Autohersteller BYD eröffnet Montagewerk Die Chinesen kommen via Bulgarien

Stand: 01.02.2013 02:44 Uhr

Mit BYD setzt der zweite chinesische Autohersteller auf Bulgarien. In Bresnik wird er bald Elektrofahrzeuge bauen. Viele Bürger des EU-Staats begrüßen das, denn es fehlt ihnen an Arbeitsplätzen. Die Chinesen schauen derweil schon weiter - über Ungarn und Österreich auf die übrigen EU-Märkte.

Von Ralf Borchard, ARD-Hörfunkstudio Wien

Das chinesische Elektroauto E6 | Bildquelle: AP
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BYD will zur Nummer eins bei Elektroautos in Europa werden.

"Die Menschen im bulgarischen Bresnik sind froh, dass die Chinesen kommen", sagt eine Passantin. "Wir hatten hier früher 5000 Einwohner, doch es werden immer weniger", meint eine andere. "Viele müssen als Tagelöhner nach Sofia fahren, um wenigstens Brot kaufen und die Rechnungen bezahlen zu können." Auch andere Einwohner finden es gut, dass die Chinesen in ihrer Stadt investieren, schließlich sei diese arm und die ganze Region brauche Arbeit. Und so unterstreicht Bürgermeister Vasil Uzonov: "Jeder Investor, der Arbeitsplätze schafft, ist willkommen. Wir haben zwei Standort-Vorteile: erstens die nahe Eisenbahnlinie, zweitens die Nähe zu Griechenland und den dortigen Häfen."

BYD ist nach Great Wall schon der zweite chinesische Autohersteller, der in Bulgarien investiert. BYD steht für "Build Your Dreams" - "Verwirkliche Deine Träume". In einem Joint Venture mit dem bulgarischen Energie-Unternehmen Bulmineral wollen die Chinesen in Bresnik Elektroautos und Elektrobusse montieren.

Chinas Autohersteller kommen via Bulgarien
R. Borchard, ARD Wien
01.02.2013 02:31 Uhr

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Ende Februar startet die Produktion

Noch stehen die beiden großen Werkshallen am Stadtrand von Bresnik leer. Eine ist umgebaut, die andere nagelneu - in leuchtendem Blau gestrichen. Die gesamte Technik - Produktionsstraßen, Prüfgeräte, Einzelteile - ist noch per Containerschiff unterwegs, doch die Ankunft wird jeden Tag erwartet. Und dann soll alles sehr schnell gehen.

Ende Februar startet die Produktion, kündigt Bulmineral-Geschäftsführer Mihail Ivanov an: "Am Anfang werden wir alle Teile aus China importieren und hier nur zusammensetzen. Mittelfristig produzieren wir dann auch einiges hier - Batterien und Ladestationen." Ivanov unterstreicht, in Bulgarien hoffe man vor allem, dass die veralteten Nahverkehrsbusse, die derzeit in Betrieb seien und überall die Luft verpesteten, durch Elektrobusse ersetzen werden können. Und natürlich setze man auf Aufträge aus anderen EU-Ländern.

Chinesischer Botschafter lobt Bulgariens geographische Lage

In der Hauptstadt Sofia hatte die chinesisch-bulgarische Handelskammer jüngst zu einem großen Empfang geladen. Der chinesische Botschafter Guo Yezhou war früher als Diplomat in Deutschland. Für Bulgarien als Produktionsstandort sprächen nicht nur niedrige Lohnkosten, sagt er, die geographische Lage zum Beispiel sei etwas Besonderes. Bulgarien sei Teil der Europäischen Union. Und außerdem: "Die Leute hier sind freundlich zu uns. Gut qualifizierte Mitarbeiter, niedrige Steuern - das sind Dinge, die attraktiv sind für Chinesen."

Elektroauto BYD | Bildquelle: REUTERS
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Neben Elektroautos baut BYD deren Akkus und Batterien gleich mit.

Schon Great Wall, die erste chinesische Autofirma, die nach Bulgarien kam und vor allem Geländewagen produziert, verfolgt eine Strategie, die jetzt auch BYD vorschwebt: Erst in Bulgarien selbst verkaufen, dann in Nachbarländer wie Mazedonien, um sich schließlich Schritt für Schritt Deutschland zu nähern. Botschafter Yezhou berichtete, er habe bereits davon gehört, dass es in Österreich jemanden gebe, der die künftig in Bulgarien produzierten Teile importieren wolle. Auch sein Kollege in Ungarn habe ihm erzählt, dass dort Interesse bestehe, Produkte nach Ungarn einzuführen.

BYD will zur Nummer eins bei Elektro-Autos in Europa werden. Von aggressiver Exportpolitik möchte der chinesische Botschafter in Bulgarien aber nicht sprechen. Wir sind Partner, betont er: "Die EU ist für China sehr wichtig. Sie ist ein Klub von 27 entwickelten Ländern, hat sehr viele Erfahrungen, von denen China profitieren kann. Wir sind strategische Partner füreinander. Wir sind eigentlich zu Partnern verurteilt."

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