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Wenn heute der "rote" Finanzminister Steinbrück die Amtsgeschäfte übergibt, dann bleibt dem neuen "schwarzen" Hausherrn Schäuble womöglich die schärfste Waffe des Sozialdemokraten erhalten: Jörg Asmussen.
Von Torsten Mandalka, RBB, ARD-Hauptstadtstudio
Meistens wird über ihn geredet, selten sagt er selber etwas. Im Hypo-Real-Estate-Untersuchungsausschuss sprach Jörg Asmussen (SPD) stundenlang über die Bewältigung der Bankenkrise - danach aber war der beamtete Finanzstaatssekretär wieder gewohnt wortkarg: "Ich habe drinnen gesagt, alle Beteiligten haben einen anständigen Job gemacht. Es ist das gute Recht eines Parlaments, nach einer solchen Aktion Fragen zu stellen. Ich habe alle Fragen beantwortet."
[Bildunterschrift: Bleibt Jörg Asmussen was er ist? - Beamteter Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. ]
Jörg Asmussen, 42 Jahre alt, Vater von zwei Töchtern, ist von einem FDP-Abgeordneten schon mal beschrieben worden als der "einzig fähige Beamte der Regierung". Das war, bevor die Opposition seinen Rücktritt forderte - weil er angeblich die Bankenkrise früher hätte erkennen müssen und weil er ebenso angeblich mehr hätte herausholen müssen für die Steuerzahler beim legendären Bankenrettungswochenende im September 2008.
"Finanzmister Steinbrück muss Herrn Asmussen entlassen, denn er hat wichtige Sorgfaltspflichten vernachlässigt", forderte der Grüne Gerhard Schick ebenso wie FDP-Chef Guido Westerwelle. Insofern hat es einige Brisanz, wenn Asmussen unter Schwarz-Gelb jetzt Staatssekretär bleibt. Andererseits: Auch wenn böse Zungen behaupten, Asmussen habe machtbewusst übermäßig viele Kompetenzen bei sich gebündelt und binde Mitarbeiter zu wenig ein, ist eines unumstritten: es gibt zu wenig Menschen mit vollem Durchblick im Finanzministerium, als dass der neue Minister Wolfgang Schäuble (CDU) ihn verlustfrei absetzen könnte.
Das bestätigte auch der Grünen-Finanzexperte Alexander Bonde mal: "Asmussen ist im Finanzministerium der bestimmende Mann - da ist der Minister derjenige, der die von Asmussen geschriebenen Zettel verliest." Für den Grünen ist Asmussen der Vater des Bankenrettungspakets und der ganzen Finanzmarktgesetzgebung und damit "eindeutig der Kopf im Haus".
Ähnlich sah man es auch bei den Schwarzen: "In der Unionsfraktion schätzen wir Asmussens fachliche Kompetenz und seine politische Sensibilität", sagte bemerkenswerterweise gerade Steffen Kampeter (CDU), der nun auch Staatssekretär werden wird im Finanzministerium - parlamentarischer allerdings.
Er passt gut zu dem kleinen Kreis von Durchblickern in der Finanzpolitik, die Minister und Kanzlerin spicken: Jens Weidmann gehört dazu, der Abteilungsleiter im Kanzleramt, Axel Weber, der Bundesbankchef - er war mal Professor von Weidmann und Asmussen an der Universität Bonn. Vielleicht noch Walter Otremba, der Wirtschaftsstaatssekretär. Er wechselt womöglich auch ins Finanzministerium.
Jedenfalls hat Jörg Asmussen einmal bekannt, seine Aufgabe sei es, möglichst im Hintergrund und sehr effizient dem Finanzminister den Rücken frei zu halten. Dieses Bekenntnis könnte dem Sozialdemokraten jetzt das politische Überleben sichern - auch unter einem CDU-Minister Schäuble. Davon abgesehen: ein Rausschmiss ist für Asmussen ohnehin kein Problem - für einen neuen Job in der Bankenwelt müsste er nur mit dem Finger schnipsen.
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