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21.11.2009

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Wirtschaft

Französische Arbeiter drohen mit Fabrik-Sprengung

Arbeiter drohen mit Fabrik-Sprengung

"Dann bleibt hier nichts stehen!"

Frankreichs Arbeiter sind nicht zimperlich - wenn es um ihre Arbeitsplätze geht, entführen sie schon mal ihren Chef oder wollen Flüsse verseuchen. Die Arbeiter der New Fabris in Chatellerault gehen noch weiter: Sie drohen, gleich ihre Fabrik zu sprengen.

Von Angela Ulrich, SR-Hörfunkstudio Paris

Hellgrüne Gasflaschen stehen sauber aneinandergereiht auf dem Dach des Werks-Vorbaues. Sie sind untereinander mit Draht verbunden. Was noch fehlt - der Zünder. Nicht mehr lange, droht Gewerkschafter Guy Eyermann: "Wir haben den Zünder schon hier. Es kann in die Luft fliegen. Wenn wir bis zum 31. Juli nicht das haben, was wir wollen - dann machen wir unsere Drohung wahr. Dann bleibt hier nichts stehen!"

Arbeiter in Chatelleraults New Fabris (Foto: AFP) [Bildunterschrift: "Wir haben den Zünder schon hier! - Arbeiter in Chatelleraults New Fabris ]

Die mehr als 300 Mitarbeiter des Autozulieferers New Fabris in Chatellerault in Mittelfrankreich sind verzweifelt. Und zu allem entschlossen. Sie drohen, ihr Werk in die Luft zu sprengen, wenn es nicht bis Ende des Monats eine Einigung gibt. Das Werk ist schon seit längerem pleite.

Jetzt wollen die entlassenen Mitarbeiter wenigstens eine Abfindung erzwingen: 30.000 Euro pro Kopf. Mit drastischen Methoden, gibt Gewerkschafter Eyermann zu: "Natürlich ist das radikal, aber waren sie nicht auch radikal zu uns? Sie haben uns fallengelassen. Einfach so. Dann werden wir genauso fiese Methoden anwenden wie sie!"

Plötzlich keine Aufträge mehr

Arbeiterprotest in Chatellerault - Gasflaschen auf dem Dach (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Grüne Gasflaschen auf dem Dach als Drohkulisse - so wollen die Arbeiter ihre Fabrik retten. ]
New Fabris in Chatellerault baut Zubehör für die großen französischen Autobauer Renault oder PSA Citroen. Zahnräder und Verteilerkappen, auch Auspuffe. Im vergangenen Jahr noch habe es große Aufträge gegeben, erzählt der Gewerkschafter. Man habe Maschinen angeschafft und Leute eingestellt. Dann sei plötzlich Schluss gewesen. Die Autobauer hätten die Aufträge gestoppt. Patrick und Freddie sind zwei der Arbeiter, die jetzt ohne Einkünfte dastehen: "Die Firma gibt es seit 62 Jahren. Und ganz plötzlich stirbt hier alles weg! Das Werk war mein Zuhause - das tut weh!"

Das Ultimatum der New-Fabris-Mitarbeiter läuft noch zwei Wochen, bis Ende Juli. Wenn sie bis dahin keine Abfindung bekämen, dann seien sie zu allem entschlossen.

Vor einigen Jahren schon hatten entlassene Arbeiter in Frankreich gedroht, einen Fluss mit Schadstoffen zu verschmutzen. Sie hatten dadurch neue Verhandlungen mit der Firmenleitung erzwungen. Auch wiederholte Geiselnahmen von Chefs hatten in den vergangenen Monaten immer wieder Vorteile für die Arbeiter gebracht.

"Vielleicht kommen wir damit weiter"

Die New-Fabris-Mitarbeiter haben gegenüber des Werksgeländes einen symbolischen Friedhof eingerichtet. Holzkreuze, denen sie ihre Blaumänner zu Füßen gelegt haben. Als Faustpfand behalten sie die Maschinen, deren Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird. Sie wollen die Hoffnung nicht aufgeben, sagt Mitarbeiter Alain: "Wir kämpfen. Wir behalten Maschinen hier, so wie Geiseln. Vielleicht kommen wir damit weiter."

Für Donnerstag ist ein Protestmarsch zum früheren Auftraggeber Renault geplant. Der hat bereits erklärt: Für Abfindungen an frühere Zulieferer sei man nicht zuständig.

Stand: 13.07.2009 12:38 Uhr
 

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