Audilogo | Bildquelle: dpa

Ermittlungen zum Abgasskandal Razzien bei Audi

Stand: 15.03.2017 12:41 Uhr

Im Abgasskandal rückt jetzt auch Audi stärker in den Fokus: Die Zentrale und weitere Standorte wurden durchsucht. Audi steht im Verdacht, in den USA Abgaswerte ähnlich manipuliert zu haben wie VW. Auch die VW-Zentrale wurde deshalb durchsucht.

Von G. Mascolo, C. Adelhardt, S. Wels, NDR und Jens Kuhn, BR

Nach Informationen von ARD und  "Süddeutscher Zeitung" hat die Polizei am frühen Mittwochmorgen damit begonnen, die Firmenzentrale des Autoherstellers Audi in Ingolstadt zu durchsuchen. Die Razzia steht im Zusammenhang mit Ermittlungen im Abgas-Skandal. Auch weitere Standorte in Niedersachsen und Baden-Württemberg sowie Privatwohnungen von Mitarbeitern werden durchsucht. Etwa 80 Polizeibeamte und Staatsanwälte sind im Einsatz.  Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug und strafbare Werbung. Der Anfangsverdacht richtet sich nicht namentlich gegen einzelne Audi-Manager. Die Ermittlungen laufen bislang gegen Unbekannt.

Auch die VW-Zentrale in Wolfsburg wurde einem Konzernsprecher zufolge durchsucht.

Audi-Chef Rupert Stadler hatte für den Vormittag zur Bilanzpressekonferenz geladen. Er wollte die neuesten Verkaufszahlen des Autoherstellers verkünden. Der Dieselskandal sollte kein Thema sein. Doch gegen sieben Uhr, nur knapp drei Stunden vor der Jahrespressekonferenz, begannen Polizei und Staatsanwaltschaft mit den Durchsuchungen bei Audi.

Stadler: Volle Kooperation mit den Behörden

Auf der Pressekonferenz sagte Stadler dann, trotz der "aktuellen Ereignisse" würde er sich wünschen, dass "wir uns heute auf das vergangene Geschäftsjahr konzentrieren. 2016 war kein verlorenes Jahr. Wir haben große Fortschritte bei der Aufarbeitung der Dieselaffäre gemacht." Auf Nachfrage zu den Durchsuchungen wollte er sich nicht weiter äußern: "Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass wir die Affäre maximal aufarbeiten." Man werde voll umfänglich mit den Behörden kooperieren, fügte er hinzu.

Razzien bei Audi
tagesschau 12:00 Uhr, 15.03.2017, Christine Adelhardt/Jens Kuhn, BR

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Ähnliche Manipulation wie bei VW?

Die Ermittler erhoffen sich durch die Razzia Erkenntnisse darüber, inwiefern Audi-Mitarbeiter ebenfalls bei den Abgaswerten getrickst haben könnten. Der Verdacht: Audi-Ingenieure könnten bei der Entwicklung ihrer Dieselmotoren für den US-Markt die Software zur Regulierung der Abgasreinigung ähnlich manipuliert haben wie ihre Kollegen bei Volkswagen. Der VW-Konzern ist die Konzernmutter der Marken Audi und VW.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft München II geht es bei den jetzigen Ermittlungen um den Verkauf von rund 80.000 Kraftfahrzeugen mit einem von der Audi AG entwickelten V6-3.0-Liter-Dieselmotor auf dem US-amerikanischen Markt im Zeitraum von 2009 bis 2015. "Es besteht der Verdacht, dass in diese Kraftfahrzeuge technische Vorrichtungen zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut wurden, um die US-amerikanischen Abgasgrenzwerte einzuhalten, und die Käufer diesbezüglich nicht informiert wurden", teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

Absatzgeschäfte auf dem europäischen Markt seien nicht Gegenstand der Ermittlungen, da nach den bislang vorliegenden Auskünften des Kraftfahrt-Bundesamtes insoweit eine unzulässige Beeinflussung von Abgaswerten nicht festgestellt werden könne.

Bereits seit September 2015 hatte die Staatsanwaltschaft München II untersucht, ob sie gegen Audi-Mitarbeiter Ermittlungen einleiten muss oder ob der Dieselbetrug ausschließlich von der Konzernmutter VW und deren Entwicklern und Managern in Wolfsburg begangen wurde. Der entscheidende Hinweis für die Münchner Staatsanwälte kam offenbar aus dem fernen Amerika: Die US-Justiz klagte im Januar sieben VW-Manager an. In der Klageschrift werden auch gegen Audi schwere Vorwürfe erhoben. 

Gleichzeitig einigte sich VW mit den US-Behörden auf ein Schuldeingeständnis und gab ein sogenanntes Statement of Facts - eine formale Tatsachendarstellung - ab. Darin gibt VW zu, die Dieselfahrzeuge für den amerikanischen Markt manipuliert und damit gegen US-Recht verstoßen zu haben. Mehrfach wird in diesem Dokument auch Audi genannt und die Beteiligung der VW-Tochter an dem Betrug beschrieben.

Im Test "sauber", auf der Straße "dreckig"

An einer Stelle heißt es: "Audi-Ingenieure entwickelten und installierten" eine Software zur Umgehung  der US-Abgasnormen. Ab dem Jahr 2006 habe Audi einen Drei-Liter-Diesel Motor entwickelt, der ein sogenanntes Defeat Device enthält: Eine Funktion, die erkennt, wenn das Auto auf Abgase getestet wird. Beim Test fährt das Auto "sauber", im Normalbetrieb auf der Straße allerdings "dreckig" und stößt damit ein Vielfaches der gesetzlich erlaubten Stickoxide aus.

Die Staatsanwaltschaft hatte ARD und SZ auf Anfrage unlängst mitgeteilt, das Statement of Facts enthalte "gewichtige und relevante Erkenntnisse zum Gesamtkomplex 'Abgasaffäre-Audi', die derzeit analysiert und einer abschließenden rechtlichen Bewertung zugeführt werden".

Der VW-Konzern hatte gehofft, mit Schadensersatz und Strafzahlungen in den USA von mehr als 20 Milliarden Euro den Dieselskandal allmählich hinter sich zu lassen. Mit den Durchsuchungen bei seiner Vorzeigetochter Audi an neun Orten in drei Bundesländern beginnt nun allerdings ein weiteres unrühmliches Kapitel, das den Konzern und nun auch die Marke Audi weiter belasten wird.

Eine Säule mit Audi-Ringen | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Ist es mit Audis gutem Ruf als VW-Vorzeigetochter bald vorbei?

Audi steht für Qualität und Innovation

Der Autobauer aus Ingolstadt steht für besondere Qualität und Innovation, wirft  Gewinne ab und hatte es lange geschafft, nicht im Fokus des Abgasskandals zu stehen. Während die Staatsanwaltschaft Braunschweig schon seit Monaten gegen mehr als 30 VW-Manager namentlich ermittelt, schien es lange so, als werde die Konzerntochter Audi verschont. 

Dass die Razzien ausgerechnet am Tag der Jahrespressekonferenz stattfinden, macht die Angelegenheit für Audi besonders unangenehm. Nach Berichten von Insidern hatten die Ermittler erst Anfang der Woche von dem Pressetermin erfahren. Zu diesem Zeitpunkt waren die Vorbereitungen für die Durchsuchungen, die in drei Bundesländern koordiniert werden mussten, bereits abgeschlossen. Eine Verschiebung sei nicht mehr möglich gewesen, heißt es.

Über dieses Thema berichteten am 15. März 2017 tagesschau24 um 10:00 Uhr und die Tagesschau um 12:00 Uhr.

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