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Nach Facebook-Datenskandal Cambridge Analytica macht dicht

Stand: 02.05.2018 21:19 Uhr

Cambridge Analytica hatte über Facebook Daten abgegriffen - und war dafür massiv kritisiert worden. Nun stellt die britische Analysefirma "unverzüglich" den Betrieb ein und meldet Insolvenz an.

Die britische Analysefirma Cambridge Analytica stellt den Betrieb ein. Unverzüglich würden alle Tätigkeiten beendet, heißt es auf der Homepage von Cambridge Analytica. Es habe sich gezeigt, dass das Geschäftsmodell nicht länger "rentabel" sei. Das Unternehmen habe einen Antrag auf Insolvenz gestellt. "Durch die Welle der Medienberichterstattung haben uns praktisch alle unsere Kunden und Zulieferer den Rücken gekehrt."

Cambridge Analytica sei zahlreichen ungerechtfertigten Anschuldigungen ausgesetzt worden. Die Firma sei für Geschäftspraktiken diffamiert worden, die nicht nur legal, sondern auch im Bereich sowohl politischer als auch kommerzieller Online-Werbung weithin als Standard akzeptiert seien. Auch die Muttergesellschaft SCL Elections gibt den Angaben zufolge mit sofortiger Wirkung ihr Geschäft auf.

Cambridge Analytica hatte von einem Cambridge-Professor Daten von Millionen Facebook-Nutzern erhalten, die er über eine Umfrage-App gesammelt hatte. Dabei hatten nur einige Hunderttausend Nutzer an der Umfrage teilgenommen. Der Rest waren einige Informationen über ihre Facebook-Freunde, zu denen die App nach damaliger Funktionsweise des Online-Netzwerks auch Zugang hatte.

Durchsuchung bei Cambridge Analytica in London | Bildquelle: AP
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Ende März wurde Cambridge Analytica in London durchsucht.

Facebook spricht von "Vertrauensbruch"

Facebook machte diese Schnittstellen bereits 2014 dicht und betont, dass die Weitergabe der Daten durch den Professor ein "Vertrauensbruch" gewesen sei. Dennoch stürzte der Fall auch Facebook in eine Krise. Cambridge Analytica beurlaubte im Zuge des Skandals Firmenchef Alexander Nix. Die Firma hatte auch für das Wahlkampfteam von Donald Trump gearbeitet, behauptet aber, dabei seien keine Daten von Facebook verwendet worden.

Manager von Cambridge Analytica ließen aber immer wieder durchblicken, dass ihre Hilfe bei der gezielten Ansprache von Wählern im Internet zur Wahl Trumps zum US-Präsidenten beigetragen habe. Nun bekräftigte Cambridge Analytica, dass das Unternehmen im Rahmen der Gesetze gehandelt habe und die Vorwürfe falsch seien. Das habe auch eine unabhängig Untersuchung bestätigt.

Behörden in den USA wie in Großbritannien hatten im Zuge des Skandals Ermittlungen eingeleitet. Facebook-Chef Mark Zuckerberg entschuldigte sich für den Datenmissbrauch und kündigte eine Reihe von Reformen in dem Online-Netzwerk an.

Cambridge Analytica macht dicht
Jens-Peter Marquardt, ARD London
03.05.2018 06:34 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. Mai 2018 um 22:15 Uhr.

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