Apple-Chef Tim Cook | Bildquelle: AFP

Apple mit neuer Strategie Alles eine Nummer kleiner

Stand: 21.03.2016 22:46 Uhr

Mit einem handlicheren iPhone will Apple Kunden erreichen, die bisher einen weiten Bogen um den Konzern gemacht haben. Helfen soll dabei auch der Preis, der für Apple-Verhältnisse niedrig ist.

Von Alex Nieschwietz, WDR

62 Minuten und dann war Schluss. So schnell gehen Produktpräsentationen des kalifornischen Technologiekonzerns Apple normalerweise nicht rum. Sonst kratzt Konzernchef Tim Cook auch gerne mal an den zwei Stunden. Plus Zugabe. Aber es gab bei Apples erster Produktshow in diesem Jahr schlicht nicht mehr zu zeigen, wofür man mehr Zeit gebraucht hätte: Ein kleineres iPhone und ein verbessertes iPad sind die wichtigsten neuen Produkte der an Highlights armen Veranstaltung.

iPad - ein PC-Ersatz?

Das neue iPad Pro hat ein 9,7-Zoll-Display und ist damit so groß wie die bisher iPad Air genannten Tablet-Computer. Apple will, dass das iPad Pro vor allem von Leuten gekauft wird, die es als Ersatz für einen Schreibtisch-Computer nutzen möchten. Deshalb verkauft Apple als Zubehör auch beispielsweise eine ansteckbare Tastatur, die PC-Feeling ans iPad bringen soll.

Dass die Rechnung aufgeht, darf bezweifelt werden - kurz nach der Präsentation des iPad Pro diskutierten User im Kurznachrichtendienst Twitter darüber, wie professionell man wirklich mit Apples Unterwegsbetriebssystem iOS, das auch auf dem neuen iPad Pro läuft, arbeiten kann.

Das iPad Pro mit 9,7-Zoll-Display kommt am 31. März in den Handel. Es wird zwischen 689 und 1199 Euro kosten. Interessant ist aber: Die Einführung der Pro-Variante bedeutet für die älteren iPad-Modelle, dass diese um 100 Euro im Preis reduziert werden. Mit der Preisreduktion hofft Apple wohl seine zurückgehenden iPad-Verkäufe ankurbeln zu können.

Apple-Manager Phil Schiller stellt das iPad Pro vor. | Bildquelle: AFP
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Apple-Manager Phil Schiller stellt das iPad Pro vor.

Design alt, Innenleben neu

Das zweite neue Produkt von Apple ist ein iPhone SE genanntes, neues, kleineres Smartphone. Es ist äußerlich nicht vom mehr als zwei Jahre alten iPhone 5s zu unterscheiden. Das 4-Zoll-Display soll die Kunden überzeugen, denen die letzten iPhone-Modelle zu groß geworden waren, die aber trotzdem nicht auf zeitgemäße Hardware verzichten wollen.

Deshalb gibt das neue kleine iPhone im inneren Gas. Es hat denselben modernen Prozessor, der im aktuellen iPhone 6s werkelt. Und auch andere Funktionen der großen iPhones sind im SE verbaut: zum Beispiel ein Fingerabdruck-Scanner und eine 12-Megapixel-Kamera.

Apple-Vizechef Greg Joswiak stellt das iPhone SE vor. | Bildquelle: REUTERS
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Das iPhone SE (ganz links) soll Kunden anlocken, denen die anderen Modelle zu groß und zu teuer sind.

Das iPhone SE wirkt wie ein zu heiß gewaschenes Smartphone: aktuelle Technik, eingelaufen; wahrscheinlich mit Hintergedanken. Denn Apple weiß, dass 35 Prozent aller iPhone-Besitzer nie auf die Modelle mit größerem Display umgestiegen sind, ein riesiges Absatzpotenzial.

Und noch eine interessante Statistik präsentierte Apple-Chef Tim Cook: Mehr als ein Drittel aller Menschen, die zum ersten Mal ein iPhone kaufen, kaufen sich eines mit kleinem 4-Zoll-Display. Kleinere iPhones funktionieren also gut als Einsteiger-Smartphones.

Geschrumpfter Preis ist die Nachricht

Das wahrscheinlich wichtigste Kriterium für den Kauf eines Smartphones ist aber der Preis. Und hier liegt das eigentlich Spannende an Apples sonst recht unspektakulärer Veranstaltung: Apples wichtige Produkte werden durch die Bank billiger.

Die Apple Watch um 50 Euro, das iPad Air 2 um 100 Euro und das neue, kleinere iPhone SE, mit aktueller Technik im Inneren, wird ab Ende März für 489 Euro verkauft werden. Das ist ein bisher für aktuelle Apple-Technik undenkbarer Preis, er wurde im Vergleich zum iPhone 6s fast halbiert.

Das Kalkül ist klar: Wenn es jetzt auch technisch-zeitgemäße Apple-Produkte für einen kleineren Preis gibt, dann werden mehr Menschen, auch mit schmalerem Geldbeutel, zuschlagen. Oder kurz gesagt: Hauptsache mehr Kunden kaufen Apple-Produkte, dann geht alles eine Nummer kleiner - auch der Preis.

Apple entscheidet sich für den Schutz der Daten seiner Kunden
ARD-Morgenmagazin, 22.03.2016, Sandra Ratzlow, ARD Washington

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