L'Oréal-Skandal ist kein Einzelfall "Weil Sie es sich wert sind"

Stand: 10.07.2010 03:40 Uhr

Französischen Politikern wird vorgeworfen, Schwarzgeld von der L'Oréal-Erbin Bettencourt genommen zu haben. Bewiesen ist noch nichts. Doch Politik und Unternehmen sind dort eng miteinander verwoben. Vielleicht wirbt L'Oréal auch deshalb mit dem Slogan "Weil Sie es sich wert sind".

Von Johannes Duchrow, WDR-Hörfunkstudio Paris

L'Oreal-Erbin Liliane Bettencourt (Bildquelle: APN)
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Soll den Wahlkampf französischer Spitzenpolitiker unterstützt haben: L'Oreal-Erbin Liliane Bettencourt. (Foto vom April 2005)

Der Verdacht, der Frankreich zur Zeit erschüttert: Liliane Bettencourt, die reichste Frau Europas, hat den Wahlkampf verschiedener Spitzenpolitiker unterstützt. 150.000 Euro könnten an Eric Woerth geflossen sein - für den Präsidentschaftswahlkampf 2007. Woerth war später als Haushaltsminister für Steuererklärung und Steuerprüfung der heute 87 Jahre alten Milliardärin zuständig, und er ist Schatzmeister der Sarkozy-Partei, der UMP.

Selbst wenn alle Beteiligten dementieren - enge Verbindungen gab es schon immer zwischen L’Oréal und konservativen Politikern. Es gibt sogar ein Buch über die Unternehmenspolitik: "Die Kunst, sich gut mit dem Staat zu verstehen", heißt es. So wurde beispielsweise Präsident Georges Pompidou eingebunden, als 1974 das Schweizer Unternehmen Nestlé als Minderheitsaktionär verpflichtet wurde. Erklärtes Ziel der Vereinbarung: die Verstaatlichung von L’Oréal zu verhindern, sollte die Linke irgendwann den Präsidenten stellen.

Airbus-Streit belastete deutsch-französisches Verhältnis

Doch es gibt auch viele jüngere Beispiele für Regierungseingriffe in das Wirtschaftsgeschehen. Eines der prominentesten ist das Angebot für einen französischen Atomreaktor in Abu Dhabi. Kurz bevor die Angebotsfrist ablief, verdonnerte der Elysée die teilweise konkurrierenden Energie- und Anlagenkonzerne EDF, GDF-Suez, Total, Areva, Vinci und Alstom, sich gemeinsam um den Auftrag zu bewerben - erfolglos, den Atom-Auftrag bekamen die Koreaner. Und das deutsch-französische Verhältnis war in der Vergangenheit immer wieder vom Streit bei Airbus belastet, erst langsam konnte sich die Unternehmensführung mit Kostenkriterien durchsetzen.

Berühmt wurde auch der Fall Areva-Siemens. Aus deutscher Sicht verhinderte Nicolas Sarkozy, dass Siemens seinen Anteil an der Areva NP, einer Tochterfirma des staatlichen Atomkonzerns ausbaute. Anfang 2009 stieg das deutsche Unternehmen deshalb ganz aus. Areva musste in diesem Zusammenhang den Schaltanlagen-Bauer T&D abstoßen. Selbst konservative Politiker wie der UMP-Abgeordnete Gérard Voisin wollten den T&D-Verkauf im vergangenen Jahr verhindern - keine Chance.

"Am Ende entscheidet der Präsident"

Nicolas Sarkozy (Bildquelle: AFP)
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Soll wirtschaftlich seine Finger im Spiel gehabt haben: Frankreichs Präsident Sarkozy

"Wir wissen von Anfang an, dass wir nichts zu entscheiden hatten", sagt Voisin, "am Ende entscheidet der Präsident." Und der wollte nicht nur beim Siemens-Deal mitreden, sondern hat am Ende auch entschieden, dass nicht der höchstbietende japanische Konzern Toshiba den Zuschlag bekommt, sondern das französische Firmenkonsortium Alstom/Schneider. Alstom-Chef Patrick Kron ist ein guter Freund von Sarkozy.

In Frankreich sind alle Spitzenpolitiker und Wirtschaftsbosse auf den Grandes Ecoles gewesen - den Eliteschulen der Republik. Die Netzwerke aus diesen Schulen spielen eine große Rolle, auch weil viele Absolventen in ihrem Leben zwischen Staatsdienst und Manager-Posten hin und her wechseln. Und weil es erklärte Pariser Politik ist, ausländische Märkte für französische Unternehmen zu erschließen, ist das Land auch schon häufiger in Exportskandale und Korruptionsaffären verwickelt worden.

Schmiergelder für pakistanische Generäle?

An dem Skandal um die Taiwan-Fregatten von Thomson haben sich zwei Ermittlungsrichter die Zähne ausgebissen, acht Beteiligte starben unter ungeklärten Umständen. 2002 sprengten Unbekannte in Pakistan einen Bus mit elf französischen Ingenieuren. In Frankreich wird spekuliert, ob es Rache war, weil Präsident Jacques Chirac Schmiergelder an pakistanische Generäle nicht mehr zahlen wollte. Frankreich, eine Bananenrepublik?

Richter Thiérry Jeanpierre kämpfte als Politiker und Buchautor im Fall der Taiwan-Fregatten. Er formulierte es einmal so: "Im Ausland sieht man uns als Bananenrepublik. Das merkt man, wenn man viel reist."

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