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06.09.2010

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Wirtschaft
Bangladesch: Textilarbeiterinnen fordern höhere Löhne
Protest in Bangladesch

Textilarbeiterinnen fordern höhere Löhne

In Bangladesch protestieren Textilarbeiterinnen für gerechtere Löhne - und das, obwohl die Regierung erst gestern die Lohnuntergrenze auf etwa 32 Euro im Monat verdoppelte. Zu wenig zum Leben, meinen die Näherinnen und Näher und stürmen die Straßen der Hauptstadt Dhaka.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Textilarbeiter in Bangladesch protestieren in Dhaka gegen zu niedrige Löhne. (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Textilarbeiterinnen in Bangladesch protestieren in Dhaka gegen zu niedrige Löhne. ]
Autos mit eingeschlagenen Fensterscheiben, Barrikaden auf den Straßen und Haufen brennender Kleidungsstücke - die aufgebrachten Textilarbeiterinnen haben in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Mit Schlagstöcken bewaffnete Polizisten begleiten die Demonstrierenden, die ihrem Unmut Luft machen.

Auf den ersten Blick überrascht es, dass der Protest genau heute stattfindet. Denn gestern hatte die Regierung fast die Verdoppelung des Mindestlohns in der Branche zugesagt. Aber die Arbeiter haben einen eindeutigen Grund für ihren Unmut: "Wir geben im Schnitt 4000 Taka pro Monat aus zum Leben, der neue Mindestlohn soll bei 3000 liegen. Was sollen wir damit anfangen? Wer kann davon leben? Wir wollen mindestens 5000 Taka", so ein Arbeiter.

Der Monatslohn liegt bei 32 Euro

Nochmal das Ganze in Zahlen: Bislang lag die Lohn-Untergrenze bei umgerechnet etwa 18 Euro pro Monat. Diese Untergrenze soll jetzt auf rund 32 Euro angehoben werden. Doch gefordert hatten die Gewerkschaften viel mehr, nämlich 54 Euro. Aus Sicht der Arbeiter heißt das, dass die Lohnuntergrenze viel zu niedrig ist und noch dazu viel zu spät kommt, denn sie protestieren seit Jahren für gerechte Löhne.

Die britische Wohlfahrtsorganisation Action Aid hat errechnet, dass man das Gehalt der Arbeiter dieses Jahr, nächstes Jahr und noch einmal in zwei Jahren verdoppeln müsste, wenn man den Arbeitern lebenswerte Bedingungen ermöglichen möchte.

Fabrikbesitzer befürchten Auftragsverluste

Die meisten Textilfabriken in Bangladesch stellen ausschließlich für den Export her. Archivbild  (Foto: picture-alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die meisten Textilfabriken in Bangladesch stellen ausschließlich für den Export her. Archivbild ]
Aus Sicht der Fabrikbesitzer stellt sich die Lage anders dar. Ihrer Meinung nach könnten sie nicht mehr bei den Löhnen zulegen, da sie sonst Gefahr laufen würden, Aufträge zu verlieren. In Bangladesch produzieren viele internationaler Mode-Ketten, zum Beispiel  Zara, Wal-Mart oder H & M. Ginge es den Firmen nicht darum, Kosten zu sparen, würden sie nicht in Bangladesch nähen lassen. Die Befürchtung der Fabrikbesitzer ist, dass die großen Modeketten in anderen Ländern nähen lassen, wenn Bangladesch zu teuer wird.

Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Die Branche ist für 80 Prozent aller Export-Einnahmen verantwortlich und beschäftigt dreieinhalb Millionen Arbeiter unmittelbar, 80 Prozent der Angestellten in den Nähereien sind Frauen. In den vergangenen Jahren kam es in Bangladesch immer wieder zu gewaltsamen Protesten. Im Moment sieht es nicht so aus, als würde sich die Lage beruhigen.

Stand: 30.07.2010 20:15 Uhr
 

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