Euromünzen liegen gestapelt vor Banknoten | Bildquelle: dpa

Steigende Zinsen Häuslebauer bangen, Sparer hoffen

Stand: 06.03.2018 07:30 Uhr

Auch wenn der Leitzins in der Eurozone weiter auf einem historischen Tief liegt: Der Finanzmarkt hat bereits eine Kehrtwende vollzogen. Mit spürbaren Folgen für Immobilienkäufer, Sparer und Anleger.

Von Andreas Braun, boerse.ard.de

Entwicklung der Immobilienzinsen
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Entwicklung der Immobilienzinsen

Wer sich für eine Immobilie interessiert oder wessen Zinsbindung in einem laufenden Immobiliendarlehen bald ausläuft, fühlt sich immer mehr zum Handeln gedrängt. Am Zinsmarkt für Hypotheken-Finanzierungen zeigt der Trend seit einigen Wochen deutlich spürbar nach oben. Das Portal für die Vermittlung von Baudarlehen Interhyp etwa weist für eine Musterfinanzierung mit zehnjähriger Laufzeit derzeit einen Zins von 1,6 Prozent aus. Immer noch niedrig. Aber noch Anfang des Jahres lag der Beispiel Zins rund 0,3 Prozentpunkte tiefer.

Für Häuslebauer geht es um viel Geld

Kleine Zinsänderung, großer Hebel: Wer etwa 200.000 Euro finanzieren muss, für den bedeutet eine Zinsänderung um einen Prozentpunkt während einer zehnjährigen Laufzeit einen Differenzbetrag von 18.000 Euro. Für viele Interessenten geht es damit derzeit darum, "wie viel Immobilie" sie sich in Zukunft noch leisten können, oder - im Fall einer Anschlussfinanzierung - wie hoch ihre künftige monatliche Belastung ausfällt.

Das Zinsniveau, das die EZB mit ihrem Leitzins eigentlich festzurren will, scheint den Währungshütern Anfang 2018 ein wenig aus dem Ruder zu laufen. Zwar betonte EZB-Chef Mario Draghi zuletzt erneut, dass der Leitzins in der Euro-Zone "bis weit nach Auslaufen des Anleihe-Kaufprogramms" auf dem Tiefst-Niveau von de facto Null Prozent verharren soll. Und das Kaufprogramm der Notenbank soll bis "mindestens September 2018" laufen.

Anleihe-Zinsen geben den Takt vor

Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in Prozent
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Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in Prozent

Doch am Finanzmarkt bewegen sich die Zinsen bereits in einem anderen Takt. Der Zehn-Jahres-Midswap, ein wichtiger Referenzzins im Interbankenmarkt, notiert derzeit mit 1,06 Prozent so hoch wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Und auch die Anleihenrenditen weisen in Deutschland weiter nach oben. Das Barometer des Rentenmarktes, die zehnjährige Bundesanleihe, weist derzeit eine Rendite von knapp 0,7 Prozent auf. Noch im Dezember hatte diese Rendite bei 0,3 Prozent gelegen. Und Mitte 2016 war der Zins sogar kurzfristig in den Bereich gerutscht.

Was den Häuslebauer umtreibt, ist für den deutschen Sparer vielleicht ebenfalls das Ende der Zinsdürre. Auf Tages- oder Festgeldkonten geparktes Geld hat in den vergangenen Jahren praktische keine Zinsen abgeworfen. Real haben die Spargroschen damit sogar Wertverluste erlitten, denn die Inflationsrate in Deutschland lag im vergangenen Jahr mit 1,8 Prozent auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren (s. unsere Übersicht: Steigende Zinsen, was tun?).

Immobilienaktien unter Druck, Banken profitieren

Auf dem Aktienmarkt werden weiter steigende Zinsen laut Experten zu gewaltigen Verwerfungen führen. Vor allem die Kurse von Immobilienaktien, wie etwa des Dax-Konzerns Vonovia, werden unter einem höheren Zinsniveau zu leiden haben. Denn die Konzerne weisen überwiegend eine hohe Verschuldung auf, über die sie ihre Käufe von Wohn- oder Gewerbeimmobilien finanzieren. Die Zinskosten, die bei Refinanzierungen künftig wohl steigen werden, fressen dann einen Gutteil der Gewinne der Unternehmen auf.

Für Aktien von Banken und Versicherungen bringt die Zinswende tendenziell eine Verbesserung der Ertragslage mit sich. Die Bankhäuser können Kundeneinlagen wieder rentierlicher "arbeiten" lassen und ihre Zinseinnahmen nach oben schrauben. Versicherer werden ein Stück weit aus ihrem Anlagenotstand befreit und können mit der Anlage in "sichere" Staatsanleihen wieder Erträge einfahren.

Immerhin: Die Wirtschaft brummt

Auch Zykliker wie Auto- und Industrietitel könnten in einer beginnenden Zinssteigerungsphase noch zu den Gewinnern auf dem Kurszettel gehören. Sie reagieren stets schnell auf eine anziehende Konjunktur - und ein Umfeld steigender Zinsen ist ja in aller Regel auch eine Folge einer robusten Wirtschaft. Die Weichen in der Welt der Finanzen und des Geldes, so scheint es aber derzeit, werden neu gestellt.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. März 2018 um 09:00 Uhr.

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