Audi-Chef Rupert Stadler bei einer Präsentation im Vorfeld der IAA in Frankfurt am Main | Bildquelle: dpa

Ärger im Abgas-Skandal Audi-Chef spricht sich mit Dobrindt aus

Stand: 04.06.2017 15:42 Uhr

Die Empörung bei Audi war groß. Der Chef der VW-Tochter warf Verkehrsminister Dobrindt vor, neue Erkenntnisse im Abgas-Skandal im Alleingang in die Öffentlichkeit getragen zu haben. Nun haben der Manager und der Minister miteinander geredet.

Audi-Chef Rupert Stadler hat sich nach seinem Ärger über die Bekanntgabe neuer Erkenntnisse zu Abgasmanipulationen mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ausgesprochen. "Das Thema ist aus der Welt", sagte ein VW-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

"Dass Herr Stadler etwas übers Ziel hinausgeschossen ist, ist für uns Historie", sagte der Sprecher mit Blick auf ein Interview, das der Audi-Chef der "Automobilwoche" gegeben hatte.

Stadler attackierte Dobrindt

In dem Interview hatte Stadler Dobrindt vorgeworfen, den Sachverhalt falsch dargestellt und sich mit der Veröffentlichung auf Kosten der VW-Tochter profiliert zu haben. Dobrindt hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass Audi eine "unzulässige Abgas-Software" in den Oberklasse-Modellen Audi A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren verwendet habe.

Bei 24.000 Fahrzeugen ist der Ausstoß an gesundheitsschädlichen Stickstoffoxiden (NOx) höher als nach der Abgasnorm Euro 5 erlaubt. Damit weitete sich der Abgas-Skandal beim VW-Konzern erneut aus.

Am Freitag hatte der Audi-Chef Dobrindt scharf kritisiert: "Dass Herr Dobrindt allein vorprescht, hat mich persönlich sehr enttäuscht", sagte Stadler der "Automobilwoche".

"Wir selbst drehen jedes Steinchen um"

"Bei 24.000 Autos in Europa haben wir Auffälligkeiten gefunden. Diese Informationen haben wir den Behörden mitgeteilt. Dies und das weitere Vorgehen wollten wir gemeinsam kommunizieren." Dass die Behörden illegale Software "entdeckt" hätten, sei das falsche Wort. "Wir selbst drehen jedes Steinchen um", so Stadler weiter.

Der VW-Sprecher sagte heute, das Bundesverkehrsministerium sei Hüter des Verfahrens und der VW-Konzern habe dem Ministerium nichts vorzuwerfen. Der Konzern und das Ministerium bestätigten, dass Dobrindt sein Vorgehen zuvor mit VW-Konzernchef Matthias Müller abgestimmt hatte.

Vertragsverlängerung trotz Kritik

Stadler steht wegen seiner Rolle bei der Aufarbeitung des Abgas-Skandals schon länger in der Kritik. Dennoch war sein Vertrag vor kurzem erst um weitere fünf Jahre verlängert worden. Zu Medienberichten über eine mögliche Ablösung Stadlers sagte der VW-Sprecher, Vorstand und Aufsichtsrat hätten "diese Diskussion zu Herrn Stadler nicht geführt".

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete, VW wolle noch vor Ende des Jahres "ein Paket für den personellen Neuanfang in Ingolstadt schnüren", ohne Stadler an der Spitze.

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