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21.03.2010

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Wirtschaft
"For sale"-Schild vor einem Haus in New York (Foto: dpa)
US-Wirtschaft: Kreditkrise, Arbeitslosigkeit und Rezessionsangst
Wirtschaftsmisere in den USA

Kreditkrise, Arbeitslosigkeit und Rezessionsangst

Die Banken- und Finanzmarktkrise in den USA ist längst zu einer Krise der gesamten Wirtschaft geworden. Die Arbeitslosigkeit liegt auf einem Rekordhoch, der private Konsum bricht ein. Jetzt nimmt US-Notenbankchef Bernanke sogar das Wort Rezession in den Mund.

Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington

Die Bank "countrywide" machte negative Schlagzeilen (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Machte negative Schlagzeilen: die Bank "countrywide" ]
Amerikas schwer angeschlagene Hypothekenbank "Countrywide" produzierte in den vergangenen Monaten nur Negativschlagzeilen: "Countrywide" suchte händeringend selber nach Kreditgebern, kündigte den Abbau Tausender Arbeitsplätze an, und trotz einer Geldspritze von zwei Milliarden Dollar durch die "Bank of America" wollten die Gerüchte über einen Konkurs des größten amerikanischen Hypothekenkonzerns nicht verstummen. Jetzt schoss der Aktienkurs von "Countrywide" plötzlich in die Höhe - und da war klar: Es musste einen Retter geben für jene Bank, die in den vergangenen Jahren Ramschkredite gezielt an Hauskäufer ohne jedes Finanzpolster und ohne ausreichendes Einkommen vergeben hatte. Der Retter heißt "Bank of Amerika". Die größte Geschäftsbank des Landes zahlt vier Milliarden Dollar für den Deal. Der Gründer von "Countrywide" Angelo Mozilo reagierte staatsmännisch: Seine Sorge gelte vor allem Amerikas Wirtschaft. Es tröste ihn wenig, dass seine Bank jetzt gerettet worden sei, meint Mozilo.

Notenbankchef kündigt Maßnahmen an

Angelo Mozilo ist Vorsitzender der Bank "Countrywide" (Foto: Reuters) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Angelo Mozilo ist Vorsitzender der Bank "Countrywide" ]
Mit der Sorge um die US-Wirtschaft ist er in bester Gesellschaft. Erst am 10. Januar trat Notenbank-Chef Ben Bernanke in Washington mit Sorgenfalten vor die Presse und nahm - für einen Zentralbank-Vorsitzenden sehr ungewöhnlich - das Wort 'Rezession' in den Mund. Die Notenbank prophezeie zwar keine Rezession, aber ein deutlich verlangsamtes Wirtschaftswachstum - so Bernanke, der einigen Kritikern als zu verharmlosend und zu zögerlich gilt. Doch diesmal wurde Bernanke deutlich und sagte: "Es gibt deutliche Risiken für das Wirtschaftswachstum, sie sind ausgeprägter geworden. Und deshalb müssen wir jetzt präventiv Maßnahmen ergreifen, um unser Land gegen solche negativen Entwicklungen abzusichern." Das heißt im Klartext: eine deutliche Leitzinssenkung Ende Januar - selbst um den Preis einer steigenden Inflationsrate. Auch bei Amerikas zurückhaltendem Notenbankchef ist Rezessionsangst mittlerweile stärker als die Inflationsfurcht.

Arbeitslosenquote auf Rekordhoch

Die US-Arbeitsmarktstatistik zeigt: Die Banken- und Finanzmarktkrise ist längst eine Krise der gesamten amerikanischen Wirtschaft. Neue Arbeitsplätze gibt es nur noch im öffentlichen Dienst, die Privatwirtschaft baut Stellen ab, die Arbeitslosenquote liegt mit fünf Prozent auf einem Rekordhoch. Amerikas latente Wirtschaftsdepression ist mittlerweile auch das bestimmende Wahlkampfthema. Der Republikaner John McCain redete jetzt in Michigan Klartext und sagte: "Ich bin Ihnen ein offenes Wort schuldig. Einige der Industrie-Jobs, die wir hier in Michigan verlieren, wird es nie wieder geben. Ich bin traurig, Ihnen das sagen zu müssen."

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Krise hat den Mittelstand erfasst

Längst hat die Finanz- und Arbeitsmarktkrise den Mittelstand erfasst. Immer mehr Bürgern wird das Telefon abgeschaltet, weil sie die Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Selbst dem FBI wurden Leitungen zum Abhören von Kriminellen und Terrorverdächtigen gekappt, weil das amerikanische Bundeskriminalamt offenbar nicht in der Lage ist, seine Rechnungen pünktlich zu begleichen. Alarmierend vor allem: Der private Konsum bricht weg, und der ist der Motor der amerikanischen Wirtschaft. Eine Zinssenkung allein reiche deshalb nicht aus, meint dazu der renommierte US-Ökonom Marc Sandy. Jetzt sei die Regierung gefordert, sagt er, und gibt zu bedenken: "Es ist sehr wichtig, nicht nur die Zinsen zu senken, sondern auch ein starkes Zeichen zu setzen und zu zeigen: Wir verstehen, dass diese Wirtschaft in einer tiefen Krise steckt und dass wir alles tun, dass das nicht passiert."

Doch nach Ansicht vieler Wirtschaftswissenschaftler ist es schon zu spät, um das Steuer herumzureißen, denn Steuerentlastungen für den Mittelstand werden frühestens wirken, wenn schon längst ein neuer Präsident im Weißen Haus sitzt.

Stand: 11.01.2008 22:14 Uhr
 

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