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Armut, Arbeitslosigkeit, Inflation, immense Schulden - das war die Lage in Argentinien vor zehn Jahren. Ein heruntergewirtschaftetes Land. Die Menschen protestierten, es gab Tote. Doch das Land schaffte den wirtschaftlichen Wiederaufstieg - auch dank Umschuldung.
Von Julio Segador, ARD-Hörfunkstudio Südamerika
Argentinien vor genau zehn Jahren: Das Land durchlebt die schwerste Krise seiner 200-jährigen Geschichte. Mit Töpfen und Pfannen gehen die Menschen auf die Straßen, protestieren gegen die Verhältnisse im Land, und gegen die Politiker, die dafür verantwortlich sind. Es kommt zu Ausschreitungen, fast 40 Menschen werden bei den Unruhen getötet.
Argentinien ist pleite, heruntergewirtschaftet von korrupten und unfähigen Politikern. Das Land drücken immense Schulden von mehr als 170 Milliarden US-Dollar. Es gibt kaum Arbeit, Kinder verhungern in dem einst reichen Argentinien. Roberto Lavagna kann bis heute nicht glauben, wie tief sein Land gefallen war. "Es war schon eine sehr schlimme Situation", erinnert er sich. "Viele Historiker sagen, dass es die schlimmste Krise seit 1890 war. Die soziale Lage der Menschen war furchtbar. 52 Prozent der Menschen im Land, also mehr als die Hälfte, lebten unterhalb der Armutsgrenze."
Lavagna wird 2002 Wirtschaftsminister in Argentinien. Zusammen mit dem späteren Präsidenten Nestor Kirchner leitet er den Kurswechsel ein. Kirchner erklärt das Land für zahlungsunfähig, zahlt lediglich den Internationalen Währungsfonds (IWF) aus, um so Handlungsspielraum zu bekommen. Er streicht einen Großteil der Auslandsschulden einfach aus den Büchern, ignoriert die ausländischen Anleger, denen Argentinien Geld schuldet, und hält die Landeswährung Peso stark unterbewertet. Argentinien wird langsam wieder wettbewerbsfähig.
"In diesem Prozess gab es einige fundamentale Dinge: Zum einen setzten wir darauf, dass der Konsum der Motor sein sollte, der die Gesundung der Wirtschaft vorantreibt", erzählt Lavagna. "In Argentinien war mehr als 20 Jahre nur auf Exporte oder Investitionen Wert gelegt worden. Der Konsum war da nur lästiges Beiwerk. Das zweite Entscheidende: Argentinien brauchte einen Handelsüberschuss. Und drittens mussten wir uns eingestehen, dass unsere Schulden ein Niveau erreicht hatten, das unmöglich zurückbezahlt werden konnte. Eine Umschuldung war unumgänglich. Und ein beträchtlicher Schuldenerlass, also ein so genannter Haircut."
Zehn Jahre nach der Staatspleite ist in der Hauptstadt Buenos Aires und in vielen anderen Städten von Krise nichts zu spüren. Die Menschen haben deutlich mehr Pesos in den Geldbeuteln, und sie konsumieren. Von globaler Krise ist nichts zu sehen.
[Bildunterschrift: "Wir sind in einem neuen Argentinien", verkündet Präsidentin Kirchner nach ihrer Wiederwahl Mitte Dezember des vergangenen Jahres. ]
Stolz verweist Staatspräsidentin Cristina Kirchner auf den bemerkenswerten Aufstieg der Nation am Río de la Plata - ein Aufstieg vom Pleiteland zum Wachstumswunder. "Wir sind in einem neuen Argentinien. Das Land hat einen sagenhaften Sprung gemacht, wenn man jenes Argentinien als Vergleich heranzieht, das 25 Prozent Arbeitslosigkeit hatte, also ein Viertel der Bevölkerung. Jenes Argentinien, das mit mehr als 140 Prozent des Bruttoinlandproduktes verschuldet war, in dem jeder Zweite in Armut lebte. Heute blicken wir auf ein Land, das den längsten Aufschwung seiner 200-jährigen Geschichte verzeichnet."
Viele Argentinier blicken in diesen Tagen mit Unbehagen auf die globale Finanzkrise, die einige europäische Staaten beutelt. Schmerzhafte Erinnerungen kommen hoch. Die Menschen im Land wissen, wie es ist, wenn ein Staat pleite geht. Argentinien hat es aber geschafft, den Kopf wieder aus der Schlinge zu ziehen. Vorerst jedenfalls. Denn die nächste Krise kommt bestimmt, sagen die Menschen in Hauptstadt immer wieder. So ganz trauen sie dem Frieden offenbar doch nicht.
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