Tesla-Modell S | Bildquelle: picture alliance / empics

Elektromobilität Die Tesla-Jäger aus Deutschland

Stand: 17.05.2018 06:50 Uhr

Die deutsche Autoindustrie verstärkt ihre Ambitionen im Segment Elektroauto, denn der Markt dürfte bald gigantisch wachsen. Bislang galt der US-Konzern Tesla als größter Wettbewerber. Aber im Hintergrund lauert längst ein weiterer Konkurrent.

Von Thomas Spinnler, boerse.ard.de

Für viele ist Tesla fast das Ur-Modell des Elektroautos: Ein schneller, schnittiger Luxus-Sportwagen, die Autos versprechen das Fahren als Erlebnis und auf der Überholspur - also das, was uns Marketingstrategen über das Auto erzählen wollen. Und das Beste: Umweltschutz und ökologisches Bewusstsein kann Spaß machen. Man muss auf nichts verzichten, tut aber trotzdem das Richtige, lautet die Botschaft. Firmenchef, Gründer und Multimilliardär Elon Musk ist es gelungen, die Themen Zukunft und moderne, umweltfreundliche Mobilität mit seinem Unternehmen zu besetzen, auch wenn Tesla derzeit mit echten Problemen zu kämpfen hat.

Tesla S
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Tesla S

Das Image der deutschen Konkurrenz ist dagegen nach den vielen Skandalen der jüngsten Zeit angekratzt, obwohl sich das nicht in den Verkaufszahlen niederzuschlagen scheint. Positive Schlagzeilen kann die deutsche Automobilindustrie trotzdem gut gebrauchen. Da eignet sich das Thema Elektromobilität blendend, um Zukunftsfähigkeit zu demonstrieren.

Dramatisches Wachstum

Denn es ist keine Frage mehr, ob der Durchbruch für alternative Antriebe kommt. Die Frage ist: Wie schnell? Die Analysten der Boston Consulting Group (BCG) rechnen damit, dass Elektro- und Hybridfahrzeuge bis 2030 den globalen Marktanteil von Verbrennungsmotoren, der heute bei 96 Prozent liegt, auf etwa 50 Prozent zurückdrängen. Es stehe eine klare Wende hin zu alternativen Antriebsformen bevor, meint Andreas Dinger, Automobilexperte bei BCG. „Der Markt für Elektroantriebe wird ab 2025 dramatisch wachsen.“

PKW-Neuzulassungen nach Antriebsart
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PKW-Neuzulassungen nach Antriebsart, 2013 bis 1. Quartal 2018

Dass diese Nachfrage auch in Deutschland steigt, zeigen Zahlen der Deutschen Energie Agentur (dena). Im ersten Quartal 2018 lag der Marktanteil bei 4,7 Prozent, im Vorjahresquartal waren es noch 2,8 Prozent. Die Neuzulassungen stiegen 2017 um 80 Prozent auf insgesamt 118.000 Pkw. Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung rät: „Die Hersteller sollten diesen Trend aufnehmen […] und ihr Fahrzeugangebot ausbauen.“

Vorsprung durch Technik?

Das ist bei der deutschen Autoindustrie angekommen, denn das Geschäft will man nicht der Konkurrenz überlassen. Vor einigen Tagen ließ Audis Vorstandschef Rupert Stadler wissen, dass der Konzern plant, die Nummer eins unter den Premium-Anbietern zu werden. Im Jahr 2025 will Audi rund 800.000 elektrifizierte Autos, also Batteriefahrzeuge oder Plug-in-Hybride, verkaufen. Das entspräche etwa einem Drittel des Gesamtvolumens.

BMW und Daimler bleiben vage und nennen keine konkreten Gesamtzahlen. Aber sie planen für 2025 mit einem Anteil von 15 bis 25 Prozent Elektrofahrzeugen am Verkauf. Auch Porsche nimmt die Herausforderung ernst. Der Elektro-Porsche mit der vielsagenden Modell-Bezeichnung Mission E wird im Jahr 2019 auf den Markt kommen. Er sieht wie ein direkter Konkurrent für den Sportwagen Teslas, das Model S aus.

Porsche Mission E
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Porsche Mission E: Teurer als der Tesla Model S

„Die Fahrzeuge, die ich gesehen habe, sind den Tesla-Modellen weit überlegen“, zitiert der Nachrichtendienst Bloomberg den Vorstandschef der US-Autohändlerkette AutoNation. Vielleicht nur eine persönliche Einschätzung, ein Vergleich der industriellen Fertigkeiten der deutschen Branche mit Tesla zeigt aber, wo wichtige Kompetenzen liegen dürften: In der Massenproduktion und in der Fähigkeit, eine breite Modellpalette auf die Straße zu bringen. Während Tesla im Gesamtjahr 2017 etwas mehr als 100.000 Fahrzeuge verkaufte, schafften BMW und Daimler allein im April dieses Jahres zusammen fast das Vierfache.

Entschieden wird in China

Diese Erfahrung in der Massenproduktion wird beim Thema E-Mobilität wichtig sein. Denn vollständig wird das Bild erst, wenn man den riesigen chinesischen Markt betrachtet, der für die deutschen Marken von überragender Bedeutung ist. 2017 wurden in China insgesamt mehr als 24 Millionen Autos verkauft. Von beispielsweise mehr als zehn Millionen verkauften VW-Fahrzeugen landeten 4,2 Millionen 2017 in China.

Nio EP 9
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Nio EP 9: Auch in China baut man E-Autos

Ab 2019 gilt in China eine Zehn-Prozent-Quote für Elektroautos. „Um auf diesem Markt, dem größten für die deutschen Autokonzerne, weiter eine Rolle spielen zu können, muss das Angebot an Elektroautos erheblich ausgeweitet werden“, kommentiert Peter Fuß, Automobilexperte bei EY. In einer aktuellen Studie haben die Fachleute von EY herausgefunden, dass deutsche Autokonzerne bei Investitionen im Bereich Elektromobilität derzeit weltweit vorn liegen.

Das wird auch nötig sein, denn in China wächst gerade ein Konkurrent heran, der wohl auf die Unterstützung der Staatsführung zählen kann: Die chinesische Elektroautomarke Nio.  

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Unter Strom mit neuen Elektroautos

Tesla X

Tesla Model X: Model X heißt das SUV von Tesla, es ist das Vorbild für die Fahrzeuge von Audi, BMW und Daimler. Es wird bereits seit 2015 an Kunden ausgeliefert. Wer mag, kann es auch in veganer Ausstattung ohne Ledersitze kaufen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. März 2018 um 16:30 Uhr in "Wissenschaft im Brennpunkt". Der SWR berichtete am 04. Mai 2018 um 13:00 Uhr in "Planet Wissen".

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