Demo vor dem Apple-Store in Los Angeles | Bildquelle: dpa

Unterstützung für Apple im Streit mit dem FBI "Knackt nicht unsere Telefone"

Stand: 24.02.2016 09:16 Uhr

Versammlungen vor Apple-Filialen kennt man normalerweise nur, wenn ein neues iPhone verkauft wird. Doch dieses Mal lockt der Konzern mit einem anderen Versprechen - dem Kampf für Bürgerrechte. Denn nur so kann Apple den Streit mit dem FBI gewinnen.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

Vor dem Apple Store in Santa Monica, im Westen von Los Angeles: Wenn der Konzern ein neues iPhone auf den Markt bringt, stehen hier die Kunden oft Schlange, doch an diesem Abend hat sich nur eine Handvoll Leute eingefunden. Sie wollen für Apple und gegen das FBI demonstrieren, das von Apple fordert, eine Software zu schreiben, um das iPhone des San-Bernardino-Attentäters zu entsperren.

Charles Frederiks gibt sich auch in der kleinen Gruppe kämpferisch: Die Lösung des FBI in Sachen Terrorismus sei, einfach jeden für einen Terroristen zu halten, und den Leuten ihre Bürgerrechte zu nehmen und ihr Privatleben auszuspionieren, sagte er.

Gates distanziert sich von FBI-Unterstützung

Auch in den Medien geht die Diskussion um Apples' Aufbegehren gegen das FBI weiter. Die Chefs von Google und Facebook hatten sich schon hinter Apple gestellt - dann wurde ausgerechnet Bill Gates, Gründer von Apple-Erzrivale Microsoft, mit den Worten zitiert, er stehe auf der Seite des FBI. Später stellte er beim Wirtschaftssender Bloomberg klar, dass diese Berichte nicht seine Haltung wiedergäben. Er glaube aber sehr wohl, dass die Regierung nicht völlig im Dunkeln tappen müsse, solange bestimmte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen würden, um den Zugriff auf Einzelfälle zu beschränken.

Demonstrantin vor FBI-Gebäude | Bildquelle: dpa
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Demonstrantin vor der FBI-Zentrale in Washington

Genau an dieser Frage scheiden sich die Geister: Geht es um den Einzelfall San Bernardino, oder will das FBI hier eine Tür aufstoßen, durch die anschließend alle möglichen Regierungen und auch Kriminelle Zugriff auf die Daten von iPhones hätten? Der Fall könnte am Ende vor dem Obersten Bundesgericht landen oder ein neues Gesetz nötig machen.

Demonstrant vor Apple-Filiale in Los Angeles | Bildquelle: dpa
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Demonstrant vor Apple-Filiale in Los Angeles

Der Kampf um die Meinungshoheit

Ob Apple sich am Ende durchsetzt, hängt wohl auch davon ab, dass möglichst viele Branchengrößen und Experten Apples Argumentation unterstützen. Das vermutet zumindest Michael Robinson, Kommunikationsberater für Unternehmen in Krisensituationen, im Interview mit dem Radiosender NPR:

"Für Apple ist entscheidend, dass sie nun nicht die einzigen bleiben mit ihrer Argumentation. Sonst wirken sie, als würden sie ihr Produkt verteidigen - und dann werden sie verlieren. Wenn die Leute dagegen den Eindruck haben, dass Apple stellvertretend für die US-Bürger ihre Privatsphäre verteidigt, dann gewinnt Apple."

Klar gegen Apple haben sich inzwischen einige Angehörige der Opfer von San Bernardino ausgesprochen: Robert Velazquez hat bei dem Anschlag im Dezember seine 27-jährige Tochter verloren. Wie er gegenüber dem Fernsehsender ABC sagte, geht es für ihn darum, dass das iPhone Informationen enthalten könne über mögliche weitere terroristische Pläne der beiden Attentäter.

Noch weitere Fälle

Und wie erklären die Apple-Unterstützer ihre Position den Opfern des Attentats? "Es bricht einem das Herz, was in San Bernardino passiert ist, aber es wäre respektlos, wenn das FBI nun diesen Anschlag dazu nutzen würde, um Zugriff auf Informationen zu bekommen, die es nicht braucht", sagt Demonstrantin Aki Rose vor dem Apple Store in Santa Monica.

Nach Recherchen von Michael Scarcella, Redakteur beim "National Law Journal", sind derzeit mindestens zwölf weitere Fälle anhängig, in denen die US-Behörden Apple auffordern, iPhones zu entsperren. Im Unterschied zum Fall San Bernardino waren diese Anfragen aber bislang nicht öffentlich bekannt.

Unterstützung für Apple
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
24.02.2016 09:36 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 24. Februar 2016 um 07:12 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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