Firmenschild einer Audi-Filiale in Fellbach, Baden-Württemberg | Bildquelle: dpa

Diesel-Skandal Früherer Audi-Manager festgenommen

Stand: 07.07.2017 09:28 Uhr

Er soll ein Team von Ingenieuren beauftragt haben, Betrug-Software zu entwickeln: Das US-Justizministerium hat einen früheren Audi-Manager angeklagt. Der Mann wurde in München festgenommen.

In München ist ein früherer Audi-Manager festgenommen worden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft München II. Er sitze in Untersuchungshaft. Ihm würden Betrug und unlautere Werbung vorgeworfen.

Das US-Justizministerium zeigte den italienischen Staatsbürger im Zuge des Diesel-Skandals an. Es wirft dem Mann Verschwörung, Betrug und Verstöße gegen US-Umweltgesetze vor.

Der Anwalt des Ex-Managers in den USA äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Der 60-Jährige sei von 2006 bis 2015 Leiter eines Ingenieurteams bei der VW-Tochter in Neckarsulm gewesen, das Abgaskontrollsysteme entwickelt habe, teilte das Justizministerium mit.

Manager gab Anweisung für Software

Er habe seine Angestellten angewiesen, eine Software zu entwickeln, um bei Abgastests der US-Umweltschutzbehörde zu betrügen. Ingenieure, die die Software entwickelten, hätten im Jahr 2008 eine Präsentation über das System an leitende Manager von Audi gesendet, darunter sei auch der Ex-Manager gewesen, gegen den nun die Anzeige eingeleitet wurde, hieß es in den Unterlagen des Justizministeriums.

Im gleichen Jahr seien mehrere Audi-Manager zu dem Schluss gekommen, dass eine Anwendung der Software "unhaltbar" sei. 2013 habe es einen Vorschlag gegeben, das System mit den zuständigen Behörden in den USA zu besprechen. Der heute 60-Jährige habe eine Offenbarung gegenüber den Behörden aber als "zu riskant" bezeichnet, hieß es in den Gerichtsunterlagen.

600.000 Autos manipuliert

Autokonzern Volkswagen hatte zugegeben, fast 600.000 Dieselautos in den USA mit einer Software so manipuliert zu haben, dass sie bei Abgastests Schadstoffnormen erfüllten. Da das auf Kosten der Leistung ging, wurden die Abgaskontrollen im Alltagsbetrieb von derselben Software abgeschaltet.

Insgesamt kostete der Skandal VW bereits mehr als 20 Milliarden Dollar. Gegen sieben weitere VW-Mitarbeiter wurden in den USA deshalb bereits rechtliche Schritte eingeleitet. Über einen ehemaligen von ihnen soll Ende des Monats ein Urteil gesprochen werden, ein Mitarbeiter befindet sich in den USA in Haft, fünf weitere Mitarbeiter sind deutsche Staatsbürger.

Über dieses Thema berichtete am 07. Juli 2017 Inforadio um 06:24 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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