Autobauer steigen bei Carsharing ein Benutzen statt besitzen

Stand: 04.12.2012 18:54 Uhr

Von kaum einer anderen Branche ist die Wirtschaft so abhängig wie von der Automobilbranche. Doch auch im kommenden Jahr rechnen die deutschen Autobauer hierzulande mit sinkenden Neuzulassungen. Das stellt sie vor neue Herausforderungen. Einige steigen beim Carsharing ein.

Von Laura Will für tagesschau.de

Eine Carsharing-Flotte mit dem Kleinwagen Smart | Bildquelle: dpa
galerie

Eine Carsharing-Flotte mit dem Kleinwagen Smart

Für die deutsche Automobilbranche wird das Jahr 2013 schwierig. Zumindest sieht die Prognose für das kommende Jahr nicht allzu rosig aus. So rechnet der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit einem Rückgang der Neuzulassungen auf rund drei Millionen Fahrzeuge. Die Inlandsproduktion werde im nächsten Jahr dank des stabilen Exports nach Übersee voraussichtlich geringfügig zulegen. "Der Gegenwind nimmt zu. Eines ist gewiss - das Jahr 2013 wird uns fordern, es wird ein hartes Arbeitsjahr", sagt VDA-Chef Matthias Wissmann.

Doch es gibt einen Bereich in der Automobilbranche, der kontinuierlich wächst: Das Carsharing. Das bedeutet, das Auto mit anderen zu teilen. Die Idee, dass mehrere Menschen ein Auto gemeinsam nutzen ist zwar nicht neu. Schon 1988 gab es die ersten Carsharing-Angebote in Berlin. Zur Zeit sind rund 262.000 Autofahrer bei allen Carsharing-Angeboten registriert. Zwar besitzt im Vergleich dazu jeder zweite Deutsche ein eigenes Auto. Dennoch steigt die Anzahl der Carsharing-Nutzer massiv an. Nach Angaben des Bundesverbandes CarSharing sind alleine im letzten Jahr die Nutzer beim stationsbasierten Carsharing um 15,8 Prozent gestiegen.

Die Zahl der Angebote steigt

Auch die Zahl der Carsharing-Autos steigt deutschlandweit an, nicht nur in den Großstädten. Der Bundesverband CarSharing hat in mehreren Städten das Angebot der Autos mit der Einwohnerzahl verglichen: An der Spitze steht Karlsruhe, auf Platz zwei kommt Düsseldorf gefolgt von München und Stuttgart, Platz fünf belegt Berlin.

In den meisten Städten und Regionen läuft die gemeinsame Nutzung des Autos über Anbieter, die über das Stadtgebiet verteilt feste Stationen haben. Rund 140 Anbieter gibt es in Deutschland. Gemessen an den im Carsharing eingesetzten Autos sind bei den stationsbasierten Anbietern die stadtmobil-Gruppe mit 26,7%, die cambio-Gruppe mit 16% und die DB Rent GmbH mit 11,8% die größten Anbieter.

Mit einem Führerschein und dem "car2go" Schlüssel-Siegel öffnet sich das Auto. | Bildquelle: dpa
galerie

Mit einem Führerschein und dem "car2go" Schlüssel-Siegel öffnet sich das Auto.

Genutzt wird Carsharing vor allem von den 30- bis 50- Jährigen. Und die Zahl der jüngeren Nutzer wird weiter wachsen. "Die jungen Menschen in Großstädten kaufen sich heutzutage viel seltener ein eigenes Auto", sagt Willi Loose vom Bundesverband CarSharing. Das hat nach Ansicht des Verkehrswissenschaftlers, Weert Canzler, vom Wissenschaftszentrum Berlin mehrere Gründe: "Das eigene Auto ist oft zu teuer. Außerdem hat das Auto in der Gesellschaft nicht mehr den Stellenwert, den es früher hatte." So sei das Auto nicht mehr das zentrale Statussymbol, sondern nur noch eines von vielen.

Autobauer müssen handeln

Deswegen reagieren die Autobauer auf das Carsharing. "Die Autobauer merken auch, dass Carsharing für sie ein rentables Geschäftsfeld sein könnte", sagt der Vorsitzende des Bundesverbandes CarSharing, Willi Loose. Vier Autobauer sind mittlerweile in das Carsharing-Geschäft eingestiegen und kämpfen um einen neuen Markt. In vielen Großstädten haben sie binnen weniger Monate Flotten von Leihwagen aufgestellt. Citroen setzt mit seinem Angebot "Multicity" ausschließlich auf Elektroautos und ist schwerpunktmäßig in Berlin unterwegs. BMW kooperiert mit Sixt und hat "DriveNow" gegründet, Volkswagen ist mit "Quicar" und Daimler mit "car2go" auf dem Markt. Daimler hat am Heimatstandort Stuttgart mit 300 Smarts die größte Elektroflotte Deutschlands gegründet.

Carsharing-Boom bringt keine Impulse für die Autoindustrie

Positiv auswirken wird sich der Carsharing-Boom auf den Absatz der Autobauer so schnell noch nicht – doch für die Hersteller ist es eine wichtige Investition in ihre Zukunft. Die Autobauer wollen sich auf dem schwierigen Markt behaupten, selbst wenn das bedeutet: Autos nicht mehr zu verkaufen, sondern zu vermieten. "Carsharing ist zwar im Kommen, es wird aber 2013 keine Impulse geben, die den Markt beleben, dafür ist es noch zu früh", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Dafür sei die gesamte wirtschaftliche Situation zu schwierig.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 4. Dezember 2012 um 14:00 Uhr.

Darstellung: