Donald Trump

Handelskonflikt USA-China Trumps Zollpolitik trifft US-Betriebe

Stand: 06.07.2018 07:00 Uhr

Auge um Auge ist Donald Trumps Devise, um Amerika wieder "groß" zu machen. Doch seine Zölle treffen nicht nur chinesische Produzenten. Auch die heimische Industrie leidet unter dem Handelskonflikt.

Von Bettina Seidl, boerse.ard.de

Donald Trump sieht sich gern als der große Beschützer der heimischen Wirtschaft. Er erlässt Zölle um Zölle, um die ausländische Konkurrenz auf Abstand zu halten. Doch Amerika leidet unter dem immer weiter eskalierenden Handelskrieg.

US-Landwirtschaft unter Druck

Die großen Leidtragenden sind die amerikanischen Landwirte. Ausgerechnet die Farmer, die dem US-Präsident ihre Stimme gaben. Schon Trumps Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte setzten den Landwirten zu. Die Stahlpreise kletterten, und vieles wurde teurer, was landwirtschaftliche Betriebe zum Betrieb benötigen: Zäune, Traktoren, Werkzeuge, Silos - alles aus Stahl.

Einige Landwirte und Betriebe mussten ihre Expansionspläne auf Eis legen, Neuanschaffungen zurückstellen. Die heutige neue Zollwelle gegen China dürfte die Landwirte zum zweiten Mal treffen.

China kündigt Gegenzölle an

Mit den seit Mitternacht geltenden Zöllen von 25 Prozent auf Waren im Wert von 34 Milliarden US-Dollar (29 Milliarden Euro) geht Trump gegen chinesische Hightech-Produkte vor. China prangerte den Schritt als den Beginn des "größten Handelskrieges der Wirtschaftsgeschichte" an und kündigte Vergeltung an.

China habe keine andere Wahl, als zurückzuschlagen, erklärte das Handelsministerium der Volksrepublik. Erwartet wird, dass China mit Gegenzöllen auf landwirtschaftliche Produkte antworten dürfte - vor allem auf Sojabohnen.

Hightech aus China, Bohnen aus den USA

Die Sojabohne ist der Exportschlager der USA. Und China ist der Hauptabnehmer. Das Land ist der größte Soja-Importeur der Welt, denn es ist auch der weltweit größte Produzent von Schweinefleisch. Es verbraucht Unmengen von Sojabohnen, um sie an Hühner, Schweine und Rinder zu verfüttern. Rund 100 Millionen Tonnen im Jahr importiert China.

Die US-Farmer verdienen nicht schlecht daran. Im vergangenen Jahr erlösten sie mit Sojabohnen 22 Milliarden US-Dollar, 14 Milliarden davon stammten aus der Volksrepublik. Doch der Umsatz wird angesichts der Zölle schrumpfen. Die chinesischen Landwirte dürften das Futter für das liebe Vieh künftig aus anderen Ländern beziehen, wie etwa Brasilien oder Argentinien oder aus Osteuropa. Zwar braucht das seine Zeit, aber langfristig verlieren die US-Farmer Kunden.

Agrarrohstoffe auf Talfahrt

Gelitten haben sie schon jetzt. Der Preis für Sojabohnen ist infolge des Handelsstreits in den letzten Wochen in den Keller gegangen. Er sank um rund ein Viertel. So billig war Soja zuletzt vor zehn Jahren.

Andere Agrarrohstoffe wie Mais, Weizen und Baumwolle gaben ebenfalls stark nach. Das Wetter in den USA, das die Ernte begünstigte, wirkte sich zusätzlich preissenkend aus. Aber Trumps harter Kurs spielte bei der Preisentwicklung auch eine Rolle.

Soja
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Ein Scheffel Sojabohnen - das entspricht einer Menge von gut 27 Kilo - kostete im März noch 10,77 US-Dollar. Mittlerweile liegt der Preis bei 8,44 US-Dollar.

Votum gegen Trump?

Daher bröckelt der Rückhalt des US-Präsidenten unter den Farmern. Nach Jahren guter Ernten, die die Preise gedrückt haben, müssen sie ohnehin knapsen. Ihr Einkommen sank seit 2013 um mehr als die Hälfte. Einen weiteren Umsatzverlust können sie sich nicht leisten. Viele bangen um ihre Existenz.

"Wir sind besorgt", warnte Mitte Juni Tom Sleight, Präsident des U.S. Grains Council. Die Sperrung von US-Produkten in China bedeute nicht, dass der Handel eingestellt wird, sagt er. "Es bedeutet, dass andere Partner unseren Platz einnehmen werden."

Brian Kuehl, Chef der Vereinigung Farmers for Free Trade, pflichtet ihm bei: "Wenn amerikanische Sojabohnen und Mais teurer werden, gewinnt Südamerika. Wenn Rindfleisch teurer wird, gewinnt Australien."

Viele Branchen in den USA leiden

Viele Branchen leiden unter dem Zoll-Wettlauf. Er bringt auch die Hersteller von Landtechnik-Produkten in Bedrängnis, von kleineren Anbietern wie A&P Grain bis hin zu Größen wie dem Landtechnikriesen John Deere und dem Baumaschinenhersteller Caterpillar. Sie kämpfen mit der Frage, ob und wie sie ihre höheren Kosten an die schwächelnden Landwirte weitergeben können.

Quasi alle Branchen, die Stahl und Aluminium verwenden - von den Brauereien, die Bier in Dosen abfüllen bis hin zu den Flugzeugbauern - müssen tiefer in die Tasche greifen. Eventuell müssen sie den Rotstift ansetzen. Viele Menschen dürften ihre Arbeit verlieren.

Mit Chinas Konterzug leiden auch die amerikanischen Konsumenten, wenn sie für Kleidung, Möbel, Elektroartikel und Spielzeuge aus China tiefer in die Tasche greifen müssen. Am Ende kennt Trumps Abschottungspolitik nur Verlierer: die Wirtschaft, die Arbeitnehmer, die Verbraucher - und schließlich auch Trump selbst.

Auge um Auge, Zoll um Zoll

Januar

  • USA verhängen Zölle auf Waschmaschinen (20-50 Prozent) / Solarmodule (30 Prozent)
März
  • USA erheben Zölle auf Stahl 25 Prozent und Alu 10 Prozent (ausgenommen EU)
April
  • China erhebt Strafzölle auf 128 US-Produkte 15 beziehungsweise 25 Prozent (unter anderem Wein, Schweinefleisch, Obst) im Wert von 3 Milliarden US-Dollar
Juni
  • USA erheben Zölle für Stahl und Alu aus Europa
  • EU erhebt Vergeltungszölle auf US-Waren im Wert von 2,8 Milliarden US-Dollar (Erdnussbutter, Jeans, Whiskey, Motorräder, Yachten/Motorboote)
6. Juli
  • USA erheben Zölle von 25 Prozent auf chinesische Waren aus dem Technologiesektor im Wert von 34 Milliarden US-Dollar
  • China erhebt Gegenzölle von 25 Prozent auf US-Güter im Wert von 34 Milliarden US-Dollar (Soja, Tabak, Hirse, Schweine- und Rindfleisch, Whiskey, Autos)
Drohungen/Ankündigungen
  • USA drohen mit Zöllen auf Autos und Autoteile von 20 Prozent
  • USA kündigen weitere Zölle auf chinesiche Produkte an

US-Zölle gegen China in Kraft getreten
Katrin Brand, ARD Washington
06.07.2018 10:27 Uhr

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Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 06. Juli 2018 um 09:00 Uhr.

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