Ein vom Sturm entwurzelter Baum liegt in Düsseldorf-Kaiserswerth auf Oberleitungen (Foto vom 18.01.2018). | Bildquelle: dpa

Nach Sturmschäden und Ausfällen Bahn stutzt Bäume entlang der Gleise

Stand: 28.02.2018 13:10 Uhr

Nachdem im Herbst zahlreiche Züge im Sturm ausgefallen sind, reagiert die Bahn auf die Kritik. Sie will nun das Streckennetz wetterfester machen - unter anderem mit beheizten Weichen und gestutzten Bäumen.

Die Deutsche Bahn zieht Konsequenzen aus der anhaltenden Kritik: Das Unternehmen will die Bäume entlang ihrer Strecken deutlich mehr zurückschneiden als bislang. Innerhalb der kommenden fünf Jahre werde dafür eine Summe von 625 Millionen Euro investiert, teilte die Bahn mit. Die Maßnahme ist Teil einer Fünfpunktestrategie, mit der sich der Konzern auf neue Witterungsrisiken einstellt.

Die Bahn will alle Wälder entlang der Gleise durchforsten. In der Mitteilung heißt es jedoch, die Sechs-Meter-Rückschnittszone werde bisher schon eingehalten. Kritiker zweifeln diese Angaben jedoch an.

Ein ICE der Bahn nach einem Nothalt auf offener Strecke | Bildquelle: dpa
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Sechs Meter sollen zwischen Gleisen und Bäumen liegen.

Fangzäune gegen Erdrutsche

Außerdem würden mehr als 5500 Gesteinsböschungen und Hänge etwa mit Fangzäunen gegen mögliche Erdrutsche gesichert. Zudem sollen die Klimaanlagen von 4000 Stellwerken überprüft werden, um diese gegen Hitzewellen zu wappnen.

Die Bahn stützt sich bei ihren Planungen auf eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), das die Folgen der künftig zu erwartenden Witterungsänderungen auf den Konzernbetrieb analysierte. Demnach könnten viele früher nur selten auftretende Extremwetterereignisse ab Mitte des Jahrhunderts "zur neuen Normalität" in Deutschland gehören.

Wetterextreme treffen fast immer die Bahn

"Diese Untersuchung zeigt, dass wir uns auf mehr Unwetter, auf Starkregen sowie Hitzewellen und Hochwasser einstellen müssen", erklärte Bahn-Chef Richard Lutz. PIK-Direktor Joachim Schellnhuber betonte, die Bahn sei wegen ihrer bundesweiten Aktivitäten besonders anfällig für den Klimawandel. "Egal wo lokale Wetterextreme zuschlagen, sie treffen fast immer die Bahn."

Beheizte Weichen gegen Kälteeinbrüche

Der Konzern setzt nach eigenen Angaben auch auf beheizte Weichen, um Kälteeinbrüche besser zu überstehen. Bereits 49.000 von insgesamt 70.000 Weichen seien mit Heizungen ausgestattet. An der Strecke durch das Mittelrheintal zwischen Köln und Frankfurt am Main testet die Bahn demnach zudem ein Glasfaserkabelsystem, um Hindernisse schnell zu erkennen.

Die Bahn hatte nach dem bundesweiten Ausfall des Fernverkehrs wegen des Orkantiefs "Friederike" heftige Kritik einstecken müssen. Der Fahrgastverband "Pro Bahn" forderte angesichts der Sturmfolgen, das Begrünungskonzept entlang der Strecken zu ändern. Demnach sollten direkt neben den Gleisen nur Sträuchern und Büschen gepflanzt werden - Bäume hingegen erst in einem größeren Abstand.

70 bis 80 Millionen Euro Sturmschaden

Im vergangenen Jahr kosteten die Stürme die Bahn nach eigenen Angaben zwischen 70 und 80 Millionen Euro. Das sei ein deutlich höherer Betrag als in den Vorjahren. Deshalb sei es gut angelegtes Geld, in Schutz zu investieren, sagte Lutz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Februar 2018 um 13:46 Uhr.

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