Gipfel der BRICS-Staaten Mit eigener Bank gegen die Alte Welt

Stand: 15.07.2014 15:00 Uhr

Eine Entwicklungsbank gibt es eigentlich schon - und einen Währungsfonds auch. Das hält die BRICS-Staaten aber nicht davon ab, beides noch einmal zu gründen - die aufstrebenden Wirtschaftsmächte wollen unabhängiger sein.

Von Peer Vorderwülbecke, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, die fünf sogenannten BRICS-Staaten, wollen gemeinsame Institutionen schaffen - beim Gipfeltreffen in Fortaleza beschlossen sie eine Entwicklungsbank und einen Währungsfonds. Strukturen, die es im Rahmen der Vereinten Nationen eigentlich bereits gibt, wie José Alfredo Lima vom brasilianischen Außenministerium bestätigt: "Die Entwicklungsbank ist eine Struktur, die die Weltbank kopiert, sie ergänzt die Aktivitäten der Weltbank. Genauso ist das beim Währungsfonds, der sich am Beispiel des Internationalen Währungsfonds der Vereinten Nationen orientiert."

BRICS-Gipfeltreffen
P. Vorderwülbecke, ARD Buenos Aires, zzt. Rio de Janeiro
15.07.2014 13:49 Uhr

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Die BRICS-Staaten wollen also offensichtlich mehr Unabhängigkeit von den etablierten Finanzinstitutionen. Zu den Gründen äußerte sich der brasilianische Diplomat ebenfalls: "Die BRICS-Staaten haben in den vergangenen Jahren Reformvorschläge gemacht, besonders für den Internationalen Währungsform, die aber nicht beachtet worden sind. Die Gründung des eigenen Währungsfonds und der eigenen Bank ist eine Reaktion darauf."

"Signal an die alte Welt"

Wladimir Putin und Dilma Rousseff vor dem BRICS-Treffen in Brasilien | Bildquelle: dpa
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Wladimir Putin - hier mit Dilma Rousseff - hält sich bereits seit einigen Tagen in Brasilien auf.

Die Verhandlungen sind schon sehr weit fortgeschritten, so dass in Fortaleza nicht nur mit einem formalen Beschluss gerechnet wird, sondern bereits mit Einzelheiten der Strukturen. Der Währungsfonds soll mit 100 Milliarden US-Dollar ausgestattet werden, die Bank soll ein Startkapital von 50 Milliarden Dollar erhalten.

Zeitgleich zum BRICS-Gipfel wird in Fortaleza auch ein Treffen von verschiedenen Nicht-Regierungsorganisationen stattfinden. Mitorganisator ist Dawid Bartelt von der Heinrich Böll Stiftung. In der Vorbereitung hat er sich mit den Details der geplanten BRICS-Bank beschäftigt: "Das ist zunächst mal ein symbolischer Schritt. Die finanzielle Ausstattung mit 50 Milliarden Dollar ist sicherlich bescheiden. Da hat jedes einzelne Land mehr bei seinen nationalen Entwicklungsbanken. Aber hier zählt die symbolische Aussage, das Signal an die alte Welt." Die sich zukünftig mit im Bereich der Entwicklungsfinanzierung mit einem neuen Akteur auseinander setzen muss.

Was sagen die BRICS-Staaten zu den antirussischen Sanktionen?

Offiziell steht der BRICS-Gipfel in Fortaleza unter dem Motto "Inklusives Wachstum – Nachhaltige Lösungen". Politische Themen sind eigentlich nicht vorgesehen. Dawid Bartelt von der Böll Stiftung weist aber darauf hin, dass Russlands Präsident Wladimir Putin in Fortaleza persönlich anwesend sein wird: "Spannend wird die Frage, ob Russland die anderen BRICS-Staaten dazu bewegen kann, eine formelle politische Erklärung gegen die Sanktionen zu verfassen, die EU und USA gegen Russland wegen der Ukraine-Krise verhängt haben. Das ist politisch eine ganz spannende Frage." Diese Frage wird sich aber erst im Laufe des Gipfeltreffens entscheiden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Juli 2014 um 14:30 Uhr.

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