Protest-Graffito gegen Brasiliens Präsident Michel Temer | Bildquelle: AP

Ermittlungen in Brasilien Konzern zahlt Milliarden-Rekordstrafe

Stand: 31.05.2017 21:17 Uhr

Es ist eine Rekordsumme: Rund 2,9 Milliarden Euro zahlt das brasilianische Unternehmen J&F, um der Strafverfolgung zu entgehen. Der Konzern soll Bestechungsgelder an Politiker gezahlt haben - darunter möglicherweise auch an Präsident Temer.

Der brasilianische Konzern J&F hat einer Rekordzahlung zugestimmt, um der Strafverfolgung wegen Bestechung zu entgehen. Umgerechnet knapp 2,9 Milliarden Euro will das Unternehmen ratenweise über die kommenden 25 Jahre zahlen, wie die Bundesanwaltschaft in Brasilia mitteilte. Die fertig ausgehandelte Vereinbarung solle in den kommenden Tagen unterzeichnet werden. Es handelt sich den Angaben zufolge um den weltweit größten derartigen Vergleich. J&F ist der Mutterkonzern des weltgrößten Fleischlieferanten JBS und der populären Flip-Flop-Marke Havaianas.

Belastendes Telefonat

Der J&F-Konzern spielt auch eine zentrale Rolle in dem Korruptionsskandal um Brasiliens Präsidenten Michel Temer. Laut einem heimlich mitgeschnittenen Gespräch mit einem leitenden Angestellten von JBS soll Temer monatliche Schweigegeldzahlungen des Fleischunternehmens an den bereits wegen Korruption inhaftierten ehemaligen Parlamentspräsidenten Eduardo Cunha zugestimmt haben. Cunha, wie Temer Mitglied der rechtskonservativen Partei PMDB, sitzt wegen der Annahme von Schmiergeldern in Haft.

Cunha soll über umfassendes Wissen zur Korruptionsaffäre um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras verfügen. Offenbar sollen die Zahlungen ihn daran hindern, sein Insiderwissen an die Justiz weiterzugeben. Temer soll zudem für seine letzte Wahlkampagne von JBS 4,2 Mio Euro erhalten und 280.000 Euro selbst eingesteckt haben.

Nach Überzeugung der brasilianischen Justiz hat Präsident Temer so versucht, die großangelegten Ermittlungen zum Petrobras-Skandal namens "Lava Jato" (Autowäsche) zu behindern - die Schweigegeldzahlungen an Cunha könnten ein Teil davon sein. Temer steht wegen der Korruptionsvorwürfe massiv unter Druck, lehnt einen Rücktritt aber ab. Im Parlament wurden bereits 16 Anträge für ein Amtsenthebungsverfahren gestellt.

Über dieses Thema berichtete MDR Kultur - Das Radio am 30. Mai 2017 um 17:40 Uhr.

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