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Zugang zu Chinas Filmmarkt Trump, der neue Bösewicht Hollywoods?

Stand: 08.08.2018 06:57 Uhr

Die großen Hollywood-Studios frohlockten schon: Dieses Jahr könnten sie endlich größeren Zugang zum boomenden Film-Reich der Mitte erlangen. Doch sie hatten die Rechnung ohne Donald Trump gemacht.

Von Angela Göpfert, boerse.ard.de

Mit großen Inszenierungen kennen sie sich aus, die großen Hollywood-Studios wie Walt Disney, Universal und Paramount. Doch in diesem Drama wollten sie nun wirklich nicht mitspielen. US-Präsident Donald Trump hat Disney & Co. unversehens auf die große Weltbühne gezerrt. Dort stehen sie nun unfreiwillig im Rampenlicht eines Spektakels mit dem Titel "Die USA gegen den Rest der Welt".  

Nur eine Nebenrolle?

USA-China
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Der Handelsstreit USA-China hält auch die Filmindustrie in Atem

Denn auf der langen Trumpschen Liste mit chinesischen Produkten, auf die künftig Strafzölle entfallen könnten, finden sich auch "Kino-Filme mit einem Format von 35 Millimeter oder mehr" wieder. Experten befürchten nun, China könnte zum Gegenschlag ausholen und auch US-Filme mit Zöllen belegen.

Im großen Handelsstreit der USA mit China mag die Unterhaltungsindustrie auf den ersten Blick nur eine Nebenrolle spielen. Doch kaum eine amerikanische Branche ist so verletzlich wie die Filmindustrie, verfügen die USA hier doch über einen Handelsüberschuss. 

Disney ist der China-König

Für Hollywood ist der boomende chinesische Filmmarkt ein gigantischer Umsatzbringer: Laut "Forbes" spielten US-Filme in China 2017 Erlöse in Höhe von 3,3 Milliarden Dollar ein - ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache
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Mit diesem Film machte Disney in China gute Geschäfte

 Größter Profiteur: Walt Disney. Der Mickey-Mouse-Konzern erwirtschaftete mit sieben Produktionen, darunter der Pixar-Hit "Coco" und der fünfte Teil der "Pirates of the Carribean"-Saga "Salazars Rache", im Reich der Mitte einen Umsatz von 735 Millionen Dollar. 

Auch Dinos sind gern gesehen

Aber auch andere Hollywood-Studios machten gute Geschäfte in China: So erzielte der US-Medienkonzern Comcast mit seinem Universal-Studio-Film "Jurassic World: Das gefallene Königreich" 2017 weltweit einen Umsatz in Höhe von 1,069 Milliarden Dollar - fast ein Viertel davon in China.  

Jurassic World
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Jurassic World - ein Blockbuster in China

Die Universal-Produktion "The Fate of the Furious" spielte sogar 393 Millionen Dollar in China ein und war damit der erfolgreichste Hollywood-Film im Reich der Mitte.   

25 neue Kinoleinwände pro Tag

Und der chinesische Markt für Kinofilme boomt weiter: Experten gehen davon aus, dass er schon in den nächsten Jahren Nordamerika als größten Kinofilmmarkt ablösen wird. Jeden Tag werden in China 25 neue Kinoleinwände aus dem Boden gestampft. 

Für Hollywood kommt der Handelsstreit mit China damit wahrlich zur Unzeit. Zumal es bis vor kurzem noch begründete Hoffnungen gegeben hatte, die chinesischen Behörden könnten den heimischen Filmmarkt in diesem Jahr weiter öffnen.

Bislang dürfen nämlich nur 34 US-Filme im Jahr nach China importiert werden. Nur 25 Prozent der Erlöse in China fließen zurück in die USA - weit unterhalb der internationalen Norm, die bei 40 bis 50 Prozent liegt.  

Handelsstreit als Ausrede

"China wäre sehr froh, könnte es die Zahl der Hollywood-Filme im Land auf null zurückschrauben - der Handelsstreit mit Amerika liefert ihm jetzt eine willkommene Ausrede dafür", erklärt John Thaler, Gründer des auf die Medienbranche spezialisierten US-Hedgefonds JAT Capital Management. 

Andererseits hat China selbst ein großes Interesse daran, dass (mehr) Hollywood-Filme ins Land kommen. Sollten die Zuschauerzahlen einbrechen, weil plötzlich die Hollywood-Blockbuster fehlen, würde das die heimischen Kinobetreiber und Filmverleiher dramatisch treffen.

 "Für China wäre eine Attacke auf Hollywood mit weit mehr Nachteilen als Vorteilen verbunden", betont China-Experte Stanley Rosen von der University of Southern California.  

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Was zählt, ist die Einstellung

Was Hollywood aber am Ende des Tages retten dürfte, ist seine politische Ideologie: Die amerikanische Filmindustrie gilt nämlich nicht gerade als großer Trump-Unterstützer.  

Wollte China eine Botschaft an den US-Präsidenten senden, dann würde es Bauern in Iowa oder Fabrik-Arbeiter in Pennsylvania ins Visier nehmen - nicht aber das liberale Hollywood.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunkultur am 23. Juni 2018 um 14:30 Uhr.

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