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Nach Kritik an Arbeitsbedingungen beim Versandhändler
Amazon trennt sich von Vertragspartnern
Nach der Kritik an unwürdigen Arbeitsbedingungen bei Amazon hat der Versandhändler erste Konsequenzen gezogen. Der US-Konzern hat die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst Hensel European Security Service (H.E.S.S.) aus Kassel mit sofortiger Wirkung beendet, wie eine Sprecherin des Onlineportals dem Hessischen Rundfunk sagte.
Dem Sicherheitsdienst werden nach Recherchen der ARD Verbindungen zur rechtsextremistischen Szene nachgesagt. "Als verantwortungsvoller Arbeitgeber von rund 8000 fest angestellten Logistikmitarbeitern hat Amazon eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung - und wir erwarten das Gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten", sagte die Amazon-Sprecherin. Hensel Security weist die Vorwürfe zurück.
Auch Logistik-Unternehmen gekündigt
Die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen, das für Unterbringung und Transport von Beschäftigten sowie für den Einsatz der Sicherheitskräfte verantwortlich war, sei ebenfalls beendet worden, teilte Amazon mit. "Amazon ist verantwortlich dafür, dass alle Beschäftigten unserer Logistikzentren jederzeit sicher sind und mit Respekt und Würde behandelt werden", hieß es in der Stellungnahme. Es sei nicht gelungen, dies zu gewährleisten.
Amazon trennt sich von umstrittener Sicherheitsfirma
tagesthemen 22:15 Uhr, 18.02.2013, Oliver Feldforth, HR
Angelockt mit falschen Versprechungen
Die ARD-Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Der Film schildert die Situation am Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld. Demnach werden Arbeitssuchende vor allem aus Osteuropa und Spanien mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt, um bei Amazon befristet zu arbeiten. Ihre Bezahlung ist nach Angaben der Gewerkschaft ver.di schlecht. Untergebracht werden die Leiharbeiter in überfüllten Feriendörfern. Mitarbeiter von H.E.S.S. hatten dort Zimmer durchsucht, auch das Filmteam wurde bei seinen Recherchen behindert.
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte am Wochenende Konsequenzen angedroht. Sie warnte die Leiharbeitsfirma, die mit Amazon zusammenarbeitet, vor einem Lizenzentzug, und ordnete eine Sonderprüfung der Bundesagentur für Arbeit an. Die Ergebnisse sollen im Laufe der Woche vorliegen. "Sollte die Sonderprüfung ergeben, dass an den Vorwürfen gegen die Leiharbeitsfirma etwas dran ist, dann steht die Lizenz auf dem Spiel", sagte von der Leyen der "Welt am Sonntag".
Arbeitsbedingungen beim Online-Versandhaus Amazon
nachtmagazin 01:06 Uhr, 13.02.2013, Diana Löbl/ Peter Onneken, HR
Ver.di hat Amazon schon länger im Visier
Ver.di wirft Amazon schon seit längerem vor, gerade Saisonkräfte schlecht zu bezahlen und etwa mit strengen Kontrollen und Überwachung zu gängeln. Für Zeit- und Leiharbeiter gibt es in Deutschland keinen einheitlichen Mindestlohn, sondern sogenannte Lohnuntergrenzen. Sie liegt derzeit im Westen bei 8,19 Euro pro Stunde und im Osten bei 7,50 Euro. Amazon zahlt seinen Zeitarbeitern nach eigenen Angaben im ersten Jahr einen Bruttostundenlohn von mindestens 9,30 Euro.
Für die fest angestellten Mitarbeiter an den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld kämpft die Gewerkschaft um höhere Löhne. Ver.di verlangt, dass Amazon einen Flächentarifvertrag für den Einzelhandel anerkennt. Daraus würden sich deutlich höhere Stundenlöhne ergeben. Bislang orientiert sich das Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche.
Amazon trennt sich von Sicherheitsdienst "H.E.S.S."
M. Braun, DLF
18.02.2013 17:38 Uhr
Stand: 18.02.2013 23:30 Uhr
