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Bundespräsident Christian Wulff hat dem bisherigen Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Jens Weidmann, die Ernennungsurkunde als Präsident der Deutschen Bundesbank überreicht. Weidmann wird am Montag in Frankfurt feierlich in sein neues Amt eingeführt. Er hatte erst vor wenigen Tagen seinen 43. Geburtstag gefeiert. Damit wird er der jüngste Präsident, den die Deutsche Bundesbank je hatte. Weidmann arbeitete während seines Berufslebens unter anderem für den Internationalen Währungsfonds (IWF), den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und bereits einmal für die Bundesbank. 2006 war er dem Ruf von Kanzlerin Angela Merkel gefolgt und in Berlin ihr Chefberater für Wirtschafts- und Finanzfragen geworden. Im vergangenen Jahr ernannte ihn Merkel dann zusätzlich zu ihrem Chef-Vorbereiter (Sherpa) für die G8- und G20-Gipfel.
Mit der persönlichen Übergabe der Urkunden wollte Wulff nach eigenen Worten ein Zeichen setzen für die "überragende" Bedeutung, die er der Unabhängigkeit der Bundesbank beimesse. "Wir vertrauen Ihnen als Person. Wir vertrauen der Deutschen Bundesbank als Institution wie bisher und wir vertrauen der Europäischen Zentralbank", sagte der Bundespräsident. "Wir setzen auf Ihre Arbeit, die Stabilität des Geldes zu wahren." Weidmann stehe damit vor einer großen Herausforderung. Die Bürger erwarteten zudem, dass die Bundesbank auch unter Weidmann ihre Unabhängigkeit "weiterhin lebt." Die Deutschen hätten aus ihrer Geschichte ein besonderes Bewusstsein dafür, wie wichtig eine inflationsgeschützte, stabile Währung sei.
[Bildunterschrift: Der Weidmann-Vorgänger Weber (rechts) wollte sich nicht über seine weiteren Pläne äußern. ]
Bei einer kurzen Zeremonie in Wulffs Amtssitz Schloss Bellevue händigte der Bundespräsident zuvor dem bisherigen Bundesbank-Chef Axel Weber seine Entlassungsurkunde aus. Weber hatte Mitte Februar überraschend mitgeteilt, er wolle sein Amt "aus persönlichen Gründen" mit dem Ende seines siebten Amtsjahres zum Ende April niederlegen. Er war bis dahin auch der Kandidat der Bundesregierung für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Mit seiner Kritik am EZB-Krisenmanagement in der Staatsschuldenkrise hatte er sich jedoch international isoliert und kündigte schließlich seinen Rückzug an. Hartnäckig halten sich Gerüchte, Weber könnte zur Deutschen Bank wechseln, um deren Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann zu beerben. Der Wirtschaftsprofessor Weber ließ zu seiner beruflichen Zukunft bislang nur verlauten, er gehe im Anschluss an seine Zeit bei der Bundesbank für ein Jahr als Gastprofessor nach Chicago.
Die Bundesregierung wies indes erneut Berichte zurück, nach denen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auf eine Unterstützung des italienischen Notenbankpräsidenten Mario Draghi als neuem EZB-Präsidenten festgelegt habe. "Die Bundesregierung wird sich rechtzeitig äußern", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es gebe in der Sache keinen neuen Stand, versicherte er mit Blick auf einen Bericht der "Bild"-Zeitung, die gemeldet hatte, Merkel habe sich für Draghi entschieden. Die Regierung habe ihre Kriterien für einen geeigneten Kandidaten öffentlich genannt, betonte Seibert. Eine Entscheidung falle auf dem EU-Gipfel im Juni. Frankreich, Italien und Luxemburg haben sich bereits für Draghi ausgesprochen.
Der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, sieht mit Jens Weidmann als Bundesbankpräsident die Unabhängigkeit der Notenbank in Gefahr. "Vor allem hat sich Jens Weidmann durch unbedingte Loyalität zur Kanzlerin in deren Augen für den Chefposten bei der Bundesbank qualifiziert. Doch genau diese Eigenschaft verträgt sich schwer mit der geldpolitischen Unabhängigkeit dieser Institution", schreibt Schick in einem Gastbeitrag für "Handelsblatt Online". "Ein Bundesbankpräsident Weidmann müsste sehr bald durch eine klare Abgrenzung vom Kanzleramt den Beweis seiner Unabhängigkeit antreten."
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