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30.05.2012

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Wirtschaft
Bundesliga: Bühne frei für neue Rekordumsätze
Profifußball und Volkswirtschaft

Bühne frei für neue Rekordumsätze

Viele Sieger dürften vor der neuen Bundesliga-Saison schon feststehen: alle, die mit dem Profifußball in Deutschland Geld verdienen. Das Interesse am unangefochtenen Lieblingssport scheint unbegrenzt - die Umsätze wachsen und wachsen. Darüber kann sich auch der Staat freuen.

Von Fabian Grabowsky, tagesschau.de

Stadion des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In der vergangenen Saison kamen 13 Millionen Menschen in die Bundesliga-Stadien. ]
Heute geht es wieder los. Die Bundesliga startet in ihre neue Saison. Meister Borussia Dortmund empfängt zum Auftakt Rekordmitglied Hamburger SV. Mehr als 80.000 Zuschauer werden im Stadion sein - so viel wie eine größere Kleinstadt Einwohner hat: Fußball ist in Deutschland konkurrenzlos die Sportart Nummer eins - in der vergangenen Saison gingen fast 13 Millionen zu den Bundesligaspielen. So viel wie international in keiner anderen Liga. Hinzu kommen noch viele Millionen TV-Zuschauer.

Was auch wieder losgeht: das große Geldverdienen. Aber wie viel Geld das genau ist und wer davon profitiert, ist weniger bekannt. Was ist mit all den Sicherheitsdiensten, Gastronomen und Trikotherstellern? Und wie profitieren die Finanzämter?

Nicht weniger als 50 Prozent des Geldes, das Deutsche auf dem Sportmarkt ausgeben, entfalle auf den Fußball, sagt der Sportökonom Christian Alfs von der Universität Mainz - auf die anderen Sportarten wie Handball oder Eishockey hingegen höchstens ein Bruchteil: "Dieser Vorsprung zeigt die enorme Bedeutung des Fußballs in Deutschland." Etwa 15 Prozent der Deutschen gäben Geld aus, um Fußball passiv zu konsumieren.

Förderprogramm Fußball?

Bratwurststand vor der Commerzbank Arena (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Für viele Gastronomiebetrieben ist der Profifußball ein wichtiger Faktor. ]
Reinhard Rauball, Chef des der Deutschen Fußball Liga (DFL) kommentierte im "Bundesliga Report 2011", die Vereine und Kapitalgesellschaften der Profiligen seien "ohne Zweifel bedeutende Arbeitgeber und wichtige ökonomische Impulsgeber auch in strukturschwachen Regionen".

Fußball als Förderprogramm? Zumindest diese Einschätzung Rauballs teilt nicht jeder uneingeschränkt. Sportökonom Alfs meint, im Vergleich zu anderen Wirtschaftsfaktoren sei der Einfluss des Fußballs zwar größer als meist vermutet, aber trotzdem überschaubar: "Die Effekte sind zwar signifikant - aber Profifußball alleine reicht nicht, um eine Gegend zur Boomregion zu machen."

Bruttoinlandsprodukt einer Großstadt

Unbestritten sind aber wohl die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Branche insgesamt. Wie groß die sind, ist aber schwer zu ermitteln: Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Unternehmensberatung McKinsey gemeinsam mit der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL) als "kompetentem Gesprächspartner und Quelle zentraler Daten" die Studie "Wirtschaftsfaktor Bundesliga" - der erste und bislang einzige Versuch, die Gesamtauswirkungen darzustellen. Sie bezieht auch Unternehmen ein, die nicht unmittelbar mit den Clubs zusammenhängen, wie Bau, Einzelhandel, Medien oder Ausrüster.

Diese Studie präsentierte für die Saison 2007/2008 glänzende Zahlen: Der Profifußball erzeugt demnach eine Wertschöpfung von mehr als fünf Milliarden Euro. Das sei 0,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts - oder eben das Bruttoinlandsprodukt einer mittleren Großstadt. Der Großteil dieser Wertschöpfung stamme nicht aus dem Profifußball selbst: Einem Euro Wertschöpfung hier stünden 2,4 Euro in anderen Unternehmen gegenüber.

