel erzählt, gibt er ganz offen zu, dass er Steuern nur manchmal zahlt, wenn er Ware nach Europa verkauft. Und das sei völlig in Ordnung so.

Der Grund: Händler wie Pete haben mehrere Möglichkeiten, ihre Waren über Amazon zu verkaufen. Eine ist, Waren quasi auf Vorrat in europäischen Amazon-Logistikzentren einzulagern und von dort aus zu versenden. Der Vorteil: Diese Produkte kommen schnell beim Kunden an. Auf solche Produkte muss ein chinesischer Händler am Standort des Logistikzentrums Umsatzssteuer zahlen.

Amazon-Gebäude in Chengdu | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Beim Versand aus China muss der Käufer in Europa die Einfuhr und Steuerabgaben übernehmen.

Bei Versand aus China zahlt der Käufer

Pete allerdings wickelt nur einen kleinen Teil seines Geschäfts so ab. Das meiste verschickt er nach eigenen Angaben direkt aus China. Alle Verantwortung für Steuern und Zoll schiebt er damit an die Käufer ab. "Wir versenden die meiste Ware von China aus. Darauf fällt dann für mich als Händler in Europa keine Umsatzsteuer an. Wenn ich auch von einem Lager in Deutschland aus verkaufen würde, fiele Umsatzsteuer an. Das ist aber nicht der Fall."

Einige seiner für Europa bestimmten Waren lagern in einem Amazon-Logistikzentrum in Großbritannien, erzählt Pete. Und auf die von dort aus verschickte Ware führe er britische Mehrwertsteuer ab, in Großbritannien: "Ich kenne aber auch einen Händler hier aus Shanghai, der Probleme bekommen hat. Er verkauft seit kurzem auf Amazon UK. Die britischen Finanzbehörden haben ihn überprüft und sagen nun, dass er rund 25.000 Euro Steuern nachzahlen soll, weil er getrickst habe. Diese Trickserei kann also auch nach hinten losgehen."

"Zu viel Bürokratie!"

Er wolle das vermeiden, betont Pete, deswegen halte er sich an die europäischen Steuerregeln. Die seien aber so kompliziert, dass es schwierig sei, sich zurecht zu finden. Deswegen werde er sein Europa-Engagement vorerst auch nicht ausbauen. "Viele Händler halten sich, so wie ich, zurück. Zu viel Bürokratie! Es ist ja nicht so, dass wir keine Umsatzsteuer zahlen wollen. Häufig wissen wir einfach nicht, wie und wo wir die Steuern zahlen sollen."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. März 2018 um 09:41 Uhr in der Wirtschaft.

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