Die London Stock Exchange (LSE).

Deutsche Börse und LSE EU-Kommission lässt Fusionspläne platzen

Stand: 29.03.2017 12:12 Uhr

Die geplante Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange ist endgültig vom Tisch. Die EU-Kommission legte ihr Veto ein, vor allem, um eine drohende Monopolstellung auf dem europäischen Finanzmarkt zu verhindern.

Sie wollten zu einer Art Superbörse auf dem europäischen Markt verschmelzen: Im Februar 2016 kündigten die Deutsche Börse und die London Stock Exchange an, zu einem Konzern fusionieren zu wollen. Doch nun hat die EU-Kommission dem milliardenschweren Projekt endgültig einen Riegel vorgeschoben.

Zu groß waren die Bedenken des EU-Gremiums, dass das Gleichgewicht auf dem Finanzmarkt kippen könnte. Auf dem Markt für die Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente hätte die Fusion quasi ein Monopol geschaffen, das den Wettbewerb "erheblich eingeschränkt" hätte, begründete EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager das Veto. Doch die europäische Wirtschaft brauche "gut funktionierende Märkte". "Dies ist nicht nur für Banken und andere Finanzinstitute wichtig. Die gesamte Wirtschaft profitiert davon, wenn Unternehmen auf wettbewerbsorientierten Finanzmärkten Geld aufnehmen können", sagte Vestager weiter.

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Börsenbetreiber den Zusammenschluss ins Auge fassen. Bereits im Jahr 2000 scheiterte ein Fusionsvorhaben Frankfurt-London und auch fünf Jahre später platzten die Pläne, woraufhin der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, seinen Posten räumen musste.

Scheitern der Fusion absehbar

Nun der dritte vergebliche Anlauf - und auch dieser Versuch stand unter keinen guten Vorzeichen. Das lag aber nur zum Teil an der EU-Kommission, die für eine Fusion mehrere Bedingungen stellte: Zuletzt hatte das Gremium gefordert, die LSE soll ihren Mehrheitsanteil an der italienischen Anleihen-Handelsplattform MTS veräußern. Das verweigerte die Londoner Börse jedoch, wodurch sich ein "Nein" aus Brüssel bereits Anfang Februar abzeichnete. Auch die LSE rechnete zu diesem Zeitpunkt ihren eigenen Angaben zufolge schon nicht mehr mit einer erfolgreichen Vereinigung mit Frankfurt.

Zu den Hürden kam die Entscheidung der Briten, aus der EU austreten zu wollen. Mit dem Brexit gehen voraussichtlich Änderungen der Rechtslage einher, was den geplanten Sitz der Dachgesellschaft des gemeinsamen Konzerns in London in die Kritik rückte.

Börsen-Chef Kengeter im Fokus der Staatsanwaltschaft

Und auch Ermittlungen gegen den Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, belasteten den geplanten Deal. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt eröffnete vor ein paar Wochen Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Insiderhandels und wegen des möglichen Verstoßes gegen das Wertpapierhandelsgesetzes.

Carsten Kengeter, Chef der Deutschen Börse | Bildquelle: picture-alliance
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Dem Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, wird Insiderhandel vorgeworfen.

Kengeter kaufte im Dezember 2015 Aktien der Deutschen Börse im Wert von rund 4,5 Millionen Euro. Schon zu diesem Zeitpunkt soll er von der geplanten Fusion gewusst haben. Erst im Februar 2016 wurde jedoch die Öffentlichkeit über den möglichen Börsenzusammenschluss informiert, woraufhin die Aktienkurse in die Höhe schossen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. März 2017 um 12:00 Uhr.

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