Auch auf den Arbeitsmarkt wirke sich der Profifußball aus: 70.000 Vollzeitstellen gebe es, mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 25.000 Euro. 90 Prozent der Stellen seien außerhalb der Clubs entstanden: Allein in der Gastronomie und in Hotels gebe es wegen des Profifußballs 10.000 Quasi-Vollzeitstellen, in der Bekleidungsindustrie hingen drei Prozent der Stellen vom Profifußball ab, in der Medienbranche immerhin noch mehr als ein Prozent.

Der Staat kassiert mit

Fanbegleiter der Polizei im  Weserstadion (Foto: picture alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In der Debatte um finanzielle Beteiligungen an Polizeieinsätzen sieht die DFL die Argumente auf ihrer Seite. ]
Und im Zusammenhang mit der immer wieder auftauchenden Debatte darüber, ob sich die Vereine an Polizeieinsätzen beteiligen sollen, dürfte die DFL eine Zahl besonders gefreut haben: Der Staat habe netto mit 1,5 Milliarden Euro von der Branche profitiert. Steuern und Abgaben aller Beteiligten stünden staatliche Ausgaben von 200 Millionen Euro gegenüber, davon 150 Millionen Euro für Polizeieinsätze.

Die DFL zeigte sich mit diesen Zahlen erwartungsgemäß mehr als zufrieden. "Unser Fußabdruck ist größer als erwartet", kommentierte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert die McKinsey-Studie. Die Vereine dürfte "sehr stolz auf das sein, was sie zur Volkswirtschaft beitragen".

Noch lange nicht ausgewachsen?

Aber unabängig davon, wie nachhaltig der Faktor Profifußball sich wirklich auswirkt - die kurz- bis mittelfristigen Aussichten, dass die Profifußballbranche weiter stolz sein darf, sind trotzdem gut. Das Interesse der Konsumenten und Sponsoren wachse seit Jahren konstant, auch die ausländischen Märkte würden erschlossen, sagt Tim Pawlowski, Juniorprofessor für Sportökonomik an der Deutschen Sporthochschule Köln: "Sowohl Vereine als auch die DFL betreiben das sehr professionell. Der deutsche Profifußball ist noch nicht am Peak angekommen." 

Das sieht auch sein Mainzer Kollege Alfs so: Die Professionalisierung und damit verbundene Kommerzialisierung des Fußballs seien noch lange nicht ausgereizt. Der Fußball baue seine Bedeutung seit Jahrzehnten kontinuierlich aus, auch dank eines "Kreislaufs" von Publikumsinteresse, das Medienberichterstattung hervorrufe, die wiederum das Publikumsinteresse weiter steigere.

Spannung sorgt für anhaltendes Interesse

Wichtigster Grund für die wachsende Attraktivität der Bundesliga ist wohl ihre Ausgeglichenheit. Die Bundesliga sei "ein sehr spannendes Produkt", sagt Pawlowski. Tatsächlich gibt es immer wieder Überraschungsmeister wie Dortmund, Wolfsburg oder Stuttgart - im Gegensatz zu vergleichbaren Ligen wie in Spanien oder England, wo in den vergangenen Jahren immer dieselben wenigen Clubs die Meisterschaft unter sich ausmachten. Zudem gelten die deutschen Clubs im Vergleich zum Ausland als wirtschaftlich gesund und die Stadien als attraktiv.

Wie das Spiel Dortmund - Hamburg heute ausgeht, weiß niemand. Auch nicht, wie es nach den restlichen Begegnungen des Premierenspieltags oder an den folgenden 33 Spieltagen steht. Eines ist aber sicher: Das Interesse wird massiv sein, die Umsätze auch. Und das wird auch noch einige Jahre so bleiben.

Stand: 05.08.2011 01:44 Uhr
 

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