Maschinen der Fluggesellschaft British Airways  | Bildquelle: dpa

Bangen um EU-Lizenzen Die Brexit-Angst der britischen Airlines

Stand: 05.02.2018 11:59 Uhr

Mit dem Flugzeug in Europa reisen - kein Problem. Doch der geplante Brexit bringt diese Selbstverständlichkeit für britische Airlines ins Wanken. Denn ihnen droht, ihre EU-weiten Streckenlizenzen zu verlieren.

Nach den USA hat Großbritannien mit geschätzt 25 Milliarden Euro jährlichem Umsatz die weitgrößte Luftfahrtindustrie der Welt. Und ein Gutteil dieses Geschäfts sehen die Manager in den Vorstandsetagen von Easyjet, British Airways & Co. in Gefahr, wenn es einen "ungeordneten" Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Gemeinschaft geben sollte.

Experten sehen die Branche sogar als stärker gefährdet an als die Finanzindustrie. Banken und Versicherungen könnten ihren Sitz verlagern oder eine Lizenz in einem EU-Mitgliedschaft beantragen. Bei Airlines ist das nicht so einfach. Denn für eine europäische Betriebserlaubnis müsste die Airline mehrheitlich in der Hand europäischer Investoren liegen. Das scheint etwa bei der IAG, Holding der Airlines British Airways, Iberia, Vueling und Air Lingus kaum machbar.

Tochter in Wien als Zwischenlösung

Die britische Easyjet hatte etwa bereits Mitte 2017 eine Tochtergesellschaft, Easyjet Europe, gegründet, die ihren Sitz in Wien haben wird und in Österreich ein so genanntes Air Operator Certificate, kurz AOC, beantragt hat. Damit kommt das Unternehmen einem harten Brexit durch die Aufsplittung des Unternehmens zum Teil entgegen. Denn mit der AOC kann man zwar weiterhin innereuropäische Flüge durchführen, die Verbindungen hin und zur britischen Insel stehen aber weiterhin in Frage, sollte es einen Brexit ohne entsprechende Regelungen zwischen Großbritannien und der EU geben.

Das Problem drückt auch die IAG, die zwar mit Iberia über eine Betriebserlaubnis in Spanien verfügt, aber derzeit nicht weiß auf welcher rechtlichen Grundlage Flüge zwischen Großbritannien und der iberischen Halbinsel ab nächstem Jahr durchgeführt werden können.

Eine Maschine der Fluggesellschaft Easyjet | Bildquelle: AFP
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Der Anbieter Easysjet versucht, die möglichen Brexit-Folgen durch eine Tochtergesellschaft zu umgehen.

Nur Status Quo schützt vor Einbußen

Die lassen weiterhin auf sich warten. Die Fronten in den Verhandlungen scheinen weiterhin verhärtet zu sein. Die European Business Aviation Association (EBAA) schrieb in einer Stellungnahme vor wenigen Tagen, nur ein "Beibehalten des Status Quo" nach dem Brexit könne eine "massive Beeinträchtigung der britischen Luftfahrtindustrie" verhindern.

Auch die britischen Airlines und die nationale Behörde für zivile Luftfahrt will Teil der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) bleiben. Dagegen hat die Regierung von Theresa May mehrfach erklärt, Großbritannien könne mit dem Austritt aus dem Binnenmarkt kein Mitglied irgendeiner EU-Agentur bleiben. Und die EU-Kommission hat inzwischen erklärt, dass eine Mitgliedschaft in der EASA nach dem Brexit "nicht möglich" sei. Stattdessen könne ein Luftfahrtabkommen geschlossen werden, dass den Vereinbarungen der EU mit den USA und Kanada ähnele.

Hoffnung auf Übergangslösung

Bevor eine solche Vereinbarung steht, könnte eine zweijährige Übergangsphase für Erleichterung sorgen, in der Großbritannien weiter Zugang zum EU-Binnenmarkt hat. Richtlinien für eine solche Übergangsphase wurden bei einem Treffen der EU-Außenminister Ende Januar angenommen. Bestenfalls könnten sie bis Ende März beschlossen werden.

Für die Airlines ist das allerdings im Hinblick auf den Sommerflugplan 2019 bereits zu spät. Bis Ende 2017 hätten sie Klarheit dafür gebraucht, denn die Planungen für die Flugpläne beginnen üblicherweise zwölf bis 18 Monate im Voraus.

Ryanair schafft Brexit-Klausel

So hat denn die irische Ryanair eine "Brexit-Klausel" für Flugtickets im Sommer 2019 angekündigt. Die Tickets werden dann für diesen Zeitraum nur unter Vorbehalt ausgestellt, wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte. Die Iren haben zwischenzeitlich drei innerbritische Routen abgesichert, indem sie eine britische Fluglizenz beantragt haben.

Lufthansa, der Profiteur?

Einen großen Gewinner der Auseinandersetzung um den Flugverkehr zwischen Großbritannien und der EU sehen die Experten derweil: Zwar würde bei einem "worst case" in Sachen Brexit auch die Kranich-Airline Geschäft mit der Insel verlieren. Doch einerseits betrifft das nur sechs Prozent der derzeitigen Umsätze. Und die Lufthansa kann sich gute Chancen ausrechnen, neue internationale Passagiere zu gewinnen, die bislang das Drehkreuz London Heathrow nutzen, um Ziele in der EU zu erreichen oder von der EU aus, interkontinentale Ziele anzusteuern.

AB

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Februar 2018 um 17:30 Uhr.

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