Cameron fordert Überseegebiete zum Kampf gegen Steuerbetrug auf

Der britische Premierminister David Cameron (Bildquelle: dpa)

Kampf gegen Steuerbetrug

Blauer Brief aus der Downing Street

Der britische Premierminister David Cameron hat die Überseegebiete seines Landes aufgefordert, stärker gegen Steuerhinterziehung vorzugehen. Cameron wandte sich in einem Brief an zehn Überseegebiete und Kronbesitzungen Großbritanniens.

Darin fordert er die führenden Politiker der Gebiete unter anderem auf, den Austausch von Steuerdaten zu unterstützen und die Transparenz in Steuersachen zu erhöhen. Dazu müssten auch Besitzverhältnisse von Firmen offengelegt werden.

Es sei Zeit, "das Haus in Ordnung" zu bringen, schreibt Cameron. Er begrüße die von den Überseegebieten bereits angekündigte Offenlegung von Steuerdaten. Es gebe jedoch noch Steigerungsmöglichkeiten hinsichtlich der "Qualität und Exaktheit".

Zwar glaube er, dass niedrige Steuern ein Motor für Wachstum und Wohlstand seien. "Aber niedrige Steuern sind nur dann tragbar, wenn das, was geschuldet ist, auch tatsächlich gezahlt wird." Cameron fordert die Schaffung und Einhaltung weltweiter Standards. "Es macht keinen Sinn, Steuerflucht in einem Land anzugehen, wenn das Problem einfach in ein anderes verlegt wird."

Premier Cameron erhöht den Druck auf Steueroasen und Konzerne
S. Pieper, ARD London
20.05.2013 13:37 Uhr

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Steueroasen im Visier der G8-Staaten

Im kommenden Monat findet in Nordirland der Gipfel der acht größten Industrienationen (G8) statt. Als Hauptziel des britischen G8-Vorsitzes hat Cameron den Kampf gegen Steueroasen vorgegeben. Dazu zählen auch einige der britischen Überseegebiete und Kronbesitzungen. Darunter sind die Bermudas, die Britischen Jungferninseln, die Cayman-Inseln, sowie die Kronbesitzungen Jersey, Guernsey und die Isle of Man. Der Brief ging zudem an die Regierungschefs Gibraltars, Montserrats, der Turks- sowie der Caicosinseln.

Anfang April hatten außerdem Medienberichte für Aufsehen gesorgt, wonach ein riesiger Datensatz über 130.000 mutmaßliche Steuersünder aus mehr als 170 Ländern enttarnt wurde. Sie sollen geheime Geschäfte mit Offshore-Firmen in einschlägigen Steueroasen gemacht haben. Genannt wurden dabei auch die Britischen Jungferninseln und die Cayman-Inseln.

Angesichts leerer Staatskassen stehen in Großbritannien auch internationale Konzerne wie Amazon oder Google in der Kritik. So setzte Google in Großbritannien von 2006 bis 2011 etwa 12 Milliarden Pfund (rund 14 Milliarden Euro) um, zahlte aber nur 11 Millionen Pfund (etwa 13 Millionen Euro) Steuern. Googles Nordeuropa-Chef Matt Brittin musste dazu kürzlich in einem Parlamentsausschuss Rede und Antwort stehen. Er sagte, er sei sich sicher, dass Google gegen keine Gesetze verstoßen habe.

Kanalinsel Jersey (Bildquelle: picture-alliance / dpa)
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Jersey ist nicht nur landschaftlich, sondern auch für Offshore-Firmen interessant. Noch, wenn es nach Cameron geht. (Archiv)

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Mai 2013 um 14:05 Uhr.

Stand: 20.05.2013 14:08 Uhr

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