Firmenschild einer Audi-Filiale in Fellbach, Baden-Württemberg | Bildquelle: dpa

Diesel-Skandal Audi-Fachleute warnten schon früh

Stand: 27.07.2017 18:00 Uhr

Bei Audi haben bereits im Oktober 2013 Fachleute vor hohen Strafen wegen der Abgas-Manipulationen in den USA gewarnt. Das ergaben Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung". Trotzdem wurden sie fortgesetzt - bis zwei Jahre später die Behörden einschritten.

Von Christine Adelhardt, Christian Baars und Peter Hornung, NDR

Audi-Chef Rupert Stadler gerät in der Abgasaffäre weiter unter Druck. Nach Informationen von NDR, WDR und SZ haben im Unternehmen Fachleute aus der Motorenentwicklung im Oktober 2013 eindringlich vor hohen Geldstrafen gewarnt.

Audi-Vorstandschef Rupert Stadler
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Hat Audi-Vorstandschef Stadler sein Unternehmen schlecht organisiert?

In einem internen Dokument mit dem Titel "Risikoeinschätzung" beschrieben sie eine in den USA verbotene Software, mit der die Abgasreinigung bei Diesel-Autos im normalen Straßenverkehr weitgehend abgeschaltet worden sei. Die gesetzlichen Grenzwerte für das gesundheitsschädliche Stickoxid würden nur bei den offiziellen Messungen auf einem Prüfstand eingehalten, schreiben die Fachleute. Es gehe um 62.000 Fahrzeuge mit dem Motor V6 TDI. Das "Kernrisiko" bestehe in einer "Aufdeckung" der Software durch die US-Behörden, heißt es in dem Papier.

Die Strafe könne bis zu 37.500 US-Dollar pro Auto betragen - insgesamt also bis zu 2,3 Milliarden Dollar. Hinzu komme der mögliche Rufschaden für Audi, so die Motorenentwickler. Im schlimmsten Falle drohe ein Widerruf der Zulassung

Mutterkonzern VW wurde offenbar auch gewarnt

Nach Erkenntnissen der US-Behörden wurde die Warnung auch an den Mutterkonzern Volkswagen weitergereicht. Dennoch setzten Audi und VW die Manipulationen fort. Zwei Jahre später enthüllten dann tatsächlich US-Behörden die Gesetzesverstöße. Insgesamt mehr als 20 Milliarden Dollar musste VW in der Folge an Strafen und Schadenersatz bezahlen. Hätte der Konzern die Warnung seiner Fachleute nicht ignoriert, wäre der Schaden wohl geringer ausgefallen.

Die "Risikoeinschätzung" war jedenfalls ziemlich deutlich. Das belegen interne Mails und  Aussagen von Managern, die damals informiert wurden. Einer von ihnen, ein wichtiger Mitarbeiter in der Entwicklung von Dieselmotoren bei Audi, zeigte sich erstaunt. "Warum haben wir solch ein Konzept zugelassen?", fragt er in einer Mail. Er war zu der Zeit noch recht neu im Unternehmen und kannte die Manipulationen offensichtlich nicht.

Das Problem mit den dreckigen Abgasen hätten man aus seiner Sicht auch anders lösen können - mit einem größeren Tank für den Harnstoff AdBlue. "Warum ist man damals nicht vor den Vorstand getreten und hat ein größeres AdBlue-Tankvolumen gefordert?", fragt der Manager weiter.

Aufregung in Wolfsburg

Auch beim VW-Mutterkonzern in Wolfsburg sorgte das Dokument offenbar für Aufregung. Die involvierten Mitarbeiter hielten es für brandgefährlich. Sie informierten Erkenntnissen der US-Ermittler zufolge den Chef der Aggregate-Entwicklung bei VW, der daraufhin mit seinem Kollegen bei Audi telefonierte.

Ob die "Risikoeinschätzung" noch weiter nach oben gereicht wurde, ob auch Vorstandsmitglieder von Audi oder VW informiert wurden, ist unklar. Bislang gibt es darauf keine Hinweise.

Der Aufsichtsrat von Volkswagen lässt allerdings seit einiger Zeit prüfen, ob damaligen Vorständen Versäumnisse anzulasten seien - etwa wegen sogenannten Organisationsverschuldens. Die Frage ist, ob die Chefs des Konzerns dafür hätten sorgen müssen, dass solch wichtige Dokumente auch sie erreichen.

VW-Aufsichtsrat prüft: Haben Manager versagt?

Weder Audi noch VW wollten sich aktuell - wegen der laufenden Ermittlungen - zu dem Papier und den Vorgängen äußern. Sollte der Aufsichtsrat zu der Einschätzung kommen, dass die Manager etwas verschuldet haben, könnten auch Schadenersatzforderungen auf sie zukommen.

Audi-Chef Rupert Stadler steht wegen seiner Rolle bei der Aufarbeitung des Abgas-Skandals schon länger in der Kritik. Dennoch war sein Vertrag erst kürzlich um fünf Jahre verlängert worden. Doch mittlerweile wird in Aufsichtsratskreisen von Audi offenbar diskutiert, ob Stadler bleiben kann oder gehen muss, weil er das Unternehmen schlecht organisiert habe.

Christine Adelhardt, NDR, zum Diesel-Skandal
tagesschau24 11:00 Uhr, 28.07.2017

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Über dieses Thema berichtet am 27. Juli 2017 die tagesschau um 20:00 Uhr.

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