Apple-Gebäude | Bildquelle: picture alliance / Mercury News

Apple-Zentrale in Cupertino Neues Zuhause, neues iPhone

Stand: 11.09.2017 11:06 Uhr

Es war das letzte große Projekt des verstorbenen Apple-Gründers Jobs - nun wird die neue Firmenzentrale in Cupertino offiziell eingeweiht. Gleichzeitig wird das neue iPhone vorgestellt. Erste Details wurden schon vorab bekannt.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Es war der letzte öffentliche Auftritt von Steve Jobs vor seinem Tod: Die Stadtratssitzung von Cupertino im Juni 2011: "Wir haben die besten Architekten der Welt verpflichtet. Unser Entwurf ermöglicht es, dass 12.000 Menschen in einem Gebäude arbeiten können." Je größer das Technologie-Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten wurde, desto mehr musste es Gebäude in und um Cupertino anmieten.

Jetzt dürfen also alle Mitarbeiter in den gigantischen Bau umziehen, der an die ringförmige Raumstation aus dem Stanley-Kubrick-Film "2001 - Odyssee im Weltraum" erinnert. Der nur vier Stockwerke hohe Bau hat fünf Milliarden Dollar gekostet und ist sanft in einen Park mit 6000 Bäumen eingebettet. Jobs und Apple-Chef-Designer Jony Ive hatten 2011 ein großes Ziel: Sie wollten die Arbeitswelt neu erfinden. 

Ein 1,6 Kilometer langer Ring aus Stahl und Glas

"Es ist ein spektakuläres Gebäude", sagt der Journalist Stephen Levy vom Tech-Magazin "Wired" in San Francisco gegenüber dem Fernsehsender CBS. Levy durfte noch vor dem Einzug der Apple-Mitarbeiter den 1,6 Kilometer langen Ring aus Stahl und Glas besichtigen. Doch er ist auch ein wenig skeptisch: "Die Zeit wird zeigen, ob es wirklich das beste Bürogebäude der Welt ist. "Jeder Zentimeter sei "durchdekliniert" worden. Die Mitarbeiter wüssten, dass sie hier in einem besonderen Bau arbeiteten, meint Levy.

Apple-Gebäude | Bildquelle: picture alliance / Mercury News
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Kritiker bemängeln, die neue Firmenzentrale sei schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Involviert war auch der britische Stararchitekt Norman Foster, der die Reichstagskuppel entworfen hatte. Die Ringform sowie die Komplettverglasung sollen die Verbundenheit aller Mitarbeiter symbolisieren. Die Architektur soll nicht trennen. Es gibt nur Großraumbüros, auch für die Führungsetage.

"Wie besessen" habe Jobs vor seinem Tod an den Entwürfen für die neue Firmenzentrale gearbeitet, erzählt Levy. Er sei sehr engagiert gewesen und habe in den letzten beiden Jahren seines Lebens viel Zeit mit der Planung des Gebäudes verbracht. "Die Architekten haben mir erzählt, sie seien bei den Treffen mit Jobs nicht mal auf die Toilette gegangen, weil sie alles genauso umsetzen wollten, wie er es gewünscht hatte." Jobs und sein Designer Ive hätten bei der Planung auf viele Details geachtet, erzählt Levy.

Software-Leak gibt Hinweise auf "iPhone X"

Ein Software-Leak hat Hinweise auf das am Dienstag erwartete, neue iPhone gegeben. Demnach wird das Modell den Namen "iPhone X" tragen, sich wie erwartet per Gesichtserkennung entsperren lassen und Aufladen ohne Kabel unterstützen, berichten mehrere Technik-Websites in den USA. Zudem soll es Videos in hoher 4k-Auflösung aufnehmen können.

Über die Gesichtserkennung Face ID sollen Nutzer auch - wie heute bereits mit dem Fingerabdruck - App-Käufe sowie Einkäufe im Handel mit dem Bezahldienst Apple Pay bestätigen können.

Apple will das neue Telefon - das erste mit einem neuen Design seit 2014 - am Dienstag (19.00 Uhr MESZ) vorstellen. Gleichzeitig soll es laut Medienberichten modifizierte Versionen der aktuellen iPhone 7 und iPhone 7 Plus geben.

Versorgt mit Solarenergie

Steve Jobs mit seinem späteren Nachfolger Tim Cook im August 2007
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Steve Jobs - hier mit seinem Nachfolger Tim Cook im August 2007 - initiierte den Neubau als letztes Großprojekt vor seinem Tod.

Der Apple-Mitgründer soll sogar festgelegt haben, wie und zu welcher Jahreszeit das Holz für die Vertäfelung geschlagen werden sollte, damit es möglichst wenig Saft enthält. Das Gebäude hat keine Aufzüge und es versorgt sich mit Solarenergie, die vom Dach kommt. Unter der Firmenzentrale gibt es eine riesige Tiefgarage. Die Kantine bietet Platz für 4000 Personen. Das Fitness-Center ist mehr als 9000 Quadratmeter groß. Angeschlossen ist ein Yoga-Zentrum, das über zwei Stockwerke verfügt.

"Wenn man im Gebäude ist, merkt man gar nicht, wie riesig es ist", sagt Levy. "Es ist sehr hell, weil Innen- und Außenwand aus Glas sind. Es wirkt nicht breit, man glaubt fast, man sei in der Natur."

Einige Mitarbeiter sind unzufrieden

Kritiker sind der Meinung, das Technologie-Unternehmen habe Steve Jobs ein Denkmal setzen wollen. So bemängelte Allison Arieff unlängst in der "New York Times", die schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Zudem habe es die Stadt Cupertino versäumt, günstigen Wohnraum im Umfeld zu ermöglichen.

Und selbst innerhalb von Apple regt sich angeblich Widerstand: Einige Programmierer sind wohl sauer, dass sie ihre Einzelbüros aufgeben und stattdessen in Großraumbüros arbeiten sollen. Aber vielleicht sind das alles "Geburtswehen", wie man sie häufig bei solch großen Bauprojekten erlebt. "Wired"-Journalist Levy meint zu alledem: "Bei Apple herrscht die Meinung: Wenn man in einem exzellenten Gebäude arbeitet, dann werden die Mitarbeiter auch exzellente Produkte herstellen."

Apple-Zentrale in Cupertino
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
11.09.2017 09:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 12. September 2017 um 06:09 Uhr.

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