Finanzviertel in London | Bildquelle: dpa

Briten im Stresstest Gesamtnote gut, RBS fällt durch

Stand: 30.11.2016 14:59 Uhr

Die britischen Großbanken haben im internationalen Stresstest gut abgeschnitten - bis auf eine. Die krisengeplagte Royal Bank of Scotland fiel durch. Der Brexit spielte nur indirekt eine Rolle - allerdings eine gewichtige.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Die italienischen Banken sitzen auf einem Berg fauler Kredite. Und auch die Deutsche Bank galt zuletzt als Sorgenkind unter den großen europäischen Geldhäusern. Heute richtet sich das Interesse der Anleger jedoch auf die britischen Großbanken. Denn die Bank of England hat die Ergebnisse ihres jüngsten Stresstests veröffentlicht. Insgesamt fällt das Zeugnis gut aus, eine Bank allerdings hat nicht bestanden: die krisengeplagte Royal Bank of Scotland. Der bevorstehende Brexit floss noch nicht in den Test ein.

Es ist das bisher schlimmste Krisen-Szenario der Bank of England für ihren Check, wie stark die Kapital-Puffer der Banken abschmelzen würden: Nicht nur die britische und die europäische Wirtschaft schrumpfen demnach stark, sondern auch China steckt in einer Rezession. Außerdem fallen die Aktienkurse und die Immobilienpreise kräftig, während die Arbeitslosigkeit steigt.

Zufriedenheit beim Notenbank-Chef

Alles in allem zeigte sich Notenbank-Chef Mark Carney heute zufrieden damit, wie die britischen Großbanken in diesem Stresstest abgeschnitten haben: "Das Finanzsystem ist heute so mit Kapital ausgestattet, dass es die Wirtschaft selbst dann unterstützen kann, wenn es erheblichen Schocks ausgesetzt ist. Diese Widerstandsfähigkeit könnte sich noch als wertvoll erweisen angesichts der erhöhten Wahrscheinlichkeit eines Risikos für die Finanzstabilität Großbritanniens."

Der britische Notenbankchef Mark Carney | Bildquelle: dpa
galerie

Der britische Notenbankchef Mark Carney glaubt, dass das britische Finanzsystem stabil ist.

Im typischen Notenbanker-Sprech spielt Carney damit natürlich auf den Brexit an. Ein Geldinstitut allerdings stünde - bei einem wirtschaftlichen Absturz - vor massiven Problemen: Die Royal Bank of Scotland bleibt das Sorgenkind der Branche. In der Finanzkrise 2008 sprang der Staat als Retter in der Not bei der Bank aus Edinburgh ein, und noch heute besitzen die britischen Steuerzahler mehr als 70 Prozent an der RBS. Die kündigte heute an, ihre Kapital-Reserven erneut aufzustocken.

RBS - ein Riesenproblem für den Staat

Der Labour-Abgeordnete John Mann, Mitglied im Haushaltsausschuss, ist über all das nicht happy: "Andere Banken haben sich verbessert, die RBS dagegen hinkt immer stärker hinterher. Das ist ein Riesenproblem für den Staat, weil ihm die Bank gehört. Es wird unsere öffentlichen Finanzen schädigen, weil der Aktienkurs fällt und wir die Papiere nicht verkaufen können."

Mahnungen verschickten die Aufseher an Barclays und Standard Chartered, halten in beiden Fällen jedoch die bereits ergriffenen Kapital-Maßnahmen für ausreichend. HSBC, Lloyds, Nationwide und Santander UK haben den Gesundheitscheck allesamt bestanden.

Brexit bringt neue Herausforderungen

Nicht getestet hat die Bank of England verschiedene Brexit-Szenarien, aber Carney machte die Herausforderung klar: "Es wäre wünschenswert, dass die Unternehmen so schnell wie möglich und so viel wie möglich erfahren, wie die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU künftig aussehen sollen und wie sich der Weg dahin gestaltet. Auch die Banken entwickeln bereits Notfall-Pläne. Und das erwarten wir auch von ihnen."

Angeblich drängt der oberste Zentralbanker bei privaten Dinner-Partys mit führenden Köpfen aus Finanzen und Politik derzeit darauf, dass das Land übergangsweise noch bis 2021 im EU-Binnenmarkt bleibt.

Gefahren für die Euro-Zone

Der Brexit, warnte Carney, könnte aber nicht nur die britische Wirtschaft belasten, sondern auch Banken und Unternehmen in der immer noch kriselnden Euro-Zone: "Das Vereinigte Königreich ist gewissermaßen der Investmentbanker für Europa. Die Aktivitäten hier sind also entscheidend für europäische Firmen - und deshalb ist es auch im Interesse der EU, dass es einen geordneten Übergang gibt."

Wenn Premierministerin Theresa May tatsächlich spätestens Ende März den Scheidungsantrag in Brüssel einreicht, dann würde Großbritannien - nach zweijährigen Austrittsverhandlungen - im Frühjahr 2019 die EU verlassen. Notenbank-Chef Carney selbst hat seinen Vertrag kürzlich bis Sommer 2019 verlängert, danach will er in seine Heimat Kanada zurückkehren.

Britischer Banken-Stresstest: Gesamtnote gut, aber RBS fällt durch
S. Pieper, ARD London
30.11.2016 14:27 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. November 2016 um 12:00 Uhr.

Darstellung: