Fracking-Anlage im US-Bundesstaat Colorado | Bildquelle: AP

Fracking in den USA Bald Nummer 1 beim Öl?

Stand: 15.03.2018 06:40 Uhr

Die USA schaffen dank des Fracking-Booms Fakten, die den globalen Status Quo nicht nur auf dem Ölmarkt in Frage stellen könnten. Ist die Öl-Supermacht USA ein wahr gewordener Albtraum für die Opec?

Von Thomas Spinnler, boerse.ard.de

Diese Neuigkeit wird Donald Trump gefallen, dem US-Präsidenten und Anführer der aktuell herrschenden „Make America Great Again“-Ideologen: Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die USA spätestens im kommenden Jahr dank des Fracking-Booms zum weltgrößten Ölproduzenten. Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien ist schon überholt.

Anstieg der US-Ölproduktion seit 1920
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Anstieg der US-Ölproduktion seit 1920

Möglicherweise übertrumpften die USA den derzeitigen Primus Russland sogar schon in diesem Jahr, sagte IEA-Chef Fatih Birol: „Das Wachstum beim US-Schieferöl ist stark und das Tempo ist sehr hoch." Ende des vergangenen Jahres stieg die Ölförderung in den USA auf über zehn Millionen Barrel am Tag. Die aus Umweltschutzgründen umstrittene Fracking-Technologie, bei der Öl aus Gesteinsschichten gepresst wird, macht es möglich.


Öl: Rohstoff mit Erpressungspotenzial

Auf dem Ölmarkt findet derzeit ein gnadenloser Wettstreit statt, denn ob es nun vernünftig ist oder nicht: Die Welt ist nach wie vor süchtig nach Öl. Und wer über die meisten Ressourcen verfügt, kann sie in politische Macht umsetzen. Das zeigte der Ölpreisschock im Jahr 1973, als die arabischen Exporteure den Ölhahn zudrehten, um den Westen wegen seiner Unterstützung Israels im Jom-Kippur-Krieg unter Druck zu setzen. Die Folge war eine Rezession in den Industrieländern.

Sorgen vor dem Erpressungspotenzial der USA braucht man sich trotz der aggressiven Politik Trumps noch nicht zu machen. Selbst wenn der aktuelle Streit um Handelszölle zwischen der EU und den USA beweist, dass es ungemütlich werden kann: Im Jahr 2016 verbrauchten die Vereinigten Staaten täglich fast 20 Millionen Barrel. Sie können ihren eigenen Bedarf folglich nicht annähernd selbst decken.

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Die Konkurrenz ausschalten

Trotzdem gibt es allen Grund, den aktuellen Preiskampf am Ölmarkt aufmerksam zu verfolgen. Während die USA im Augenblick pumpen, als gäbe es kein Morgen, übt sich die Opec in Förderdisziplin. Ein erster Förderboom in den USA, befeuert von der Fracking-Technologie, hatte ab Mitte 2014 die Ölpreise unter Druck gesetzt.

Fracking und die Umwelt

Fracking ist bei Umweltschützern und vielen Experten wegen Umweltgefahren wie drohender Wasserverschmutzung und möglichen Erdbebenschäden umstritten. Außerdem gilt es als ein Paradebeispiel für die Externalisierung von Kosten: Die Unternehmen streichen die Profite ein, während die Gesellschaft mit den Umweltschäden leben und für die Kosten aufkommen muss.

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Grafische Darstellung der Fracking-Methode

Im Januar 2016 war der Preis für die Sorte WTI wegen des großen Überangebots zeitweise deutlich unter die Marke von 30 Dollar gesunken. Für die Opec ein willkommener Effekt, denn die Hoffnung war, dass die niedrigen Preise das Fracking unwirtschaftlich machen würden. Zwar gerieten tatsächlich viele Unternehmen unter Druck, aber die Strategie war letztlich erfolglos.

Gefragt ist Disziplin an den Bohrtürmen

Öl: US-Produktionswachstum bis zum Jahr 2023
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Öl: US-Produktionswachstum bis zum Jahr 2023

Die Opec steckte in einem Dilemma. Der Preisverfall schafft für die vom Öl abhängigen Staaten riesige Probleme, denn niedrige Weltmarktpreise reißen Löcher in die Staatshaushalte, mit allen innen- und außenpolitischen Folgen. Also versuchte sie es mit einer Förderbremse, um den Preis wieder nach oben zu treiben. Sie ist seit Anfang 2017 mit Erfolg in Kraft, die Ölpreise haben sich seither etwa verdoppelt. Die Ölpreissteigerungen seit der Förderbremse hätten Russland und den heimischen Ölunternehmen insgesamt rund 43 Milliarden Dollar gebracht, sagte jüngst Energieminister Alexander Nowak. Das Geld kann Russland gut gebrauchen, weil es in der Weltpolitik eine entscheidende Rolle zu spielen wünscht. 

Den Verbrennungsmotor Sonne nutzen

Was die Fracking-Erfolge der USA auf längere Sicht für den Ölpreis bedeuten, ist schwer zu prognostizieren. IEA-Daten zufolge wird das US-Produktionswachstum nachlassen und auf eine stärker wachsende globale Nachfrage reffen. IEA-Präsident Birol geht nicht davon aus, dass die US-Fördermengen in den nächsten vier bis fünf Jahren wieder zurückgehen. Im aktuellen Marktumfeld würde eine höhere Opec-Produktion zu einem erneuten Überangebot führen und die Ölpreise belasten, meinen die Rohstoffexperten der Commerzbank.

Neom
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Neom: Geplante Solarenergienutzung für das Neom-Projekt

Die Frage ist, ob ein dauerhaft niedriger Ölpreis überhaupt wünschenswert wäre. Die Umsetzung von Umwelt- und Klimaschutzthemen könnte darunter leiden, wenn der finanzielle Druck zur Veränderung fehlt. Die Erfahrung zeigt: Es ist oft weniger die Einsicht, die Menschen zu einem Tun bewegt als das Portemonnaie.

Aber in Saudi-Arabien scheint man zu ahnen, dass die Ölindustrie zukünftig ohnehin ein Rückzugsgefecht führt. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman will das Land mit seiner „Vision 2030“ umfassend reformieren und den Staat unabhängiger vom Öl machen. Wer wissen will, wie diese Vision gestaltet werden soll, für den lohnt sich ein Blick auf das Kernstück der Ideen, die geplante Megacity Neom am Roten Meer. Vor allem Solarenergie soll dort den Energiebedarf decken. 

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. März 2018 um 15:00 Uhr.

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