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30.05.2012

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Wirtschaft
Briten wollen Börsensteuer statt Transaktionssteuer behalten
Festhalten an Stempelsteuer

Briten pochen auf Börsen- statt Transaktionssteuer

Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer in der EU scheitert bislang vor allem am Widerstand Großbritanniens. Das Land erhebt an der Londoner Börse stattdessen eine traditionsreiche Steuer, die aber wichtige moderne Geschäfte ausspart. Sie bringt der Regierung jährlich Milliarden.

Von Barbara Wesel, RBB-Hörfunkstudio London

Logo der Londoner Börse (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: An der Londoner Börse wird beim Aktienhandel eine traditionsreiche Steuer erhoben. ]
Auf der Website der britischen Steuerbehörde wird die Sache ganz einfach erklärt: Wer für 1000 Pfund Aktien kauft, muss darauf fünf Pfund Stamp Duty zahlen, die sogenannte Stempelsteuer. Die Abgabe bemisst sich nach dem Kaufpreis der Aktie, nicht nach dem möglichen späteren Wert. Besteuert werden im Gegensatz zu früher nicht nur greifbare Anteilsscheine, sondern seit dem Ende der 1990er-Jahre auch der Handel mit Optionen und Rechten - wobei hier immer der Käufer zahlt. Faktisch verteuert also diese Steuer den Handel an der Börse um 0,5 Prozent.

Wobei diese Stamp Duty, die Stempelsteuer, eine der ältesten Abgabeformen ist, wie man an ihrem Namen erkennt. Sie geht zurück auf das 17.Jahrhundert und wurde in der Händlernation der Briten lange Zeit reichlich genutzt.

Audio: Streit um Finanztransaktionssteuer: Briten setzen auf "Stamp Duty"

AudioBarbara Wesel, RBB-Hörfunkstudio London 24.01.2012 17:34 | 1'53
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Jährliche Milliardeneinnahmen

Am Londoner Finanzmarkt eingesetzt, bringt sie je nach Konjunktur mehr oder weniger viel in die Staatskasse: In den Boomjahren nach der Jahrtausendwende waren es mehr als fünf Milliarden Pfund pro Jahr, nach dem Crash 2008 flossen nur noch rund drei Milliarden. 1990 versprach der damalige Premier John Major schon einmal, die Aktiensteuer abzuschaffen, wollte dann aber auf die Einnahmen doch nicht verzichten.

Allerdings gibt es bei der Stamp Duty wesentliche Ausnahmen: Sie gilt nicht für Devisengeschäfte, die am Finanzplatz London inzwischen eine große Rolle spielen, und sie wird nicht erhoben auf die modernen Formen des Derivatehandels, auf Swaps und andere computergestützte Varianten der schwer nachvollziehbaren Geldvermehrung.

Hintergrund:

Händler an der Frankfurter Börse (Foto: picture-alliance/ dpa)
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Widerstand gegen Finanztransaktionssteuer

Londoner Finanzviertel (Foto: picture alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die britische Regierung versucht verstärkt, den Devisenhandel nach London zu locken. ]
Deswegen auch leistet die britische Regierung den Vorschlägen aus Berlin und Paris für eine Transaktionssteuer so heftigen Widerstand: Die sollte nämlich alle Formen von Finanzgeschäften umfassen. Vor allem Devisengeschäfte finden die Briten aber zunehmend interessant: Sie versuchen gerade, den Handel mit chinesischen Renminbi nach London zu locken. Die Chinesen wiederum würden ihre Währung vermutlich eher in Singapur handeln lassen, als in London Steuern zu zahlen. Und: Die Einnahmen für eine Transaktionssteuer sollen nicht unbedingt nur in die Kasse des betreffenden Finanzplatzes fließen, sondern - wenn es nach Brüssel geht - auch die europäische Gemeinschaftskasse verstärken. Deshalb also: Doppel-No aus London zu diesen Vorschlägen der anderen Europäer.  

Stand: 24.01.2012 16:13 Uhr
 

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