Boeing 787 "Dreamliner" | Bildquelle: REUTERS

Nach Pannenserie bei US-Flugzeugbauer Boeing stoppt "Dreamliner"-Auslieferung

Stand: 19.01.2013 10:03 Uhr

Nach der Pannenserie bei Maschinen des Typs 787 "Dreamliner" will der US-Flugzeugbauer Boeing die Auslieferung von Flugzeugen dieses Modells nach eigenen Angaben auf Eis legen.

Die Kunden sollten die Maschinen erst erhalten, wenn entsprechende Reparaturarbeiten ausgeführt und von der US-Luftfahrtbehörde FAA als zufriedenstellend eingestuft worden seien, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Die Produktion der Flugzeuge werde aber fortgesetzt. Der "Dreamliner" wird in Boeing-Werken in den US-Bundesstaaten Washington und South Carolina montiert.

Die US-Luftfahrtbehörde hatte am Mittwoch wegen mehrerer Zwischenfälle mit brennenden Batterien an Bord von "Dreamlinern" ein Flugverbot für alle im Einsatz befindlichen Maschinen verhängt. Die Flugzeuge müssten systematisch überprüft werden, ordnete die FAA an. Die Aufseher in Japan, Europa, Indien, Katar und Chile schlossen sich dem Flugverbot an.

Vor allem die Batterien machen Probleme

Zuvor hatte ein "Dreamliner" der japanischen Fluggesellschaften All Nippon Airways wegen Batterieproblemen notlanden müssen.

Der erst 2011 in Dienst gestellte "Dreamliner" ist das prestigeträchtigste Projekt des Airbus-Konkurrenten aus den USA. Die Maschine ist zu großen Teilen aus leichten Karbonfasern gebaut und gilt daher als sparsam im Spritverbrauch - ein Hauptgrund für die große Nachfrage. Allerdings kam es immer wieder zu technischen Problemen. Bereits 2012 waren mehrmals Schwierigkeiten gemeldet worden. Zuletzt sorgten dann binnen kürzester Zeit Treibstofflecks, eine gesprungene Cockpit-Scheibe und ein weiterer Batteriebrand für Aufsehen.

Erste Fluggesellschaften wollen Schadensersatz fordern

Den beiden japanischen Gesellschaften JAL und ANA gehören mit 24 Maschinen fast die Hälfte der bisher rund 50 ausgelieferten "Dreamliner"-Jets. Auch die übrigen Betreiber United Airlines, Air India, LAN Airlines, Qatar Airways, Ethiopian Airlines und die polnische LOT lassen ihre Maschinen inzwischen am Boden. In Deutschland hat bislang keine Fluggesellschaft den "Dreamliner" in der Flotte. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt, die 2015 ausgeliefert werden sollen. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. Diese sollen aber nicht bei der deutschen Tochter Tuifly, sondern in Großbritannien und anderen europäischen Ländern eingesetzt werden.

Wegen der Pannen erwägen erste Fluggesellschaften Schadensersatzforderungen gegen Boeing. Die staatliche Fluggesellschaft Air India werde mit entsprechenden Forderungen aber bis nach dem Abschluss der Sicherheitsüberprüfung der US-Behörden für den Flugzeugtyp warten, sagte der indische Luftfahrtminister Ajit Singh. "Wir müssen erst das Ausmaß des Problems, die entstehenden Verzögerungen und die gesamten Auswirkungen einschätzen können." Zuvor hatte bereits die polnische Fluggesellschaft LOT Schadenersatzforderungen angekündigt.

Insgesamt hatte Boeing für die 787 mehr als 800 Aufträge von Fluggesellschaften aus aller Welt erhalten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Januar 2013 um 15:00 Uhr.

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