Tanken (Bildquelle: dpa)

Tankstellen müssen künftig Preise melden Preisanstieg durch Benzin-App?

Stand: 31.08.2013 05:43 Uhr

Autofahrer können die Spritpreise aller deutschen Tankstellen künftig im Internet vergleichen. Ziel ist es, die Konkurrenz zu beleben und niedrigere Kraftstoffpreise zu erreichen. Doch Experten bezweifeln den Nutzen des Systems und befürchten sogar einen Preisanstieg.

Von Simone von Stosch, tagesschau.de

Tanken wird immer teurer. Das bringt die deutschen Autofahrer regelmäßig sehr in Rage - zu Recht: Denn offenbar schlagen die Tankstellen gerne mal noch etwas drauf und erhöhen die Preise stärker als sie müssten. Jetzt naht, so scheint es zumindest, Hilfe vom Staat. Seit heute müssen alle Tankstellen ihre Preise an die so genannte Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTSK) beim Bundeskartellamt weitergeben. Die nimmt in den nächsten Wochen ihre Arbeit auf - und ab Herbst sollen Autofahrer die Preise via Smartphone-App, Computer oder Navigationsgerät jederzeit abrufen können und dann die jeweils günstigste Tankstelle in ihrer Umgebung ansteuern.

Smartphone-App soll staatlich erhobene Spritpreise vergleichbar machen
tagesschau 12:00 Uhr, 31.08.2013, Marc Steinhäuser, WDR

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Klingt gut - Wirtschaftsminister Rösler lobte denn auch seine Idee mit den Worten: "Ich kann den Ärger der Autofahrerinnen und Autofahrer sehr gut nachvollziehen. Deshalb wollen wir Transparenz und Wettbewerb stärken."

Tankstellen könnten sich künftig abstimmen

Und auch der ADAC glaubt an den Nutzen der neuen Benzinpreis-App: "Die Verbraucher können jetzt noch besser die aktuellen Preise vergleichen, gezielt den günstigsten Anbieter ansteuern und den Wettbewerb stärken", erklärt Katharina Luca, Pressesprecherin des ADAC gegenüber tagesschau.de.

Gestiegene Benzinpreise sorgen für Kritik an den Mineralölkonzernen (Bildquelle: dpa/dpaweb)
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Tankstellen müssen ihre Preise künftig an die zentrale Markttransparenzstelle melden.

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Autofahrer können sie im Internet dann jederzeit vergleichen. Der Nutzen ist umstritten.

Dass mit der gewonnenen Transparenz die Preise tatsächlich sinken, darf jedoch bezweifelt werden. Denn nicht nur die Autofahrer, auch die Tankstellen verfügen nun über eine vollständige Markttransparenz. Eine Studie im Auftrag der Universität St. Gallen sieht die Gefahr, dass die Anbieter ihre Preise abstimmen.

"Die Tankstellen können sich jetzt quasi beim Zentralrechner über die Konkurrenz informieren. So wird es ihnen vereinfacht, die Preise anzugleichen. Es wird auch weniger Tankstellen geben, die ausscheren und versuchen über Preise Kunden zu gewinnen, weil sie sozusagen gleich wieder eingeholt würden", sagt Studienleiter Holger Haedrich im Gespräch mit tagesschau.de.

Lange Umwege für billigeres Tanken lohnen sich nicht

In der Zementbranche wurde eine Transparenzstelle genau aus diesem Grund verboten: Man wollte verhindern, dass die konkurrierenden Unternehmen ihre Preise auf diesem Weg nach oben angleichen.

Für die Tankstellen lohnt es sich ohnehin kaum, am günstigsten zu sein. Denn nur besonders akribische Sparfüchse nehmen Zeit und Aufwand in Kauf, um für ein paar Cent günstiger zu tanken. Laut ADAC beklagen sich die meisten Autofahrer zwar über die hohen Preise. Sie wählen aber die Tankstelle, die ohne Umwege zu erreichen ist. Tanken will man eben meist bequem und am Wegesrand.

Tanken zu Ostern wieder teurer (Bildquelle: dpa/dpaweb)
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Eine Studie der Universität St. Gallen kommt zu dem Ergebnis, dass nur wenige Autofahrer für niedrige Benzinpreise lange Umwege fahren.

Hohe Kosten für Steuerzahler

Vielleicht ist die Bequemlichkeit in diesem Fall auch sehr  vernünftig. Denn auch ärgerliche Preisdifferenzen rechtfertigen nur kleine Umwege. Ein Unterschied von fünf Cent pro Liter klingt zunächst ziemlich happig. Die Differenz für eine 50-Liter-Tankfüllung beträgt jedoch nur 2,50 Euro. Dafür würde sich nur ein kleiner Umweg lohnen, wenn man zudem die Zeit, die der Umweg kostet, mit berücksichtigt.

Haedrich meint: "Es gibt sicherlich Autofahrer, die davon profitieren. Gerade die, die in unbekannter Umgebung herumfahren oder sehr preisaffin sind und sehr viel Zeit dafür aufwenden können. Die Gefahr ist aber, dass das Preisniveau insgesamt steigt."

Dann würde auf Dauer kein Autofahrer von der Transparenzstelle des Bundeskartellamts profitieren. Denn auch die kostet ja Geld der Steuerzahler. Wenn die neue Preistransparenz nicht für eine deutliche Senkung der Spritpreise sorgt, hätte sich das Vorhaben nicht gelohnt. Autofahrer und Steuerzahler wären dann sauer. Zu Recht.

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