Grube: Mehr Sicherheitstechnik für eingleisige Bahnstrecken

Bahnunglück Sachsen-Anhalt

Nach tödlichem Zugunglück in Sachsen-Anhalt

Mehr Sicherheit auf eingleisigen Bahnstrecken

Nach dem schweren Zugunglück mit zehn Toten in Sachsen-Anhalt will die Deutsche Bahn mehr eingleisige Strecken mit einem automatischen Bremssystem ausrüsten. "Da ist Handlungsbedarf", sagte Bahnchef Rüdiger Grube in der ARD-Sendung "Beckmann".

Bahnchef Rüdiger Grube (Bildquelle: dpa)
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Bahnchef Grube kündigte an, "Schwachstellen so schnell wie möglich" zu beseitigen.

Insbesondere in Ostdeutschland gebe es noch viele eingleisige Strecken, sagte Grube. Auch wenn keine rechtliche Verpflichtung bestehe, müsse die Bahn hier "einen Schlag zulegen und diese Schwachstellen so schnell wie nötig beseitigen". Das Unternehmen habe bereits eine Untersuchung aller kritischen Bahnstrecken in Auftrag gegeben. Zugleich betonte Grube, dass die Unglücksstrecke zwischen Magdeburg und Halberstadt allen geltenden rechtlichen Vorschriften entspreche.

Technik löst bei Haltesignal Notbremsung auf

Der Fahrgastverband Pro Bahn hatte nach dem Unglück für alle Strecken Deutschlands Sicherheitssysteme gefordert, die beim Überfahren eines roten Signals eine sofortige Notbremsung auslösen. Grube rechnet mit einem schnellen Beginn der Arbeiten: Sobald das Ergebnis feststehe, wolle man mit den Arbeiten beginnen.

Bei Hordorf waren am Samstagabend auf einer eingleisigen Strecke ein Güterzug und ein Nahverkehrszug des Harz-Elbe-Expresses (HEX) frontal zusammengeprallt. Zehn Menschen kamen dabei ums Leben, 23 weitere wurden verletzt.

Güterzug-Lokführer soll zwei Signale ignoriert haben

Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf den Lokführer des betroffenen Güterzugs. Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag erklärt, Ermittlungen gegen den 41-jährigen Lokführer des Güterzuges eingeleitet zu haben. Gegen ihn bestehe ein Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und der Gefährdung des Bahnverkehrs.

Laut einem ersten Bericht des Bundesverkehrsministeriums an den Verkehrsausschuss des Bundestages überfuhr der Güterzug zwei Haltesignale. Demnach passierte der von der zweigleisigen Strecke aus Richtung Halberstadt kommende Güterzug "sowohl das Einfahrvorsignal in der Stellung 'Halt erwarten' sowie das anschließende Halt zeigende Hauptsignal B, ohne diese zu beachten".

Der Fahrdienstleiter im Stellwerk Hordorf habe daraufhin über Funk einen Nothalt angeordnet. Der Personenzug sei daraufhin von 98 Kilometern pro Stunde bis zum folgenschweren Zusammenstoß auf Tempo 66 abgebremst worden. Ob auch der Güterzug vor dem Unfall auf der eingleisigen Strecke gebremst hat, müsse noch ausgewertet werden.

"Signal für Personenzug auf Fahrt"

Dem Bericht des Ministeriums zufolge wurde bei der Überprüfung des mechanischen Stellwerks in der Überleitstelle von der zweigleisigen auf die eingleisige Strecke "festgestellt, dass für den Personenzug die Fahrstraße ordnungsgemäß eingestellt war und das Signal für den Personenzug auf Fahrt stand".

Stand: 01.02.2011 09:23 Uhr

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