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Jede vierte Stelle soll wegfallen: Der französische Atomkonzern Areva spart vor allem bei den deutschen Standorten. Der Vorstandschef begründete das Aus für bis zu 1500 Jobs mit dem deutschen Atomausstieg - doch die Verluste kommen aus anderen Geschäften.
Von Anne Christine Heckmann, ARD-Hörfunkstudio Paris
Der Atomriese Areva sieht rot - und das zum ersten Mal seit seiner Gründung. Für das laufende Jahr rechnet der französische Konzern mit Verlusten zwischen 1,4 und 1,6 Milliarden Euro. Deshalb kündigte der neue Areva-Chef Luc Oursel ein massives Sparprogramm an: Bis 2013 sollen 1,3 Milliarden Euro eingespart werden, unter anderem durch Teilverkäufe und Stellenstreichungen.
Betroffen sind insbesondere die deutschen Standorte: "In Deutschland müssen wir die Konsequenz aus dem Regierungsbeschluss ziehen, auf Kernenergie zu verzichten. Wir planen deshalb die Mitarbeiterzahl um 1200 bis 1500 zu reduzieren. Dabei handelt es sich um Beschäftigte in den Zulieferbetrieben und in unseren eigenen Reihen", erklärte Oursel.
[Bildunterschrift: Vor Stellenabbau: Die Deutschland-Zentrale des Stromkonzerns Areva in Erlangen ]
Welche der deutschen Standorte genau betroffen sind, gab Areva nicht bekannt. Beim deutschen Hauptsitz in Erlangen könnten allerdings Stellen wegfallen. Denn dort werden Brennstäbe produziert und deren Bedarf ist mit dem deutschen Atomausstieg drastisch zurückgegangen. In Frankreich schloss der Konzern Kündigungen aus, nachdem sich der Staat als Mehrheitseigner eingeschaltet hatte. Frei werdende Stellen sollen aber nicht wieder besetzt werden.
Areva-Chef Oursel widersprach Behauptungen, wonach sein Konzern Deutschland wegen des Atomausstiegs abstrafen wolle. "Als die ersten Reaktoren in Deutschland abgeschaltet wurden, hatten ganze Riegen von Mitarbeitern, die in den Atomkraftwerken gearbeitet haben, nichts mehr zu tun. Diese Stilllegung zwingt uns dazu, unseren Personalbestand anzupassen."
Areva plant außerdem, das Werk in Duisburg umzuwandeln. Es könnte sich künftig auf regenerative Energien spezialisieren. Konkrete Angaben machte der Konzern dazu allerdings nicht.
[Bildunterschrift: Areva-Chef Luc Oursel beim Verkünden der Sparpläne. ]
Grund für den hohen Verlust des Unternehmens ist neben der Atomkatastrophe in Japan auch sein Uranminen-Geschäft in Afrika, für das eine Wertberichtigung in Millionenhöhe erforderlich war. Auch für einen Druckwasserreaktor in Finnland wurden Rückstellungen erforderlich. Der Bau ist schon doppelt so teuer wie ursprünglich geplant.
Die Gewerkschaften wehren sich gegen den Sparkurs und kritisieren in dem Zusammenhang auch die Regierung. "Es wäre an der Zeit, dass der Staat seine Aktionärsrolle auch ernst nimmt", sagte Patrick Lescure von der Gewerkschaft CGT. "Die Regierung nimmt die Dividenden, aber sie investiert nichts. Und auch im nächsten Jahr sollen Dividenden an den Staat ausgeschüttet werden, obwohl die Firma Verluste macht."
Trotz des Unfalls von Fukushima und trotz des deutschen Atomausstiegs setzt Areva weiter auf die Kernenergie und den Bau neuer Reaktoren. So plant der weltgrößte Atomkonzern bis 2016 zehn neue Druckwasserreaktoren des Typs EPR zu verkaufen. Areva-Chef Luc Oursel betonte: Das Wachstum sei zwar vorerst gebremst - die Kernkraft habe aber auch nach Fukushima eine Zukunft.
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