Ein ausgetrockneter Fluss im brasilianischen Bundesstaat Amazonas | Bildquelle: AFP

Brasilien zieht Dekret zurück Triumph für Umweltschützer - vorerst

Stand: 26.09.2017 15:11 Uhr

Die heftigen Proteste scheinen Wirkung zu zeigen: Brasiliens Regierung zieht das umstrittene Dekret zur Auflösung eines großen Schutzgebiets im Amazonas-Urwald zurück. Damit bleibt die Ausbeutung der Bodenschätze in dem Gebiet verboten.

Brasiliens Regierung wird das umstrittene Dekret zur Auflösung eines großen Schutzgebiets im Amazonas-Urwald zurückziehen. Die Entscheidung von Präsident Michel Temer werde im Laufe des Tages veröffentlicht, teilte das Energieministerium mit.

"Krieg gegen die Amazonas-Region geht weiter"

Die Freigabe des rund 46.000 Quadratkilometer großen Renca-Gebiets zur wirtschaftlichen Nutzung war im Land und international auf heftige Kritik gestoßen. Temer hatte den Schutzstatus des rohstoffreichen Gebiets unmittelbar nördlich des Amazonasflusses Ende August per Dekret beendet.

Greenpeace bezeichnete den Rückzieher der Regierung als "Sieg der Gesellschaft gegen diejenigen, die den Wald zerstören und verkaufen wollen". Es sei allerdings nur ein Etappensieg, warnte die Umweltorganisation: "Der Krieg gegen die Amazonas-Region und ihre Bewohner, den die Regierung Temer und die Agrarier-Fraktion im Parlament vorantreiben, geht weiter", erklärte Marcio Astrini, Sprecher von Greenpeace Brasilien.

Debatte über Renca nur vertagt?

Die Ausbeutung von Bodenschätzen in dem Gebiet, das ungefähr der Größe Dänemarks entspricht, bleibt damit bis auf weiteres verboten. Das Energieministerium machte jedoch deutlich, dass die Debatte über Renca "zu einem späteren Zeitpunkt" wieder aufgenommen werde. Der vehemente Protest von Prominenten in Brasilien und scharfe Kritik aus dem Ausland haben offenbar zum Einlenken der Regierung geführt.

Bereits Anfang September hatte Temer daraufhin einige Aspekte des Dekrets widerrufen. Das Gebiet in den Bundesstaaten Amapá und Pará im Norden Brasiliens war 1984 von der damaligen Militärregierung unter Schutz gestellt worden, um den Abbau von Rohstoffen durch ausländische Konzerne zu blockieren. In der Folgezeit wurden Teile der Renca-Region zu Naturreservaten und indigenen Schutzgebieten erklärt. Umweltschützer kritisieren, dass eine Änderung des Schutzstatus den Lebensunterhalt von Ureinwohnern und das ökologische Gleichgewicht beeinträchtigen würde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. September 2017 um 14:00 Uhr.

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