Kartellamt prüft Amazon-Preisklausel für Händler

Wettbewerbshüter ermitteln

Amazon wegen Preisdiktats unter Kartellverdacht

Paket des Online-Händlers Amazon (Bildquelle: REUTERS)
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Eine Vertragsklausel von Amazon ist ins Visier der Kartellbehörden geraten.

Das Bundeskartellamt nimmt Vertragsklauseln für die Nutzung der Amazon-Webseite durch andere Händler unter die Lupe. Die Wettbewerbsbehörde teilte mit, dass sie mit der Befragung von 2400 Händlern begonnen habe, die ihre Waren unter anderem bei Amazon verkaufen. Es geht um die Frage, ob die dabei geltende sogenannte Preisparitätsklausel gegen das allgemeine Kartellverbot verstößt - mit negativen Folgen für die Verbraucher.

Umstrittene Vertragsklausel

Amazon verkauft auf seiner Plattform nicht nur selbst Waren, sondern hat sie auch für andere Anbieter geöffnet. Händler, die diese Möglichkeit nutzen, sind aber an die Preisparitätsklausel gebunden. Wer ein Produkt bei Amazon anbietet, darf demnach dasselbe Produkt an anderer Stelle im Internet nicht günstiger anbieten. Dieses Verbot von Amazon betrifft nicht nur andere Online-Marktplätze wie Ebay, sondern auch die Online-Shops der jeweiligen Händler.

Diese Preisparitätsklausel von Amazon könne gegen das allgemeine Kartellverbot verstoßen, erklärte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. Das sei vor allem dann der Fall, wenn der Wettbewerb zwischen den Internet-Marktplätzen durch die eingeschränkte Freiheit bei der Preisfestlegung beschränkt werde. "Hierfür spricht einiges", sagte Mundt. Denn Händler hätten normalerweise ein Interesse daran, ihre Waren an mehreren Stellen parallel anzubieten.

Probleme für neue Amazon-Konkurrenten

Neue Anbieter von Online-Marktplätzen können zwar um Händler werben, indem sie im Vergleich zu Amazon zum Beispiel einen geringeren Prozentsatz des Verkaufspreises als Gebühr verlangen. Dadurch könnten die Händler bei gleich bleibenden Gewinnen das Produkt dem Endverbraucher günstiger anbieten als bei Amazon. Genau das verhindert aber Amazon derzeit mit der Preisparitätsklausel. Diese erschwert es letztlich auch neuen oder kleineren Internet-Marktplätzen, sich mit dem Argument niedrigerer Preise als Amazon-Konkurrent auf dem Markt zu etablieren. Nach Ansicht des Bundeskartellamts besteht somit die Gefahr, "dass hohe Händlergebühren von Amazon durchgesetzt werden und das System so insgesamt zu einem höheren Preisniveau zulasten des Verbrauchers führt".

Mit der Befragung Tausender Händler wollen die Wettbewerbshüter Informationen zu Wirkung der Amazon-Vertragsklausel sammeln. Sollte sich der Verdacht des Kartellamts bestätigen, könnte Amazon gezwungen werden, die Preisparitätsklausel zu streichen.

Stand: 20.02.2013 12:19 Uhr

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