Ein Waymo-Fahrzeug in Arizona | Bildquelle: REUTERS

Autonomes Fahren Die Angst vor dem Autopiloten

Stand: 28.03.2018 20:43 Uhr

Die tödlichen Unfälle von Uber und Tesla zeigen: Es ist ein weiter Weg zum autonomen Fahren. Noch ist die Autotechnik nicht ausgereift - und viele Menschen haben Angst.

Von Dominik Lauck, tagesschau.de

Zwei Unfälle binnen einer Woche mit automatisierten Autos - das sorgt für Diskussionen über die Zukunft des autonomen Fahrens. "Die beiden Unfälle sind ein Rückschlag", glaubt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Essen-Duisburg. Bis fahrerlose Autos in unsere Städte kommen, werden Branchenschätzungen zufolge noch viele Jahre vergehen.

"In den USA wird das Projekt jetzt sicherlich gebremst", meint Dudenhöffer. Er rechnet damit, dass die US-Behörden bereits erteilte Lizenzen für automatisiertes Fahren überprüfen und auf Firmen wie Uber und Tesla nun teure Prozesse zukommen werden. "Vor dem Jahr 2025 wird es keine Erlaubnis für das autonome Fahren im öffentlichen Verkehr geben."

Automatisiertes Fahren: Die wichtigsten Stufen
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Beim automatisierten Fahren werden fünf Stufen unterschieden. Die Unfälle von Uber und Tesla passierten bei Autos der Stufe 2. Erst ab Stufe 5 spricht man von autonomem Fahren, vorher von automatisiertem oder teilautonomen Fahren.

Nur alle 9000 Kilometer ein Fehler

Dabei ist die Technik schon zuverlässig. Google testet mit seiner Tochter Waymo bereits seit zehn Jahren Roboterautos. Im vergangenen Jahr legten diese in Kalifornien mehr als eine halbe Million Kilometer zurück. Und nur alle 9000 Kilometer war ein Fahrereingriff notwendig.

"Was die Autos noch nicht haben, ist die Erfahrung eines Menschen", erläutert Kirsten Rulf, die an der Harvard University in Cambridge die "Autonomous Vehicle Policy Initiative" gegründet hat. "Autos berechnen nur, sie haben keine Vorahnung. Sie können nicht erkennen, ob Menschen verträumt über die Straße gehen."

Autos fehlt die menschliche Intuition

Ein Mensch am Steuer eines Autos geht intuitiv auf die Bremse, wenn im Wohngebiet ein Ball auf die Straße rollt, weil er damit rechnet, dass zwischen den parkenden Autos gleich ein Kind dem Ball nachjagt. Ein automatisiertes Auto kann diese Verknüpfung hingegen nicht verarbeiten.

Der Ball eines Kindes rollt auf eine Straße | Bildquelle: picture-alliance / Helga Lade Fo
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Bei solchen Situationen sind automatisierte Autos noch überfordert. Ein Mensch hinter dem Steuer würde intuitiv bremsen, ein Roboterauto nicht.

"Bei komplexen Situationen wie großen Kreuzungen hat das System noch Schwächen", erklärt Susanne Ernst, die an der TU Braunschweig das automatisierte Fahren erforscht. Autonome Autos gelten unter Fachleuten als das derzeit komplexeste sicherheitskritische System, das für den Massenmarkt gedacht ist.

Probleme in Städten, nicht aber auf Autobahnen

Je einfacher die Verkehrsumgebung, desto zuverlässiger funktionieren automatisierte Fahrzeuge. Auf Autobahnen - ohne Gegenverkehr und mit klaren Begrenzungen - fahren sie ohne nennenswerte Probleme. Schwieriger ist es schon auf Straßen mit Querverkehr. Problematisch in Städten mit Kreuzungen und unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern.

Die Überwachungstechnik der automatisierten Autos - Kamera, Radar und ein Messgerät namens Lidar - ist dem menschlichen Auge teilweise schon überlegen. Denn per Laserlicht und Radarwellen können beispielsweise auch Gegenstände in Dunkelheit erkannt werden.

Screenshot eines Videos, auf dem eine Frau die Straße überquert | Bildquelle: AP
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Die Technik des Uber-Autos hat nicht reagiert, als eine Frau mit Fahrrad die Straße überquerte.

Technikfehler bei Uber-Unfall?

Deshalb wundern sich Experten über den jüngsten Uber-Unfall, bei dem eine Frau mit Fahrrad vom System nicht erfasst wurde. "Das Fahrrad hätte auch im Dunkeln hundertprozentig erkannt werden müssen", sagt Rulf. Und auch Susanne Ernst vermutet technisches Versagen. "Ein Fahrrad ist ein dankbares Objekt für Radarsensoren."

Googles Technik ist nach Einschätzung Dudenhöffers mit Abstand am weitesten. "Google testet am längsten und stabilsten und hat die meisten Kilometer zurückgelegt. Trotzdem gab es noch keinen schweren Unfall." Rulf verweist auf eine weiteren Vorteil: "Nur Google hat eigene Autos gebaut, die anderen Anbieter setzen auf umgebaute Fahrzeuge."

Teure Technik verhindert Massenproduktion

Ein Lidar Sensor ist auf dem Dach eines automatisierten Autos angebracht. | Bildquelle: REUTERS
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Solch ein Lidar-System, das auf dem Autodach befestigt wird, kostet 100.000 $.

Die benötigte Technik ist teuer. Das hochkomplexe Radar-Laser-System Lidar kostet 100.000 $. In den meisten automatisierten Autos sind allein davon sieben Exemplare verbaut. Deshalb wird es nach Rulfs Überzeugung noch 20 bis 25 Jahre dauern, bis autonome Autos für Privatpersonen erschwinglich werden.

Schon deutlich früher dürften Autos erlaubt werden, bei denen der Fahrer in bestimmten Situationen - beispielsweise im Stau oder zum Einparken - die Kontrolle ans Fahrzeug abgeben darf. Diese "Stufe 3" des automatisierten Fahrens könnte nach Überzeugung von Adrian Zlocki, dem Leiter des Bereichs Fahrerassistenz am Aachener Institut für Kraftfahrzeuge, schon in ein bis zwei Jahren zugelassen werden.

Ob sie allerdings auch angenommen wird, ist offen. "Die meisten Menschen haben Angst vor diesen Autos", weiß Rulf. "Wir müssen sie trainieren, sich wie im Flugzeug dem Autopiloten anzuvertrauen."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. März 2018 um 21:05 Uhr in der Sendung "Redezeit".

Korrespondent

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Dominik Lauck, NDR

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