Amazon-Logo in Birmingham/Alabama | Bildquelle: AP

Zweiter Standort gesucht Alle wollen Amazons Zentrale

Stand: 01.11.2017 10:44 Uhr

Amazon sucht einen zweiten Hauptstandort - und für viele Regionen wäre der Zuschlag wie ein Sechser im Lotto. Fünf Milliarden Dollar will der Konzern investieren und 50.000 Mitarbeiter beschäftigen. So mancher Bewerber hat sich mächtig ins Zeug gelegt.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Jeff Bezos | Bildquelle: dpa
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Amazon-Chef Jeff Bezos hat mit der ungewöhnlichen Ausschreibung für viel Aufmerksamkeit gesorgt.

238 Städte aus Nordamerika haben sich bei  Amazon für den Sitz des zweiten Hauptstandortes beworben. Unter den Interessenten sind New York, die US-Hauptstadt Washington, Boston; Bewerbungen kamen aber auch aus Puerto Rico, Kanada und Mexiko. Mit der ungewöhnlichen Ausschreibung hat Amazon-Chef Jeff Bezos für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Der Online-Händler wächst rasant, stößt aber in seiner Heimat Seattle im Nordwesten der USA mittlerweile an seine Grenzen. Wer den Zuschlag für das sogenannte HQ2 erhält, will Amazon im kommenden Jahr bekannt geben.

Viele Städte in den USA haben sich für ihre Bewerbung richtig ins Zeug gelegt. Mancher Bürgermeister produzierte sogar ein Video und demonstrierte den gekonnten Umgang mit der Amazon-Sprachassistentin Alexa. Die Bewerberstadt Tucson in Arizona schickte einen überdimensionalen Kaktus nach Seattle, wo Amazon seinen Hauptsitz hat, um der Bewerbung Nachdruck zu verleihen.

Jahresgehalt für die Mitarbeiter: 100.000 Dollar

In der Stadt im Nordwesten der USA wird es dem Onlinekaufhaus langsam zu eng. Microsoft, Boeing und Starbucks haben ebenfalls ihren Sitz dort. Und genau das macht das Wachstum schwierig: Die Immobilienpreise sind hoch und die Straßen oft verstopft. Gute Talente zu finden, ist schwierig. Amazon verspricht, an seinem neuen Hauptstandort fünf Milliarden Dollar zu investieren und 50.000 Mitarbeiter zu beschäftigen. Jahresgehalt pro Mitarbeiter: um die 100.000 Dollar. Für viele Regionen wäre das wie ein Sechser im Lotto.

Die Amazon-Zentrale in Seattle | Bildquelle: dpa
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Die Amazon-Zentrale in Seattle.

Das weiß auch Birgit Klohs. "Wir haben 108 Seiten gebunden, wie ein sehr schönes Buch, das unsere Region sehr gut vorstellt", sagt sie. Kohls ist die Chefin der Wirtschaftsförderung der Metropolregion Grand Rapids im Westen des Bundesstaates Michigan. 90.000 Studenten in 20 Colleges und Universitäten in der Region gebe es, erzählt sie. "Das war Amazon sehr wichtig. Wir haben also viele Punkte, für die sich Amazon interessiert, erfüllt."

Der Mittlere Westen der USA, so hieß es in den vergangenen Wochen immer wieder, habe gute Chancen, den Zuschlag zu erhalten. Doch Grand Rapids erfüllt in einem Punkt den Anforderungskatalog von Amazon nicht. Es verfügt zwar über einen Flughafen mit 2,5 Millionen Passagieren im Jahr, doch der ist nicht international angebunden - wenn man mal von Flügen nach Kanada absieht.

Auch Detroit hat Chancen

Ansonsten würde die Region recht gut da stehen. Sie kommt auf eine Million Einwohner, hat gut ausgebildete Arbeitskräfte und Universitäten, verfügt über Fahrradwege und mit dem Michigansee über gute Naherholungsmöglichkeiten. Alles Punkte, die Amazon wichtig sind. Allerdings: Allzu große Hoffnungen macht sich die Chefin der Wirtschaftsförderung nicht: "Natürlich sind wir eine kleine Region und glauben nicht, dass wir am Ende gewinnen", sagt sie. "Aber wir fanden, dass es wichtig war für unsere Region, uns gut darzustellen und unsere guten Aspekte dieser Firma vorzustellen."

Größter Konkurrent ist Detroit im Osten des Bundesstaates, zwei Autostunden von Grand Rapids entfernt. Detroit ist eine Stadt, die mit der US-Autoindustrie, mit Ford und General Motors groß wurde und jetzt unter deren Niedergang leidet. Neben Austin in Texas, wo die Amazon-Tochter "Whole Foods" ihren Sitz hat, werden auch der Auto-Stadt gewisse Chancen eingeräumt. "Sollte Detroit in die Runde der letzten fünf kommen, würden wir den Antrag von Detroit unterstützen", sagt Klohs. "Denn wenn Detroit gewinnt, gewinnen wir auch."

Amazon sucht zweiten Hauptsitz in den USA
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
01.11.2017 09:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info (Aktuell 4) am 01. November 2017 um 10:50 Uhr.

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