Lieferprobleme bei der Bahn Auch neue Regionalzüge kommen später

Stand: 25.11.2012 15:47 Uhr

Nach der Verzögerung bei der ICE-3-Flotte von Siemens kämpft die Deutsche Bahn nun auch mit Lieferproblemen bei Regionalzügen. Eine Bahn-Sprecherin sagte, die beim Hersteller Bombardier bestellten Züge könnte nicht wie geplant mit dem Winterfahrplan am 9. Dezember in Mittelhessen eingesetzt werden. Ein neuer Termin stehe noch nicht fest. Hintergrund sind offenbar Schwierigkeiten bei der Zulassung von 22 Zügen des Typs "Talent 2" durch das Eisenbahnbundesamt.

Bombardier habe die Deutsche Bahn diese Woche informiert, dass die bestellten Züge voraussichtlich ein gutes halbes Jahr später kommen, sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Ein Grund sei nicht angegeben worden. Über mögliche finanzielle Folgen für den Hersteller müsse geredet werden, kündigte er an. Nach Angaben des Sprechers gibt es mit Bombardier einen Vertrag zur Lieferung von insgesamt 320 Zügen im Wert von einer Milliarde Euro.

Laut "Bild am Sonntag" hatte das Eisenbahnbundesamt (EBA) die Auslieferung zunächst gestoppt. Das Amt moniere "Daten-Widersprüche" und hoffe auf kurzfristige Aufklärung von Bombardier.

Bombardier gibt sich überrascht

Logo der Deutschen Bahn an der Konzernzentrale (Bildquelle: dpa)
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Die Deutsche Bahn wird nicht so gut ausgerüstet in den Winter gehen können, wie sie geplant hatte.

Ein Bombardier-Sprecher sagte, man sei verwundert über die EBA-Vorbehalte gegen die Züge und habe noch keine offizielle Mitteilung bekommen: "Aus unserer Sicht können wir sofort liefern." 119 Züge der Reihe "Talent 2" seien bereits in verschiedenen Regionen im Einsatz.

Er kritisierte das komplizierte Zulassungsverfahren und forderte eine Vereinfachung. "Auch im Ausland fahren Züge sicher. Dort gelingt es, Züge früher auf die Schiene zu bringen."

Auch acht neue ICEs kommen nicht wie eingeplant

Diese Woche war bereits bekannt geworden, dass Siemens acht neue ICE-Züge nicht pünktlich liefern kann. Laut "Spiegel" gibt es Probleme bei der Software für die Steuerung der Bremsen. Das Kommando zum Anhalten des ICE-Zuges "irre" etwa eine Sekunde lang durch den Rechner, bevor es umgesetzt werde, berichtet das Nachrichtenmagazin. Bei einer Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometern komme der Zug bei einer Vollbremsung deshalb erst rund 70 Meter später zum Stehen. Deshalb habe das Eisenbahnbundesamt die Freigabe verweigert.

Das Fehlen der Züge könnte sich für die Bahn bemerkbar machen, wenn sie Zugausfälle im Winter ausgleichen muss. Dann hat sie nur wenige Reservezüge. Die Bahn hat nun auch weniger Möglichkeiten, etwa im Weihnachtsverkehr Sonderzüge zur Verstärkung einzusetzen. Das bedeutet unterm Strich volle Züge an Tagen mit vielen Reisenden.

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