Der Präsident der New Development Bank (NDB), Kundapur Vaman Kamath bei der Eröffnungsfeier in Shanghai. | Bildquelle: REUTERS

Schwellenländer starten eigene Bank Alternative zu IWF und Weltbank

Stand: 21.07.2015 14:56 Uhr

Die BRICS-Entwicklungsbank hat ihre Arbeit aufgenommen. Mit ihrer Hilfe wollen Schwellenländer sich unabhängig von IWF sowie Weltbank machen und Entwicklungsprojekte fördern. Größter Anteilseigner ist China.

Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Shanghai

Banker, Minister und Diplomaten aus den fünf BRICS-Staaten beklatschen sich und ihre neue Bank. Seit mehreren Jahren ist sie geplant, nun hat sie in Shanghai den Betrieb aufgenommen - zumindest symbolisch. Die "Neue Entwicklungsbank" werde Dinge anders angehen, sagte Leslie Maasdorp aus Südafrika, der Vizepräsident der neuen Bank.

"Wir werden erst einmal ausprobieren und herumexperimentieren mit den bestehenden Entwicklungsmodellen." Es existierten keine definierten Vorgaben für das Geschäft, sagte Maasdorp. "Wir glauben, dass wir aus dem, was die bestehenden Institutionen gut machen, lernen sollten."

BRICS-Entwicklungsbank in Shanghai gestartet
S. Wurzel, ARD Shanghai
21.07.2015 14:32 Uhr

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Gegengewicht zu Weltbank und IWF

Die bestehenden Institutionen - damit sind die Weltbank und der Internationalen Währungsfonds gemeint. In beiden Finanzinstitutionen haben die USA und Europa das Sagen. Die BRICS-Bank - offiziell New Development Bank (NDB) - soll künftig eine Art Gegengewicht sein.

Allerdings betonten die Repräsentanten aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bei der Eröffnung heute auffällig oft, die neue Bank sei nicht als Konkurrenz gedacht, sondern als Ergänzung. "Als multinationale Bank, die von Schwellenländern gegründet wurde, wird die NDB mehr auf die Bedürfnisse der Entwicklungsländer eingehen. Sie wird ihre nationalen Besonderheiten stärker respektieren." Das werde die internationale Entwicklungszusammenarbeit bereichern und effizienter machen, sagte Lou Jiwei, der chinesische Finanzminister.

Finanzierung für Infrastrukturprojekte

Konkret soll die BRICS-Bank zum Beispiel Infrastrukturprojekte in ärmeren Staaten finanzieren. Dafür hat sie zunächst einen Kapitalstock von gut 45 Milliarden Euro, schon in wenigen Jahren soll doppelt so viel Geld zur Verfügung stehen.

Die BRICS-Staaten hatten sich schon vor einigen Jahren geeinigt, die gemeinsame Bank aufzubauen. Doch dann wurde erst einmal gestritten: Wer schießt wieviel fürs Grundkapital zu? Kommt der Standort der Bank nach Kapstadt oder Shanghai und welches Land bekommt den prestigeträchtigen Chefposten? Diese Fragen sind jetzt geklärt: Sitz der BRICS-Bank ist Shanghai und der Inder Kundapur Vaman Kamath ist erster Präsident. China steuert den Großteil des Kapitals bei, bekommt aber auch entsprechend viele Stimmrechte, während Südafrika, als kleinstes BRICS-Mitglied, am wenigsten zahlt.

Der Präsident der New Development Bank (NDB), Kundapur Vaman Kamath und Chinas Finanzminister Lou Jiwei und Yang Xiong bei der Eröffnungsfeier. | Bildquelle: dpa
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Sie gaben den Startschuss für die NDB: Der Präsident der New Development Bank (NDB), Kundapur Vaman Kamath, Chinas Finanzminister Lou Jiwei und Shanghais Bürgermeister Yang Xiong.

Kritiker fürchten steigende Missachtung der Menschenrechte

Befürworter der neuen Bank sehen neue Chancen für Entwicklungsländer. Kritiker hingegen sorgen sich davor, dass die BRICS-Staaten noch weniger als Weltbank und IWF darauf achten, dass in den geförderten Staaten Sozialstandards und Menschenrechte eingehalten werden.

Interessant wird zu sehen, ob und wie die BRICS-Bank mit der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) konkurrieren wird. Auch diese Bank wurde erst vor kurzem gegründet, mit ganz ähnlichen Zielen. Mit Peking hat sie ihren Sitz ebenfalls in China. Im Gegensatz zur BRICS-Bank sind an der AIIB aber auch viele westliche Staaten beteiligt, unter anderem Großbritannien und Deutschland.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Juli 2015 um 11:30 Uhr.

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