Argentinische Flaggen | Bildquelle: picture alliance / Arco Images G

Drohender Staatsbankrott Argentiniens Endspiel gegen die "Geierfonds"

Stand: 30.07.2014 12:44 Uhr

Im Showdown um Argentiniens drohende Staatspleite gibt es kurz vor Ablauf der entscheidenden Frist weiter keine Lösung. Zwölfstündige Gespräche zwischen Wirtschaftsminister Axel Kicillof und einem Schlichter in New York brachten kein Ergebnis. Damit könnte Argentinien in der kommenden Nacht als zahlungsunfähig eingestuft werden.

Hintergrund des Konflikts ist der Staatsbankrott von 2001. Mit 93 Prozent seiner Gläubiger einigte sich Argentinien in den Jahren danach auf einen sogenannten Schuldenschnitt: Die Investoren erklärten sich bereit, auf zwei Drittel ihrer Ansprüche zu verzichten - während sich Buenos Aires im Gegenzug verpflichtete, das verbleibende Drittel gestreckt über viele Jahre zu zahlen.

Einige Gläubiger jedoch beharrten darauf, ihr Geld komplett zurückzuerhalten. Zwei davon - die "Geierfonds" genannten US-Investoren NML und Aurelius - zogen in New York (wo die Staatsanleihen einst emittiert worden waren) vor Gericht und gewannen nach einem jahrelangen Rechtsstreit.

Die zerstörerische Kraft der "Rufo"-Klausel

Die Folgen des umstrittenen Urteils für Argentinien sind verheerend. Zwar belaufen sich die Ansprüche der beiden US-Fonds inklusive Zinsen auf überschaubare 1,5 Milliarden Dollar. Zahlt Buenos Aires jedoch an NML und Aurelius, dann werden auch die übrigen Gläubiger, die sich dem Schuldenschnitt verweigerten, ihre Forderungen geltend machen. Damit ginge es schon um rund 15 Milliarden Dollar.

Doch damit nicht genug: Denn in den Verträgen zum Schuldenschnitt findet sich die sogenannte "Rufo-Klausel". Demnach muss Argentinien im Falle einer vollständigen Auszahlung der "Geierfonds" auch jene Gläubiger komplett entschädigen, die einst auf Geld verzichtet hatten. Das wären dann mehrere Hundert Milliarden Dollar - eine Summe, die die argentinische Regierung selbst über einen langen Zeitraum kaum wird abstottern können.

Wann wird weiterverhandelt? Selbst das ist unklar

Der 30. Juli als Deadline ergibt sich daraus, dass Argentinien heute um spätestens Mitternacht (New Yorker Zeit) die nächste reguläre Schuldentranche an die "guten" Gläubiger auszahlen muss. Buenos Aires würde das auch liebend gern machen - darf aber nicht, weil der US Supreme Court entschieden hat, dass die Regierung zunächst die "Geierfonds" entschädigen muss, bevor Geld an die übrigen Gläubiger fließt.

Gibt es noch eine Chance? "Wir werden weiterhin mit der großen Ernsthaftigkeit arbeiten, die diese Angelegenheit verdient", sagte Kicillof nach dem ersten Gespräch mit Schlichter Daniel A. Pollock. Wann und ob die Streitparteien heute zusammenkommen, sei noch ungeklärt, so Pollock.

Hedge-Fonds-Manager Paul Singer | Bildquelle: AP
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Paul Singer ist der Mann hinter dem umstrittenen "Geierfonds" NML.

Wie ein möglicher Ausweg aussehen könnte

Es scheint auf einen regelrechten Showdown hinauszulaufen - wobei eine Pleite keiner der beiden Seiten nutzen würde: Die "Geierfonds" gingen erst einmal leer aus. Und Argentiniens Reputation an den Kapitalmärkten wäre womöglich auf Jahre hinaus zerstört.

Ein möglicher Kompromiss könnte so aussehen, dass die "Geierfonds" bis Jahresende auf ihr Geld verzichten. Denn dann läuft die "Rufo"-Klausel aus, was hieße: Argentinien könnte NML und Aurelius entschädigen, ohne fürchten zu müssen, damit die horrenden Zahlungsverpflichtungen an sämtliche Gläubiger auszulösen. Ob es so kommt, ist allerdings völlig ungewiss.

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