Dr. Hans Tietmeyer | Bildquelle: picture-alliance / Sven Simon

Ex-Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer mit 85 gestorben

Stand: 28.12.2016 17:17 Uhr

Der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer ist im Alter von 85 Jahren gestorben, wie die Notenbank mitteilte. Der Diplom-Volkswirt stand fast sechs Jahre lang an der Spitze des Hauses.

Der ehemalige Präsident der Bundesbank, Hans Tietmeyer, ist gestorben. Er wurde 85 Jahre alt, teilte die Bundesbank mit. Tietmeyer hatte von 1993 bis 1999 an der Spitze der Zentralbank gestanden und sich in dieser Zeit insbesondere mit der Einführung des Euros befasst.

Er war 1990 zur Bundesbank gestoßen und zuvor Staatssekretär im Bundesfinanzministerium gewesen. "Hans Tietmeyer war ein herausragender Präsident, dessen Handeln stets klaren und festen Linien mit dem Ziel der Geldwertstabilität folgte", erklärte der heutige Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble würdigte Tietmeyer als bedeutenden Garanten für Stabilität und Marktwirtschaft: "Persönlich beeindruckt hat er mich mit seiner Kompetenz in den Verhandlungen zum Staatsvertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, an denen wir beide beteiligt waren", erklärte Schäuble. "Seine kluge, mahnende Stimme wird uns fehlen."

Jean-Claude Juncker @JunckerEU
Mit dem Tode von Hans #Tietmeyer verlieren #Europa, der #Euro und ich persönlich einen wichtigen Weggefährten. https://t.co/z44aGKNbDh

Aufgewachsen in "bescheidenen Verhältnissen"

Tietmeyer wuchs als eines von insgesamt zehn Geschwistern in Metelen in Nordrhein-Westfalen auf - in bescheidenen Verhältnissen, wie er selbst beschrieb. Sein Diplom machte der Volkswirt im Jahr 1959. Nur drei Jahre später begann der CDU-Politiker seine Tätigkeit für das Bundeswirtschaftsministerium, der er bis 1982 - zuletzt als Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik - nachging.

Anschließend wurde Tietmeyer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, wo er etwa als persönlicher Beauftragter für den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) die internationalen Wirtschaftsgipfel vorbereitete.

Verfasser des "Lambsdorff-Papiers"

In dieser Funktion verfasste er 1982 zudem für den damaligen FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff das sogenannte Lambsdorff-Papier, das den Bruch der sozialliberalen Regierung und den Sturz von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) einleitete.

Im Jahr 1988 versuchte die linksextreme Rote Armee Fraktion (RAF) Tietmeyer zu ermorden, indem sie seinen Dienstwagen unter Beschuss nahm. Der Anschlag, zu dem sich die Gruppierung später per Schreiben bekannte, scheiterte.

Mehrfach mit Auszeichnungen geehrt

Am ersten September 1999 ging Tietmeyer schließlich in den Ruhestand. In diesen wurde er vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder verabschiedet. Doch auch nach seinem Abschied aus dem Berufsleben blieb Tietmeyer in verschiedenen Ämtern aktiv, etwa als Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Bundesstiftung für Umwelt oder als Präsident der European Business School im Schloss Reichartshausen (Rheingau).

Tietmeyer erhielt für sein berufliches und privates Engagement mehrere Auszeichnungen, darunter auch das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik, die Ludwig-Erhard-Medaille für Verdienste um die Soziale Marktwirtschaft sowie den Hessischen Verdienstorden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Dezember 2016 um 14:00 Uhr.

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